Kart-Träume sind geplatzt

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Rosenheim - Die Bewohner von Aising Ost waren entsetzt - nun ist es die Rallye-Gemeinschaft Rosenheim: Sie dürfen auf dem ehemaligen LGS-Parkplatz keinen Trainingsplatz einrichten.

Bewohner von Aising Ost waren entsetzt, als sie von Plänen der Rallye-Gemeinschaft hörten, den ehemaligen Landesgartenschau-Parkplatz im Süden der Stadt als Kart-Bahn zu nutzen. Die Motorsportler hingegen waren fasziniert von der Idee. Doch es wird nichts draus. Der Stadtrat räumte dem Projekt keine Chancen ein.

Die Landesgartenschau-Gesellschaft hatte sich vertraglich verpflichtet, bis zum Jahresende den Platz an der Ecke Bundesstraße 15/Grünfeldstraße in den ursprünglichen Zustand zurückzuversetzen. Der Kieslieferant hatte den Kies zudem für eine andere Baustelle eingeplant. Zumindest einen Teil musste er auf jeden Fall abräumen.

Über den anderen Teil, rund 5000 Quadratmeter, hätte die Rallye-Gemeinschaft gern verhandelt. Doch die Idee wurde sehr spät geboren. Inzwischen haben die Bagger ganze Arbeit geleistet. Der Platz ist zurückgebaut und wird wieder zur Wiese.

Die Jugendgruppe der Rallye-Gemeinschaft Rosenheim

"Unendlich schade" sei das, sagt Franz Baumann, Stadtrat der Freien Wähler und Mitglied der Rallye-Gemeinschaft Rosenheim. Rund 40 Jugendliche, die sich dem Kart-Fahren verschrieben haben, können bisher nur auf dem Gelände der Bundespolizei im Norden der Stadt trainieren. Das ist eine umständliche Angelegenheit, weil jeder Einzelne sich aus Sicherheitsgründen jeweils drei Tage vorher anmelden muss, auch die Begleitpersonen sind namentlich zu nennen. So ergibt sich ein starres Korsett. Die Karts werden zweimal pro Woche von Schechen nach Rosenheim gekarrt. Weil alles so kompliziert ist, herrscht bei den jugendlichen Kart-Fahrern Aufnahmestopp.

"Der Lärm von der B15 hätte alles übertönt"

Deshalb waren Mitglieder der Rallye-Gemeinschaft wie elektrisiert, als ihnen die Idee kam, den Landesgartenschau-Parkplatz zu nutzen. Es war ja alles schon gekiest, es wäre Platz gewesen für zwei Garagen zum Aufbewahren der Karts, eine kleine Hütte zum Unterstellen und sanitäre Anlagen. Die Sache mit dem Lärm hätte man in den Griff bekommen, ist sich Franz Baumann sicher. Die Entfernung zur Siedlung in Aising Ost hätte etwa 200 Meter betragen. "Aber der Lärm von der B 15 hätte sowieso alles übertönt", meint Baumann. Natürlich hätte man alles abgepflanzt und damit auch optisch einen guten Eindruck gemacht. Fahrschulplatz, Trainingsgelände für Behinderte und Senioren, es standen viele Möglichkeiten im Raum. Die Stadt, so Baumann, hätte nichts zahlen müssen, weil ein Zuschuss vom ADAC in Aussicht stand, zudem eine großzügige Spende von Rallye-Gemeinschaftsmitglied Professor Dr. Anton Kathrein.

Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer sprach allerdings in den Stadtratsgremien von einem hohen finanziellen Risiko des Vereins. Die Rallye-Gemeinschaft hätte in den Vertrag der Stadt einsteigen und die für das Nicht-Zurückbauen vereinbarte Vertragsstrafe sowie den Wert der Kiesauffüllung übernehmen müssen. Die Rede war von 150000 Euro. Und das alles, ohne sicher sein zu können, dass es für den Kart-Platz überhaupt eine Genehmigung gegeben hätte.

Einer notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans gehen viele Verfahrensschritte mit erheblichem Verwaltungsaufwand voraus. Deshalb wollte die Stadtverwaltung vorher vom Stadtrat ein Signal bekommen, ob sich dieser überhaupt einen Kart-Platz auf dem ehemaligen LGS-Parkplatz vorstellen könnte. Nichtöffentlich im Haupt- und Finanzausschuss und öffentlich im Stadtentwicklungs- und Bauausschuss gaben beide Gremien klar zu verstehen: Auf keinen Fall.

"Wir hätten uns bis zum höchsten Gericht gewehrt"

"Wenn der Verein die Sache trotzdem durchziehen will, ich halte Sie nicht auf", meinte Oberbürgermeisterin Gabriele Bauer im Stadtrat schließlich, als sich Franz Baumann nicht geschlagen geben wollte. Das finanzielle Risiko hätte der Verein nach Baumanns Worten möglicherweise tatsächlich übernommen, was aber erst in einer Mitgliederversammlung zu klären gewesen wäre. Die Stadt habe dem Verein keine Zeit gelassen, diese einzuberufen. Inzwischen sind Tatsachen geschaffen, der Traum der Rallye-Gemeinschaft. ist ausgeträumt.

Anwohner von Aising Ost atmen auf. Einer von ihnen sagt: "Wir hätten uns bis zum höchsten Gericht gegen eine solche Anlage in der Nachbarschaft gewehrt. Gott sei Dank waren die Stadträte vernünftig."

Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © Nathen/Retzer

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