Falsche Bluttransfusion hat ein Nachspiel

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Rosenheim - In der RoMed Klinik kam es nach einer OP zu einer schweren Verwechslung: Einem Mann wurde die falsche Bluttransfusion übertragen. Dieser Fehler hat jetzt ein Nachspiel.

Aufgrund einer Darm-Perforation wurde ein 56-jähriger Patient in der Nacht vom 12. auf den 13. Mai 2011 in das RoMed Klinikum eingeliefert. Bereits am folgenden Tag kam es dann zur Operation. In einer Pressemitteilung spricht das Krankenhaus von einer "Routine-Operation". Auf Anfrage von Rosenheim24 bestätigte Elisabeth Siebeneicher, Leiterin für Öffentlichkeitsarbeit am RoMed Klinikum, dass es sich aber durchaus um eine "dringliche Darmoperation gehandelt hat. Da diese Eingriffe allerdings häufig durchgeführt werden und zum Tages-Operations-Programm gehören, wurde von einer Routine-Operation gesprochen."

RoMed Klinikum: Arzt gibt falsche Blutgruppe!

Zusätzlich zu den herkömmlichen Medikamenten bekam der 56-Jährigen nach der Operation eine Bluttransfusion. Das Tragische: Es war die falsche Blutgruppe. "Während des Vorganges war ständig ein Arzt bei dem Patienten. Plötzlich klagte der 56-Jährige über Übelkeit. Daraufhin wurde die Transfusion sofort durch den Arzt gestoppt. Im weiteren Verlauf entwickelten sich Kreislaufreaktionen. Anschließend wurden die entsprechenden stabilisierenden Maßnahmen eingeleitet." So beschreibt das Klinikum den Fall. Dabei hatte der Patient aber noch immenses Glück, denn eine falsche Bluttransfusion kann schwerwiegende Folgen haben.

Der Mensch hat blutgruppenabhängig natürliche Antikörper in seinem Blut. Bekommt ein Patient allerdings das Blut einer nicht passenden Gruppe übertragen, kommt es zu einer Antigen-Antikörper-Reaktion. Die körpereigenen Antikörper heften sich an das fremde Antigen und zerstören die roten Blutkörpchern. Dies bewirkt eine Hämolyse. Gerade nach einer schweren Operation kann dies im schlimmsten Fall sogar zum Tod des Patienten führen.

Das Rosenheimer Klinikum stellte klar, dass "die Situation zwar bedrohlich, aber nicht lebensgefährlich war". Der zuständige Arzt sei von Beginn an "leitlinienkonform" am Patientenbett gestanden, habe "die Komplikationen erkannt und adäquat reagiert". Wie die Klinik jetzt bekannt gab, "leidet der Patient noch an den Folgen seiner Grunderkrankung und wird weiterhin stationär behandelt."

Aber wie kommt es überhaupt zu einer solch folgenschweren Verwechslung? Elisabeth Siebeneicher erklärte, dass "es sich dabei um eine Fehlerkette gehandelt haben muss, die zur Verabreichung der falschen Blutgruppe geführt hat. Es wird aber noch intern recherchiert, wie es genau zu dieser Verwechslung kommen konnte". Das heißt, dass die falsche Blutkonserve durch mehrere Hände ging, bevor sie bei dem 56-jährigen Patienten gelandet ist.

Für die RoMed Klinik wird der Zwischenfall noch Folgen haben. Wie das Oberbayerische Volksblatt berichtet, hat die Staatsanwaltschaft Traunstein jetzt ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt wegen fahrlässiger Körperverletzung eingeleitet. Die Rosenheimer Kripo hat die Ermittlungen dazu übernommen. Nach geltendem Recht ist die Staatsanwaltschaft verpflichtet zu ermitteln, wenn sie durch Anzeige oder auf sonstige Weise von dem Verdacht einer Straftat erfahren hat.

Darüber hinaus soll der Patient mittlerweile einen Anwalt eingeschaltet haben. "In so einem Fall kümmert sich dann der Haftpflichtversicherer des Klinikums um die Regelung," meinte Siebeneicher. Zur Höhe einer möglichen Entschädigungszahlung in diesem Fall gibt es derzeit noch keine Angaben.

Wie eine Sprecherin des Anwaltsbüros Quirmbach und Partner aus Montabaur, Spezialisten für Ärztehaftung- und Medizinrecht, erklärte, "spielen neben dem Schmerzensgeld viele andere Faktoren, wie beispielsweise Berufsausfall und Folgeschäden, eine Rolle". Daher ist es schwer zu sagen, welche Folgen nun für die RoMed Klinik zu erwarten sind. Klar ist nur, dass der Fehler ein Nachspiel haben wird.

Patrick Steinke

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa/Aktivnews

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