Historisches runderneuert

  • schließen
  • Weitere
    schließen
+
Karstadt änderte die Fassadenfarbe in der Münchener Straße auf Wunsch der Denkmalschützer.

Rosenheim - Unkompliziert und aufgeschlossen haben die beiden Unternehmen Karstadt und Peek & Cloppenburg auf Bitten der Stadt reagiert, in Sachen Denkmalschutz aktiv zu werden.

Bei Karstadt ging es um die Farbgebung der Fassade, bei Peek & Cloppenburg um die Restaurierung eines Reliefs.

2009 hatte Karstadt die historischen Fassaden Münchener Straße 6 und 8 instandsetzen und neu streichen lassen. Dabei erhielten die Putzteile der Klinkerfassade Münchener Straße 8 den sehr hellen Rotton der Fassade Münchener Straße 6. Die Nummer 8 bildet mit den Nummern 4 und 6 aber eine repräsentative, symmetrische Gruppe und war ursprünglich wie das in Privatbesitz befindliche Haus Münchener Straße 4 in einem Rotbraun-Ton gestrichen. Der helle Farbton ergab bei der Fassade Münchener Straße 8 im Kontrast zu den Klinkerteilen ein Bild, das den Denkmalschützern nicht gefiel.

Ein Schreiben der Stadt genügte, und Karstadt erklärte sich bereit, die Farbe bei nächster Gelegenheit wieder zu ändern. Inzwischen präsentieren sich die Fassaden wieder in der ursprünglichen Farbfassung, wie sie Thomas Gillitzer und sein Münchner Architekt Karl Stöhr in den 1890er-Jahren gewählt hatten. "Für uns ist es selbstverständlich, nicht nur darauf zu schauen, wie es innen aussieht, sondern uns auch nach außen ansprechend zu präsentieren", sagt der Rosenheimer Geschäftsführer Matthias Ecke.

"Vater Inn" präsentiert sich runderneuert in der Hafnerstraße an der Außenwand von Peek & Cloppenburg.

Für Peek & Cloppenburg sieht dies die Rosenheimer Marktleiterin Anita Melzer genauso. Schon bevor die Stadt das Unternehmen bat, das Relief "Vater Inn" in der Hafnerstraße entsprechend der historischen Bedeutung wieder "aufzumöbeln", war den Verantwortlichen der schlechte Zustand schon aufgefallen. "Natürlich liegt uns daran, das Haus mit dem interessanten Relief gut zu bewahren", versichert Melzer.

Durch Frost und Taubenkot war der Zustand des seit 1995 am Neubau an der Hafnerstraße angebrachten Reliefs zuletzt sehr schlecht. Es zeigte Risse, zum Teil platzte die Oberfläche ab. Peek & Cloppenburg reagierte auf die Bitte der Stadt und schaltete den Restaurator Clemens Muth ein, der das Relief reinigte, festigte und sichern ließ. Die Maßnahme wurde durch den Restaurator auch umfassend dokumentiert. Da das Relief nicht unter Denkmalschutz steht, aber gerade durch den Bezug zur Innschifffahrt eine große Bedeutung hat, war die Restaurierung besonders erfreulich.

"Auch Dinge erhalten, die erst auf zweiten Blick auffallen"

Seit 1995 befindet sich das Terrakotta-Relief "Vater Inn" an der Seitenfassade des damals neu erbauten Hauses Max-Josefs-Platz 7. Das Relief wurde um 1927 von dem Bildhauer Georg Albertshofer geschaffen und zeigt den personifizierten Inn, der ein von Pferden gezogenes Innschiff trägt. Das Relief schmückte einst die Filiale der Bayerischen Vereinsbank am Max-Josefs-Platz. Die etwas dreieckige Form des Reliefs erklärt sich durch seine ursprüngliche Platzierung zwischen den Arkadenbögen des 1994 abgebrochenen Hauses.

Peter Rein von der Unteren Denkmalschutzbehörde nennt die Restaurierung sehr professionell. Karl Mair, von dem die Anregungen stammten, zeigt sich gleichfalls zufrieden. Was Karstadt angeht, so konnte sich Mair zwar nie mit dem Abbruch der historischen Gillitzerhäuser in den 90er-Jahren anfreunden. Es sei jedoch erfreulich, dass man sich jetzt um das historische Erbe bemühe. Es handelte sich sicher nicht um große Ereignisse im Baugeschehen. Doch die Reaktion der Unternehmen sei ein Beleg dafür, dass Handelskonzerne auf die Ästhetik ihrer Häuser und damit auf das Stadtbild schauen, auch im Interesse der Bürger: "Gleichzeitig sind dies auch Beispiele dafür, dass es auch heute noch Bemühungen gibt, Dinge, die vielen erst auf den zweiten Blick auffallen, gestalterisch zu pflegen und zu erhalten."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser