Rosenheim will Handelsdynamik ordnen

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Rosenheim - Sowohl in Rosenheim als auch in der gesamten Region wird eine sehr dynamische Entwicklung des Einzelhandels festgestellt.

Um auch künftig eine geordnete städtebauliche Entwicklung und das wirtschaftliche Wachstum sicherzustellen, soll ein Einzelhandels-Entwicklungskonzept erarbeitet werden. So soll gewährleistet werden, dass Stadtplanung und Einzelhandel sinnvoll zusammenarbeiten bei Bestandssicherung und Neuentwicklung von Handelsunternehmen. Die Schwerpunkte in diesem Blickfeld sind das Zusammenspiel von Innenstadt, Bahnhofsareal, Aicherpark und Weko.

Christian Hörmann vom Stadt- und Regionalentwicklungsbüro CIMA stellte den Entwurf des Konzeptes jetzt in einer kombinierten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaft und Tourismus mit dem Stadtentwicklungs- und Baugenehmigungsausschusses vor. "Herzstück ist die Innenstadt mit ihren Ergänzungslagen, wozu ja auch das Bahnhofsgelände gehört", so Hörmann. Die Entscheidung, dort kein Einkaufszentrum als Handelschwerpunkt zuzulassen, habe dazu geführt, dass großflächige Leerstände in der Innenstadt von Unternehmen wie Strauß oder Thalia angemietet wurden, die sonst nur in solche Shopping-Center zögen. Das habe den Standort Innenstadt gestärkt.

Das Konzept - "das ist kein Konkurrenzschutz" soll nun die Rahmenbedingungen schaffen, damit sich die Ökonomie gut entwickeln kann. Es gebe zwei Steuerungsmöglichkeiten: die aktive und die reaktive. Die aktive Steuerung über Bebauungspläne sei aber kaum durchsetzbar; Einschränkungen des Einzelhandels könnten nur dort erfolgen, wo städtebauliche Strukturen gefährdet seien, so Hörmann.

Mit einer Zwischenfrage klinkte sich SPD-Stadtrat Kurt Müller ein: Ob es denn sinnvoll sei, dass in der Innenstadt über 15 Handyläden aufgemacht hätten? Gäbe es da Möglichkeiten zur Steuerung? "Das geht nicht, das wäre Planwirtschaft", so Hörmann.

Zur Ansiedlung hochattraktiver Händler und dem "Schließen von Markenlücken" bemerkte die Oberbürgermeisterin, solche "Magnete" zögen nur in 1-A-Lagen und bräuchten meist größere Flächen als hier zur Verfügung stünden. In vielen Gesprächen mit Immobilienbesitzern habe man bisher nichts erreichen können, was solche Top-Bewerber bräuchten. Vielfach seien die Hausbesitzer mit den Mietern kleinteiliger Flächen recht zufrieden.

Hörmann ging auf die Nutzung des Geländes am Bahnhof ein, wo er sich Nahversorgung, eine Zoohandlung und Tierfutter-, Elektro-, Rad- und Sport-Fachhandel vorstellen könnte. Zum Fachmarkt-Standort Aicherpark bemerkte er, dasshier laut dem Landesentwicklungsplan darauf geachtet werden müsse, dass der Anteil von maximal 20 Prozent innenstadtrelevanter Angebote eingehalten werde. "Da sind schon drei Trachtengeschäfte", merkte SPD-Stadtrat Robert Metzger an.

Zwischen Aising und Pang sei - so Hörmann - die Nahversorgung noch ausbaufähig, und auf der Baywa-Wiese an der Panorama-Kreuzung dürfe keine Kopie des Aicherparks entstehen, sondern ein kleinförmiges Nahversorgungszentrum.

CSU-Fraktionsvorsitzender Herbert Borrmann wies darauf hin, dass in Kolbermoor im Gegensatz zu Rosenheim viel Fläche zur Verfügung stehe, welche mit der kommenden Anbindung durch die B-15-Westumgehung noch attraktiver werde; man müsse die Stadt-Umlandgemeinden in die Überlegungen miteinbeziehen. Das werde gemacht, versicherte Hörmann, und der Entwicklungsplan müsse auch alle fünf bis sieben Jahre auf den Prüfstand.

Rudolf Hötzel von den Republikanern erinnerte daran, als Anreiz für Innenstadtbesucher die erste halbe Stunde Parken kostenlos zu gestalten. Kurt Müller richtete den Blick auf zu entwickelnde Flächen: "Das Forstamt liegt in bester Lage; dort arbeiten vier bis zehn Leute, die auch leicht in einem Anbau des Hauptzollamtes unterkämen." Auch das Vermessungsamt müsse nicht notwendigerweise an der Mühchener Straße seinen Sitz haben, außerdem gebe es noch etliche entwicklungsfähige "Hinterlieger" in der Innenstadt. Bärbl Thum betonte, bei der Aktivierung solcher Hinterlieger solle auf die Aufenthaltsqualität geachtet werden.

Peter Rutz von den Grünen fragte Hörmann, ob auch an ein Verkehrskonzept gedacht sei, um die Verkehrsprobleme zu lösen. Das gehöre zu den nächsten Schritten, antwortete Hörmann.

"Wir haben hier kein großes Verkehrsproblem", kam es plötzlich energisch von Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer, "wir haben schöne neue Parkhäuser, wir haben ein Chip-System, das die Parkgebühren mindert." Baustellen machten natürlich Probleme, seien aber dann auch vorbei. Die Kritik an den morgendlichen Staus stadteinwärts, den Franz Baumann von den Freien Wählern/UP angesprochen hatte, begegnete Bauer mit dem Hinweis, dass eben soviele Menschen in Rosenheim arbeiteten und das sei doch positiv. Leute, die zum Einkaufen kämen, führen erst später in die Stadt. "Macht mir die Stadt nicht schlecht!", rief sie in die Runde. Wer nach München führe, habe viel mehr Straus und zahle deutlich höhere Parkgebühren. Die Tatsache, dass die Zentralitätsziffer Rosenheims gefallen ist (siehe Grafik) liege daran, dass Umlandgemeinden wie Kolbermoor und Raubling viel getan hätten zur Nahversorgung ihrer Bevölkerung, so die Oberbürgermeisterin. Hörmann hatte in seinem Vortrag bestätigt, dass die Zentralitätsziffer, also die Attraktivität der Stadt für die Region im Vergleich zu anderen Städten, immer noch sehr gut sei.

Peter Rutz wollte seine Kritik so verstanden wisssen, dass die Stadt zuviel auf Individualverkehr setze. Kurt Müller zeigte Verständnis für die Oberbürgermeisterin: "Sie haben die Nacharbeit von 25 Jahren. Nichtstraßenbau zu tragen..."

Bauer ließ die Ausschüsse separat abstimmen. Beide beschlossen einstimmig entsprechend der Beschlussvorlage, dass der vorliegende Entwurf den einschlägigen Verbänden zur Stellungnahme vorgelegt wird und darüber dem Stadtrat berichtet wird. Als weiteres Vorgehen ist beabsichtigt, das Einzelhandels-Entwicklungskonzept als städtebaulivches Konzept im Sinne des Baugesetzbuches zu verabschieden, eine Gebiettsypisierung zentraler Versorgungsbereiche und räumliche Entwicklungsperspektiven festzulegen sowie die "Rosenheimer Sortimentsliste" zu verabschieden, die Warengruppen beinhaltet, die besondere Innenstadtrelevanz haben.

hh/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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