Tödlicher Badeunfall am Oberwöhrer Wehr

Auch ein Frankfurter Rettungsteam konnte nicht mehr helfen

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Kolbermoor - Ein Drama spielte sich am Dienstagabend am Oberwöhrer Wehr in Kolbermoor ab: Ein 14-Jähriger ertrank vor den Augen seiner geschockten Freunde. *neue Fotos*

UPDATE, 12.40 Uhr: Aiblings Feuerwehr-Kommandant äußert sich zum Unglück

Der Kommandant der Feuerwehr Bad Aibling, Wolfram Höfler, äußerte sich im Gespräch mit mangfall24.de zu dem traurigen Einsatz an der Mangfall: "Bei diesem Einsatz gab es eine Besonderheit." Diese lag bei dem Rettungshubschrauber. Der Hubschrauber der Johanniter kam nämlich nicht aus unserer Region, sondern aus Frankfurt. 

Der Hintergrund: Die Feuerwehr Bad Aibling begleitete die Landung des Rettungshubschraubers aus Hessen auf dem Gelände der RoMed Klinik in Bad Aibling. Noch während des Einsatzes am Krankenhaus habe die Feuerwehr einen größeren Einsatz am Wehr an der Oberwöhrstraße über Funk mitbekommen, woraufhin Höfler sogleich die Rettungskräfte der Klinik alarmierte, sowie die Besatzungscrew des Hubschraubers aus Frankfurt fragte, ob sie den Fall übernehmen wollen . Diese sagten sofort zu.

Die Feuerwehr Bad Aibling habe die Unfallstelle schließlich von nördlicher Seite angefahren, da das Nordufer noch Aiblinger Stadtgebiet sei. "Parallel dazu bin ich zur RoMed Klinik hinauf gefahren und habe ein Reanimationsgerät geholt und an das südliche Ufer gebracht. Dort fand ich unter anderem drei unter Schock stehende, leicht verletzte Jugendliche vor, die bereits von der Pullacher Feuerwehr und dem Hubschrauberteam betreut wurden."

Die DLRG und die Wasserwacht haben unter schwersten Bedingungen und Sicherheitsvorkehrungen den verunglückten Jugendlichen schließlich erst nach etwa einer 3/4 Stunde bergen können.

Bilder vom vergeblichen Rettungseinsatz

Bilder vom Einsatz am Mangfallwehr in Kolbermoor 

UPDATE, 10.30 Uhr: Pressemitteilung der Polizei

Nach derzeitigem Erkenntnisstand befand sich ein 14-jähriger Junge aus Kolbermoor zusammen mit drei weiteren, etwa gleichaltrigen Freunden beim Baden an der Mangfall. Sie hielten sich dabei gegen 17.30 Uhr nahe des Stauwehres „Am Oberwöhr“ auf. Hierbei geriet der Junge in den am Wehr herrschenden Sog und wurde von der Wasserwalze nach unten gezogen. Seine Freunde versuchten noch erfolglos ihn zu retten.

Rettungsdienst, Feuerwehr, Wasserwacht und Rettungshubschrauber wurden verständigt. Die verunglückte Person wurde unter schwierigsten Umständen von der Wasserwacht geborgen. Eingeleitete Reanimationsmaßnahmen blieben ohne Erfolg.

Beamte des Rosenheimer Kriminaldauerdienstes übernahmen noch vor Ort die Ermittlungen zu diesem tragischen Unfall, die vom Fachkommissariat der Kriminalpolizei fortgesetzt werden. Die Polizei warnt davor im Bereich von Staustufen oder Wehren zu Baden. Es entstehen oft nicht von außerhalb erkennbare Sog- und Strömungskräfte, die lebensgefährlich sind.

Pressemeldung Polizeipräsidium Oberbayern Süd

Vorbericht:

Wie Jürgen Thalmeier, Pressesprecher des Polizeipräsidium Oberbayern Süd auf Nachfrage von mangfall24.de mitteilte, habe die Kripo die Ermittlungen zur möglichen Unfallursache aufgenommen.
Fest stehe, dass es zu einem Unfall kam, bei dem vier Jugendliche beteiligt gewesen seien und ein Jugendlicher ums Leben kam. "Die Bergung dauerte über eine Stunde und fand unter schwierigsten Bedingungen statt. Die Rettungskräfte mussten sich selbst mehrfach absichern", so Thalmeier. 
Der Polizeisprecher wies auch noch einmal ausdrücklich darauf hin, dass die Mangfall unterschätzt werde, vor allem wenn sie wie aktuell viel Wasser mit sich führe. "Die Mangfall ist einfach gefährlich." 

Verzweifelte Rettungsversuche

Laut der Aib-Stimme war der Junge unter Wasser eingeklemmt. Verzweifelt hatten seine Freunde noch versucht, ihm mit einem großen Ast zur Hilfe zu kommen - doch auch das misslang. Selbst die Retter konnten den Jugendlichen nicht gleich aus dem Wasser ziehen, sondern mussten sich zunächst selbst absichern. Alle Reanimationsversuche schlugen anschließend fehlt. Zwar flog noch ein Rettungshubschrauber an die Mangfall, doch der 14-Jährige war einfach zu lange unter Wasser gewesen. 

Drei seiner Freunde wurden mit einem Schock ebenfalls behandelt. 

Hier kam es zum Badeunfall:

Hier passierte der schreckliche Unfall

Erinnerung an die Tragödie von 2009

Das schreckliche Unglück vom Dienstagabend erinnert an eine Tragödie aus dem Juli 2009. Das Ehepaar Melanie und Helmut H. (33 und 40) starb damals bei Bad Aibling, als sie zwei Buben (12 und 13) retten wollten, die an einem Mangfall-Wehr in Not gerieten. Mehrere Erwachsene, die das beobachteten, sprangen ins Wasser, um die Jungen ans Ufer zu bringen. Es gelang - doch das Ehepaar selbst wurde abgetrieben und ging unter. 

Beide wurden schwerverletzt gefunden, reanimiert und in Krankenhäuser eingeliefert. Doch zu spät - Helmut starb am Tag nach dem Unfall, seine Frau wiederum einen Tag später.  

Mangfall - unterschätzte Gefahr

Der Fluss Mangfall wird von vielen unterschätzt. Aus diesem Grund haben die Kreiswasserwacht Rosenheim und die DLRG bereits im Jahr 2011 einen Film über die Gefahren gedreht:

Quelle: mangfall24.de

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Martin Weidner

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Jennifer Bretz

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