Briefe aus der Sommerfrische am Chiemsee

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Volles Haus bei der Lesung: die Leiterin der Galerie Monika Hauser (stehend) und Referent Michael Pilz

Rosenheim – Sie sind lebendig und amüsant, und vor allem ein Teil der Geschichte rund um den Chiemsee: „Briefe aus der Sommerfrische“ von Wissenschaftlern, Schriftstellern und Malern aus dem 19. und 20. Jahrhundert.

Wie unterhaltsam diese Briefe sind, erlebten mehr als 60 Besucher der Lesung „Briefe aus der Sommerfrische“ in der Städtischen Galerie Rosenheim. Michael Pilz hatte zahlreiche Beispiele mitgebracht und gestaltete mit den witzigen, zuweilen skurrilen Briefen einen vergnüglichen Abend in der Galerie.

Bereits in den Jahren 1810 bis 1820 erschienen die ersten Geschichten vom Chiemsee in der deutschsprachigen Unterhaltungspresse. In Geschichten wie „Die Unglücklichen vom Chiemsee“ oder „Baumburg oder der Fluch des Vaters“ ging es um Liebes- und Familiendramen. Diese Werke sind längst nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt einen weit unbekannteren Bereich der Literatur, der zum amüsantesten und lebendigsten gehört, was uns an Frühgeschichte des Tourismus im Chiemgau vorliegt, und das sind die Briefe aus der Sommerfrische“, erklärte Pilz. Namhafte Persönlichkeiten haben ihren Aufenthalt auf Frauen – oder Herrenchiemsee oder in den Gemeinden rund um den See schriftlich festgehalten. Darunter sind etwa der Historiker Johann Christoph von Aretin, Schriftsteller Wilhelm Raabe, Dichter Clemens von Brentano oder der Philologe Friedrich Thiersch. Letzterer unternahm bereits 1812 eine mehrtägige Reise in den Chiemgau. Über seinen Aufenthalt auf Frauenchiemsee und den See selbst schreibt er: „Die anmuthigsten Gruppen füllen die entzückende Scene und das blaue Gewässer schlingt sich bald als Bänder, bald als Spiegel hier durch das lichte Grün der Matten, dort durch das Dunkel der Waldung hin, umgrenzt von Alpengebirgen, deren Gipfel schon von frisch gefallenem Schnee weiß sind, während umher noch der anmuthigste Herbst lacht.“ Doch die Ruhe hielt mit der Einführung der Dampfschifffahrt und dem Bau der Eisenbahnverbindung von München nach Rosenheim und Salzburg im Jahr 1860 nicht lange an. Künstler beklagten sich über die Sommerfrischler aus der Stadt, Schriftsteller fühlten sich gestört. So etwa kritisierte Schriftsteller Felix Dahn in einem Brief aus dem Jahr 1860, dass der Münchner Bürger seit dem Bahnbau die Inseln überrennen würden: „Ich bliebe gern noch länger hier, so schön und anmutig ist es. Aber im Mai beginnt die Dampfschifffahrt und dann kommt das blasierte Städtervolk und die unerträglichen Culturgesichter auch hierher.“

Vom Ansturm der Touristen war auf Herrenchiemsee weniger zu spüren. Das berichtete 1894 Bestseller Autor Richard Voss in einem Brief an die Wiener Baronin Josephine von Wertheimstein. Die Größe des Schlosses und die Ruhe auf der Insel veranlassten Voss, das Bild eines verwunschenen Märchenschlosses zu zeichnen:

„Von meinem Fenster aus überblicke ich den Riesenbau – die Riesenruine des neuen Schlosses, jene unwürdige Nachäffung von Versailles. Allein Blick auf die Mauernmassen, in mitten einer Wildnis von Sumpf und Urwald genügt, um an den Wahnsinn des Königs glauben zu machen. Wer diese schönen Einsamkeiten durchirrt, glaubt sich auf einer Zauberinsel versetzt.“

Die Briefe aus der Sommerfrische von einst zeigen auf, wie und wo sich der Tourismus entwickelte. Die Fraueninsel war der „Renner“ bei Künstlern und Schriftstellern, kleine Örtchen wie Marquartstein oder die unmittelbar am Chiemsee gelegenen Dörfer avancierten zu Orten der Sommerfrische. Rosenheim dagegen war zwar Zentralort und Bahnknoten – doch die meisten fuhren durch. Maler Max Liebermann hielt sich wegen der Krankheit seiner Tochter eher unfreiwillig in der Stadt auf. Das gab ihm Zeit, mehrere Bilder mit Ansichten aus Rosenheim zu malen. An einen Freund schreibt er: „Wir befinden uns schon beinahe seit 3 Wochen in Rosenheim wo ich, soweit es das scheußliche Wetter zulässt, male, und zwar einen Bierkeller. Der ist aber ganz famos, und wenn das Bild nicht gut wird, dann kann der Bierkeller wahrhaftig nichts dafür.“

Solch erheiternde Zeugnisse der Briefe aus der Sommerfrische machten die Lesung in der Städtischen Galerie zu einem bunten und kurzweiligen Streifzug durch die Tourismusgeschichte am Bayerischen Meer. Der nächste Vortrag am 28. Oktober gibt dann einen Einblick in die „Suche nach dem Paradies“. Bei dieser Veranstaltung steht Märchenkönig Ludwig II und das Leben auf Herrenwörth im Mittelpunkt. Informationen dazu gibt es im Internet unter www.galerie.rosenheim.de

Pressemeldung Galerie Rosenheim

Quelle: rosenheim24.de

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