Schulterschluss gegen Salzachbebauung

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Von links: Dr, Hannes Augustin (Geschaeftsfuehrer OENB), Prof. Dr. Roman Türk (Praesident OENB), Prof. Dr. Hubert Weiger (Landesvorsitzender BN Bayern), Sebastian Schoenaer (Stellv. Landesvorsitzender BN), Richard Mergner (Geschaeftsfuehrer BN Bayern)

Landkreis - Die Umweltschutzverbände Bayerns und Österreichs wollen für eine frei fließende Salzach kämpfen. Bayerns Landesvorsitzender Weiger spricht sich gegen Kraftwerks-Pläne aus.

Bei einem gemeinsamen Ortstermin forderten Vertreter des BN Landesvorstands und des Naturschutzbunds Österreich (ÖNB) die Umsetzung der Naturflussvariante für die gesamte Untere Salzach. „Die Sanierung des Flusses muss naturnah und ohne weitere Querverbauungen erfolgen“, sagte BN-Vorsitzender Prof. Dr. Hubert Weiger.

„Nachdem die Machbarkeit einer Naturflussvariante sowohl im Freilassinger als auch im Tittmoninger Raum untersucht und deren deutliche Vorteile nachgewiesen sind, sollten insbesondere die Kraftwerks-Spekulationen nun endlich und ein für alle mal beendet werden“, betonte Weiger. Der BN und der ÖNB fordern daher die Fortsetzung und Konkretisierung der grenzübergreifenden Planungen auf dieser Grundlage.

Die beiden Verbände stellten klar, dass mit der Naturflussvariante sowohl die relevanten Ziele der Salzachsanierung als auch die gesetzlichen Vorgaben am besten und am schnellsten erreicht werden können. Sie ist die einzige Variante, die nach der Umsetzung die naturschutzfachlichen Ziele von Natura 2000 und die Umweltziele der Wasserrahmenrichtlinie erreicht und noch dazu in einem überschaubaren Zeitraum. Dies gilt für den gesamten Naturraum der Unteren Salzach, sowohl im Freilassinger als auch im Tittmoninger Becken.

Chance darf nicht verspielt werden

Der BN und der ÖNB fordern daher nach wie vor, den gesetzlichen Vorgaben zu folgen und den Schutz der Natur über den privatwirtschaftlichen Nutzen von Kraftwerksbetreibern zu stellen. Die einmalige Chance der Erhaltung eines frei fließenden und redynamisierten Alpenflusses im bayerisch-österreichischen-Grenzraum muss jetzt ergriffen und darf nicht verspielt werden.

Doch nicht nur die Natur würde von der Umsetzung der Naturflussvariante profitieren, sondern auch die Bevölkerung. Durch die Renaturierung werden wichtige Funktionen des Ökosystems wie Hochwasserschutz, Grundwasserneubildung, Wasserreinigung, Nährstoffrückhalt und Erhalt der Bodenfruchtbarkeit gewährleistet. Durch die Wiederherstellung des Alpenfluss-Charakters steigt der Erholungswert der Region und infolgedessen die Wertschöpfung aus Naherholung und Tourismus. Das kommt den Kommunen und öffentlichen Einrichtungen zugute, aber vor allem den hier lebenden Menschen durch eine Steigerung der Lebensqualität.

Untere Salzach ohne weitere Querverbauungen

Eines der zentralen Ergebnisse der Machbarkeitsstudie (von 2013) ist, dass an der Unteren Salzach keine weitere Querverbauung mehr nötig ist.

Das aktuelle Planungskonzept mit der bereits bestehenden aufgelösten Rampe bei Flusskilometer (FKm) 51,9 ist prinzipiell ausreichend, damit eine stabile Salzachsohle erreicht werden kann. Weitere Rampen würden die Geschiebebilanz flussab langfristig sogar deutlich verschlechtern.

Entsprechend der Ergebnisse der Studie wäre eine Kraftwerksnutzung im Freilassinger und Tittmoninger Becken in krassem Widerspruch mit einer Naturflussvariante – und zusätzlich nachteilig für den Hochwasserschutz.

Aufweitungen und Renaturierungen wichtiger Teil des Hochwasserschutzes

Die in der Machbarkeitsstudie geplanten Maßnahmen können als Teil eines regionalen und überregionalen Hochwasserschutzkonzeptes gesehen werden. Die intensive Suche nach Problemlösungsstrategien eröffnet die Möglichkeit, zumindest die letzten verbliebenen, von künstlichen Barrieren unbeeinflussten Fließgewässerabschnitte in einen naturnahen Zustand zu versetzen um die anthropogen verursachten Probleme zu lösen. So kann der Natur Raum gegeben und kommenden Generationen die Möglichkeit erhalten werden, einen Fluss in seinem natürlichen oder zumindest naturnahen Zustand zu erleben.

Alle bisher im Rahmen der Sohlstabilisierung Salzach geplanten und durchgeführten Maßnahmen bekämpfen die Symptome, aber nicht die Ursachen der Sohleintiefung.

Mehrere langfristige Ziele

Langfristig (Zeitraum 50-100 Jahre) ist die Sohlanhebung ein wichtiges Ziel zur Stabilisierung der Salzachsohle. Gleichzeitig wird damit der Grundwasserspiegel angehoben. Dieser Prozess wird bei der Naturfluss-Variante kontinuierlich erfolgen. Die Sohlverbreiterungen führen zu einer Absenkung der Wasserspiegellagen im Hochwasserfall. Eine Beeinträchtigung der landwirtschaftlichen Flächen ist in deutlich geringerem Maß gegeben, als im Rahmen einer aktiven Wasserspiegelanhebung durch ein Rampenbauwerk.

Die Hochwasserereignisse der jüngeren Vergangenheit (speziell das Hochwasserereignis vom Juni 2013) zeigen deutlich wie unverzichtbar Überflutungsräume für den Hochwasserschutz sind. Dammbauten und Einengungen beschleunigen die Hochwasserwellen und führen zu erhöhten Schadenspotentialen flussab. Immer höhere Dammbauten erhöhen gleichzeitig die Wahrscheinlichkeit eines Versagens und damit ein mögliches Schadenspotential.

Pressemitteilung BUND Naturschutz

Quelle: BGland24.de

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