Geldwäsche adelt nicht

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Rosenheim - Zugegeben, die E-Mails von professionellen Gangstern wirken auf den ersten Blick durchaus vertrauenerweckend. "Problemloser Nebenverdienst", heißt es da, und: "absolut legale Geld-Transfers".

Andererseits sollte es einen heutzutage schon stutzig machen, wenn die E-Mail aus Litauen kommt, das benötigte Umlenkkonto vorzugsweise bei einer Sparkasse sein soll und die Weiterleitung via "Western Union" nach Griechenland dann in Österreich noch am Tag des Eintreffens der betreffenden Summe erfolgen muss.

Beim zweiten Mal mißtrauisch geworden

Ein Graf, der seit Jahren in der Nähe von Rosenheim lebt, erklärte jetzt als Angeklagter vor dem Amtsgericht, er habe sich wirklich nichts dabei gedacht. Erst nach der zweiten Überweisung sei er misstrauisch geworden. Er sei dann - so berichtete er - zur Polizei gegangen, um diesen Vorgang zu melden. Aber dort sei er abgewiesen worden. Diese Sache, so habe man ihm erklärt, sei strafrechtlich nicht zu verfolgen.

Sein Fehler war, dass er erst vor Gericht davon berichtete. So war es im Vorfeld nicht möglich zu klären, ob er tatsächlich bei der Polizei abgewiesen worden war. Damit blieb es eine unbeweisbare Behauptung. Wie sich schließlich herausstellte, handelte es sich tatsächlich um eine Organisation, die mit Hilfe von sogenannten "Trojanern" im Internet die Bankdaten von Online-Kunden ausspähten und damit Geld aus deren Konten auf Drittkonten - hier das des Grafen - umleiteten.

Die "Unbedarftheit" des Grafen hatte freilich ein "Gschmäckle": So hat er nicht sein eigenes, sondern das Konto seiner Tochter benutzt, über das er Verfügungsgewalt hatte. Auch die Fahrtkosten nach Österreich und Überweisungsgebühren hat er wohlweislich vom Auftraggeberanteil einbehalten.

Letztlich war er aber doch der Geprellte. Die Überweisungsbanken buchten umgehend die Überweisungen zurück. Die Beträge seinerseits waren aber schon nach Griechenland weitergereicht. So blieb er auf dem Defizit von etwa 11000 Euro sitzen und wurde angeklagt. Der 65-Jährige: "Ich bin blöd gewesen - aber ich bin kein Krimineller."

"Erklärungen stinken zum Himmel"

Staatsanwältin Julia Haager mochte ihm so viel Naivität nicht glauben. "Nachdem inzwischen alle Medien voll sind von Berichten über die Tricks der Internet-Abzocker, vermag ich Ihren Erklärungen nicht zu folgen. Im Gegenteil, sie stinken zum Himmel." Sie stimmte aber der Tatsache zu, dass letztlich der Angeklagte selber der Geschädigte gewesen sei. Weil er darüber hinaus bislang völlig unbescholten sei, wollte sie die anfangs geforderte Geldstrafe von 180 auf 120 Tagessätze zu je 25 Euro verringern - also 3000 Euro als Lehrgeld für die angebliche Unbedarftheit.

Der Verteidiger, Rechtsanwalt Michael Vogel, erklärte, dass sein Mandant - wenn überhaupt - nur objektiv schuldig geworden sei. Subjektiv habe er keinerlei kriminelle Energien gezeigt. Deshalb sei es hinreichend, wenn sein Mandant mit dem mäßigen Strafmaß von 90 Tagessätzen bestraft würde. Wegen dessen prekärer finanziellen Situation sei der Mindestsatz von 10 Euro pro Tag angemessen.

Richterin Jacqueline Aßbichler stellte fest, dass der Angeklagte tatsächlich keinerlei Nutzen aus der Aktion gezogen habe; im Gegenteil: finanziell war er der "Lackierte". Das Gericht erkannte schließlich auf eine Geldstrafe von 1800 Euro; wobei der Tagessatz von 20 Euro seiner finanziellen Situation angemessen erscheine.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

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