Interview zum Thema Milchautomat

Rohmilch aus dem Automat? Das müssen Sie wissen!

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+

Landkreis Berchtesgadener Land: Interview mit der Landesanstalt für Landwirtschaft: Sind Milchautomaten eine alternative Vertriebsmöglichkeit für Milchbauern? 

Die Diskussion um die Milchbauern und deren Absatzmärkte nimmt kein Ende. Immer mehr Bauern setzen auf sogenannte Milchautomaten, bei denen sich die Verbraucher eigenständig 24 Stunden frische Milch vom Bauernhof buchstäblich zapfen können. BGLand24.de hat Frau Dr. Hensel-Lieberth von der Landesanstalt für Landwirtschaft interviewt, was man bei solchen Automaten beachten muss.In unterschiedlichen Befragungen und Studien wurden seitens der Landesanstalt für Landwirtschaft Milchautomaten, bzw. Zapfstellen näher betrachtet, u.a. auch die sogenannten „Milchtankstellen“. Diese sind Automaten der Firma Risto, die auch das Werbekonzept dazu anbietet. Da es sich hierbei um eine geschützte Marke handelt, wird dieser Begriff nicht für allgemeine Aussagen (ebenso Milch-Zapfstelle) verwandt.

Welche Erfahrungen haben Sie in Bayern mit diesem Konzept?

Die Vermarktung von Milch direkt ab Hof hat schon eine lange Tradition. Die Vermarktung mit Hilfe von Automaten zum Selbstzapfen erlebt derzeit einen großen Aufwind. Aber auch hier gibt es Betriebe, die schon seit zehn Jahren Milch derart anbieten. Daran zeigt sich, dass die Vermarktungsform durchaus erfolgreich sein kann.

Wieviele Milchtankstellen gibt es in Bayern

Wir führen dazu keine Statistik und können keine Zahlen nennen. Verschiedene Plattformen, z. B. unsere Plattform „regionales Bayern“ listet Anbieter, die sich haben registrieren lassen.

Meines Wissens wird aus diesen Tankstellen nur Rohmilch verkauft, was müssen Verbraucher beachten?

An den Milch-Automaten wird sowohl Rohmilch als auch pasteurisierte Milch verkauft. Die Anbieter entscheiden, welche Art der Milch sie verkaufen möchten. Außerhalb des eigenen Betriebsgeländes kann z. B. nur pasteurisierte Milch verkauft werden!

Die Abgabe von Rohmilch muss unter Beachtung von §17 Tier-LMHV erfolgen. Hier ist z. B. vorgeschrieben, dass an der Verkaufsstelle ein Hinweis angebracht ist „Rohmilch – vor dem Verbrauch zu erhitzen!“ Rohmilch ist ein sensibles Produkt, bei dem durch Erhitzen (einmal wallendes Aufkochen) mögliche gesundheitsschädigende Keime zerstört werden.

Ansonsten sollte der Verbraucher bei Milch immer darauf achten, dass er die Milch in saubere Gefäße abfüllt und die Milch bei mind. 7 °C gekühlt transportiert (Kühltasche mitnehmen!).

Gibt es ein Maximalkontingent, dass ein Bauer auf diesem Wege verkaufen kann (Stichpunkt Verträge mit BGL Milchwerke z.B.)

Die Landwirte sollten unbedingt bevor sie einen Automaten aufstellen mit ihren Molkereien absprechen, welche Menge verkauft werden kann. Üblicherweise ist der Verkauf in großen Mengen nicht vorgesehen.

Thema Sauberkeit, Hygiene, etc. welche Auflagen gibt es?

Die Auflagen regelt die LMHV und Tier-LMHV. Die Absprache mit dem zuständigen Veterinäramt ist unbedingt erforderlich, damit die Umsetzung vor Ort rechtskonform erfolgt.

Kommt dieses Konzept positiv bei Ihnen und wird den Bauern sogar evtl. empfohlen? Wenn ja, bzw. nein was sind die Gründe?

Die Direktvermarktung von Milch ist eine Möglichkeit einen guten Preis für die eigene Milch zu erzielen. Der Erfolg hängt aber von verschiedenen Faktoren ab, z. B. Standort. Wer mit dem Automaten ganz neu in die Direktvermarktung einsteigt, beginnt einen neuen Weg vom reinen Produzenten hin zum Vermarkter (z.B. Kundenverkehr auf dem Hof, neue zusätzlich Angebote für Kunden zur Kundengewinnung und dauerhaften Halten dieser). Daher ist es sinnvoll, das Konzept gut zu durchdenken, den Markt zu erkunden, gewissenhaft zu kalkulieren und sich Rat – z.B. bemi Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten vor Ort einzuholen. Empfehlungen sprechen wir üblicherweise keine aus, wir können nur gut informieren und beratend zur Seite stehen. Bei einigen Betrieben passt das Konzept, bei anderen nicht. In einigen Regionen haben wir schon viele Anbieter, manche Regionen eignen sich nicht. Den langfristigen Erfolg kann keiner vorhersagen – die Stählerne Kuh der 80er Jahre ist vom Markt verschwunden. Gründe wurden damals nicht erfasst und können nur gemutmaßt werden. Neben dem ökonomischen Gewinn ist aber der Imagegewinn für viele Anbieter, vor allem größere Betriebe, ein Grund einzusteigen.

Quelle: BGland24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Mehr zum Thema

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser