Betrug mit Betrug korrigiert

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Die österreichische Gewerkschaftsbank BAWAG ist vor fünf Jahren durch Skandale und dubiose Immobiliengeschäften ins Gerede gekommen. Bis in das Rosenheimer Schöffengericht schlagen die Wellen noch heute.

Ein Unternehmerehepaar aus dem Raum Bad Kissingen war auf die Werbung eines Immobilienvermittlers aus Bad Aibling hereingefallen. Dieser bot eine Wohnung in der Wittelsbacherstraße in Rosenheim an. Damals erklärte er den potenziellen Kunden, dass der Erwerb dieser Wohnung praktisch ohne finanziellen Aufwand möglich sei. Alleine mit der erzielten Miete könnten Zins und Tilgung abgedeckt werden. Was das Ehepaar nicht erkannte: Der Preis für die Immobilie von rund 250.000 Euro war zweieinhalbfach überhöht. Eine Miete, die diese Belastungen abdeckte, war unmöglich zu erzielen.

Der Vermittler, ein Immobilienmakler, der noch heute als solcher tätig ist, erzielte eine derart exorbitante Provision, dass er über ein Jahr lang, von den neuen Eigentümern unbemerkt, auf die Miete zuzahlte, um den Anschein der Rentabilität aufrecht zu erhalten. Erst als dann der Mieter wechselte, stellte er seine Zuzahlungen ein. Die Käufer mussten nun feststellen, dass sie ein sehr schlechtes Geschäft gemacht hatten. Verständlicherweise wollten sie diese Geldvernichtungsmaschine umgehend los werden. Jetzt wurde klar, dass die Wohnung maximal 100.000 Euro wert war. Um wenigstens einen Teil ihres Geldes zu retten, griffen sie ihrerseits zu unerlaubten Methoden. Sie gaben bei der Verbriefung einen geringeren Wert an, um Steuern und Notargebühren zu sparen und tricksten zudem bei der Löschungsbewilligung durch die BAWAG im Grundbuch. So war die Käuferin, die die Wohnung als Prostituierten-Appartement erwerben wollte, um 30.000 Euro betrogen.

Das Ehepaar, bisher völlig unbescholten, hatte bereits einen Großteil des entstandenen Schadens beglichen und auch für den Rest eine Tilgungsvereinbarung getroffen. Einzig die BAWAG und der Vermittler hatten hierbei Gewinne erzielt. Deshalb, und weil beide Ehepartner umfassend geständig waren, schlug der Staatsanwalt vor, die beantragte Strafe von 18 Monaten Gefängnis zur Bewährung auszusetzen.

Die Verteidigung, das Rechtsanwaltsehepaar Sylvia und Robert Jofer, schlossen sich der Argumentation des Staatsanwaltes an, sahen aber die Straferwartung aus den gleichen Gründen bei zwölf Monaten. Das Gericht unter dem Vorsitz von Richter Heinrich Loeber nutzte den Mittelweg und verurteilte das Ehepaar zu je 15 Monaten Gefängnis, die auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt wurden. Der Vermittler, er beobachtete den Prozess im Zuschauerraum, wird nun ebenfalls wegen Betrugs verfolgt.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser