Rupertiwinkler Originale: Die Schlackenhäuser

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Schlackenhaus in Aich bei Petting.

Rupertiwinkel - Gescheckte und getupfte Fassaden, bunte Fensterläden und -giebel: Die Schlackenhäuser sind nicht nur ein Augenschmaus, sie zeugen auch von Industriegeschichte.

Hervorragendes Beispiel für eine Fassade mit großen und kleinen Schlackensteinen in Mörnberg bei Petting. Gut zu erkennen ist auch die poröse Struktur des Materials. Zum Vergrößern bitte hier klicken.

Sie fallen ins Auge, wenn man im Rupertiwinkel unterwegs ist: Gescheckt gemauerte Hausfassaden mit grauen oder schwarzen Schlackensteinen. Dazu oft bunte Fensterläden und -giebel. Die sogenannten Schlackenhäuser sind eine Eigenart des Hausbaus im Rupertiwinkel. Oft, aber nicht nur, sind es stolze Bauernhäuser - doch so alt wie man meinen könnte, sind die Gemäuer keineswegs.

"Bis 1925 wurden hier Eisenerze verhüttet", weiß Sepp Winkler. Er leitet das Bergbaumuseum im Achthal, zwischen Neukirchen und Oberteisendorf. Die Schlacke war dabei quasi ein Abfallprodukt aus der Eisenproduktion: "Mit kaltem Wasser wurde die flüssige Schlacke abgekühlt und ist dabei zu diesen Steinen erstarrt", so Winkler. Man fand heraus: Die Schlacke eignete sich hervorragend als Baustoff. Nicht sehr schwer, ein guter Wärmespeicher, für die Bauherren der Region erschwinglich und so ein zweites, finanzielles Standbein für den Achthaler Hochofen.

Italienische Bauherren zeigten den Maurern, wie's geht

Sepp Winkler, Leiter des Bergbaumuseums im Achthal.

"Vor allem in der Zeit vor und nach dem Ersten Weltkrieg hat man damit gebaut. Und: Es waren meistens italienische Bauleiter, die so bauen ließen", erzählt der Museumsführer. Die Italiener waren als hervorragende Maurer und Künstler gefragt, "die hiesigen Maurer waren dagegen ja eher ,batzert'", grinst Sepp Winkler.

Dass man die prägnanten Hausfassaden fast ausschließlich im Rupertiwinkel findet, ist der niedrigen Qualität der Erze aus dem Teisenberg geschuldet: Nur rund 25 Prozent Eisengehalt, bedeutet etwa drei Viertel "Abfall" bei der Verhüttung - und umso mehr Baumaterial für die Häuser der Region. Auch im benachbarten Bergen wurde verhüttet, aber die dortigen Erze waren reichhaltiger an Eisen, es fiel weniger Schlacke an. Daher sind die auffälligen Fassaden im Chiemgau relativ selten.

Fotostrecke: Steht eines der Häuser in Ihrer Nachbarschaft?

Fotos: Schlackenhäuser im Rupertiwinkel

Typisch: Schwarz getupfte Fassade, grüne Fensterläden, rote Fenstergiebel. Ein Schlackenhaus in Roßdorf bei Teisendorf. Zur größeren Ansicht bitte hier klicken.

Das relativ geschlossene Verbreitungsgebiet der Schlackenhäuser zeugt damit auch von der Rupertiwinkler Identität: Der Landstrich kam erst 1810 zum damaligen Königreich Bayern, gehörte zuvor über Jahrhunderte dem Erzstift Salzburg. Er erstreckt sich von Tyrlaching im Norden bis Piding im Süden. Grenzorte im Westen bilden Heiligkreuz bei Trostberg, Otting, Lauter bei Surberg oder Neukirchen, im Osten die Flüsse Saalach und Salzach.

Neben der Vermauerung ganzer Schlackensteine war auch der Schlackenputz beliebt: "Da wurden nur kleine Steine in den Mörtel gedrückt, das hatte dann nur ästhetische Zwecke", so Winkler. Vor allem im Süden und Osten des Rupertiwinkels findet man noch heute schöne Beispiele dieser Bauweise, doch Sepp Winkler bedauert: "Wenn nach 1945 nicht so viele verputzt worden wären, gäbe es noch viel mehr."

xe

Quelle: BGland24.de

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