Werke in USA und China gefälscht und verkauft

Bildhauer aus Flintsbach: "Das Ganze ist eine Riesensauerei!"

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Christian Peschkes Skulpturen werden seit über zehn Jahren in China gefälscht und verkauft. Links die Fälschung, rechts das Original.

Flintsbach/China - Seit über zehn Jahren werden die Werke des Flintsbacher Künstlers Christian Peschke gefälscht und zu Spottpreisen auf der ganzen Welt verkauft. Das deutsche Recht ist machtlos.

Christian Peschke ist Künstler aus Leidenschaft. Seit seiner frühesten Kindheit beschäftigt er sich mit der Kunst. Seit 1973 lebt er davon. Peschke ist Maler und Bildhauer, seine Passion das Zeichnen von Skizzen für Skulpturen, die dann gegossen werden, vorzugsweise in Marmor. Mit zwölf Jahren bekam Peschke die einmalige Gelegenheit mit einer Sondergenehmigung an der Kunstakademie zu lernen. Sein damaliger Werklehrer hatte sein außergewöhnliches Talent bemerkt und wollte den Jungen bestmöglich fördern. Das Studium an der Kunstakademie brach Peschke aus persönlichen Gründen jedoch wieder ab.

Jahre später studierte er Grafikdesign. Nach dem Studium arbeitete er mehrere Jahre als Kreativdirektor. Dies erfüllte ihn jedoch nicht. Deshalb beschloss er in den 70ern seine Passion zum Hauptberuf zu machen und begann, mit seinen Werken den Lebensunterhalt zu bestreiten. Seine Skulpturen fertigt Peschke in kleinen Auflagen von - in der Regel - bis zu 20 Stück, um den Sammelwert seiner Werke zu garantieren. In Ausnahmefällen arbeitet er auch auf Auftragsbasis. Sein Geschäft mit der Kunst lief jahrelang gut.

In den USA zu einem Spottpreis verscherbelt

Überrascht, gekränkt, betrogen fühlte sich Peschke, als er vor knapp zehn Jahren einen Anruf von einem Freund aus New York bekam: "Ich habe eben mehrere deiner Skulpturen in einem Laden in New York entdeckt. Fälschungen, in Bronze gegossen." Bis zu 18.000 Euro kosten manche dieser Figuren im Original von Peschke, in dem New Yorker Geschäft wurden sie zum "Ramschpreis" von 250 US-Dollar (ungefähr 220 Euro) verscherbelt.

Peschke selbst kaufte sich ein paar der Fälschungen, um erstens sicher zu gehen, dass es tatsächlich Fälschungen und nicht seine weiterverkauften Originale sind. "Es handelt sich hierbei eindeutig um Kopien meiner Originale, wobei teilweise ein Arm oder ein Bein in einer anderen Position ist", äußert Peschke gegenüber rosenheim24.de. Zweitens wollte er die Qualität der illegalen Kopien genauer unter die Lupe nehmen, die meist sehr gering ist.

Bilder: Fälschung oder Original?

In der Größe unterscheiden sie sich auch teils von den Originalen. Nach deutschem Recht handelt es sich trotzdem um illegale Kopien, denn die unberechtigte Bearbeitung oder Umgestaltung eines Werkes ist ebenfalls ein Verstoß gegen das Urheberrecht.

Peschke: "Das ist eine Riesensauerei!"

Es blieb aber nicht bei dem einen Laden. Auch in anderen Teilen der USA werden seine Werke zum Spottpreis gehandelt. "In Florida werden ebenfalls Fälschungen meiner Produkte mit verhunztem Guss verkauft", räumt Peschke ein. Freunde informierten ihn darüber. Vor einigen Jahren entdeckte Peschke, dass Fälschungen seiner Skulpturen auf einer chinesischen Webseite angeboten werden - 150 Euro zahlt man dort für Werke, die Peschke für 5.000 Euro verkauft. Unter dem Beinamen "Milo" handelt die Internetseite die Werke des Bildhauers.

In Deutschland (§ 64 UrhG) und den USA erlischt das Urheberrecht eines Künstlers 70 Jahre nach seinem Tod. Nach chinesischem Recht beträgt diese Frist 50 Jahre.

"Das Ganze ist eine Riesensauerei", schimpft Peschke. Nachvollziehbar, da ihm durch die billigen Kopien nicht nur das Geschäft kaputt gemacht, sondern auch sein Ruf als Künstler geschädigt wird. "Die Fälschungen sind größtenteils von sehr schlechter Qualität. Wenn die Leute denken, diese Werke seien in der Tat meine, hab ich ein Problem." Manche seien auch recht gut gefertigt, aber wenn die Kopie besser ist als das Original, ist das für Peschke von ähnlich fataler Ironie.

Rechtlich ist nichts zu machen

Christian Peschke hat schon versucht rechtlich gegen die Fälscherbande vorzugehen. Dies gestaltet sich jedoch relativ schwierig, da sich das deutsche Rechtssystem hier mit dem chinesischen kreuzt. "Ich erreiche nichts", beklagt Peschke verzweifelt. Auch ein deutscher "Künstler" hat seine Werke schon gefälscht. Ein Dresdner bot eigenhändig erschaffene Kopien von Peschkes Werken unter seinem Namen an. Das Urteil des Gerichts lautete hier: 20.000 Euro Schadensersatz und für jede zukünftige Fälschung 10.000 Euro Schadensersatz.

Seine Werke erkennt Peschke, sofern er sie vor sich hat, immer. Im Internet sei es schwierig, nur anhand eines Bildes festzustellen, wie das Kunstwerk beschaffen sei und wer es gefertigt hat. "Ich habe eine spezielle Technik der Oberflächenbearbeitung. Die ist nur sehr schwer nachzuahmen.", äußert Peschke gegenüber der Redaktion. Dass Fälschungen seiner Kunst für die ganze Welt zum Niedrigpreis zu haben sind, ärgert ihn sehr. Der Flintsbacher ist sicher: "Weltweit gibt es aktuell keinen Künstler, der so oft gefälscht wird wie ich."

amj

Quelle: rosenheim24.de

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