Rallye-Auto rast bei Maxlrain in Zuschauergruppe

Führten Sicherheitslücken zum Oldtimer-Unfall?

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Gab es Sicherheitslücken beim Oldtimer-Treffen in Maxlrain?

Maxlrain - Der fürchterliche Unfall bei der ADAC Bavaria Historic in Maxlrain ist nach wie vor nicht aufgeklärt. Ein Zeuge prangerte gegenüber unserer Redaktion nun angebliche Missstände an. Der ADAC dementiert dies vehement:

Vor rund zehn Tagen ereignete sich bei der ADAC Bavaria Historic in Maxlrain ein fürchterlicher Unfall, bei dem eine 44-jährige Ford Mustang-Fahrerin von der Strecke abgekommen und in eine Menschenmenge gefahren war. Dabei wurden neben den beiden Insassen des Fahrzeugs drei Zuschauer im Alter von 14, 29 und 50 Jahren zum Teil schwerstverletzt. Die Unfallursache ist bisher noch unbekannt, das entsprechende Gutachten befindet sich noch in Arbeit.

Nun äußert sich ein Ersthelfer, der den Unfall miterlebt hat, gegenüber mangfall24.de zu den Geschehnissen und erhebt dabei Vorwürfe gegen den Veranstalter. Diese wenden sich vor allem gegen das Sicherheitskonzept der ADAC Bavaria Historic in Maxlrain. Vorweg betont der Zeuge allerdings auch, dass er damit nicht die Verantwortung für den Unfall vom Donnerstag dem Veranstalter in die Schuhe schieben wolle. Diese liege weiterhin ganz klar bei der 44-jährigen Fahrerin des Ford Mustangs, es sei denn das polizeiliche Gutachten ergebe einen technischen Defekt beim Fahrzeug. 

Unfall am Rande der Historic-Rallye bei Schloss Maxlrain (1)

Missstände im Startbereich?

Seine Kritik diene vor allem der Beseitigung von Sicherheitslücken, die zwar bisher noch nicht relevant für einen Unfall waren, aber dennoch ein erhöhtes Risiko für Teilnehmer und Zuschauer darstellen würden, so der Augenzeuge. Konkret ginge es um einige Missstände im Startbereich der Rallye sowie um eine angeblich suboptimale Koordination, als die Krisensituation durch den Unfall eintrat.

Als erstes führt der Augenzeuge auf, dass es beispielsweise auf der Straßenseite, auf der der Mustang in die Menschenmenge fuhr, keine Absperrung gegeben hätte. Die Zuschauer standen somit direkt am Straßenrand. Bei vergleichbaren Rennen würde der Sicherheitsabstand ein Vielfaches betragen. 

Der Pressesprecher des ADAC Südbayern, Stefan Dorner, bestätigte dies auf Anfrage von mangfall24.de nun. Am Unfallort habe es kein Trassierband gegeben. Allerdings hätte dieses auch das tragische Unglück nicht verhindern können. Es impliziere lediglich "gefühlte Sicherheit" für die Zuschauer. 

Zu viele Fahrzeuge?

Abgesehen davon beschrieb der Zeuge ein angebliches weiteres Manko der Veranstaltung: Durch den Startbereich würden schlichtweg zu viele Fahrzeuge fahren. Darunter seien einige, die überhaupt nicht an der Rallye teilnehmen. "Klar ist jeder Autofahrer, ob Teilnehmer oder nicht, in erster Linie für sich selbst verantwortlich. Aber ein derartiges Fahrzeugaufkommen im Startbereich stellt nun einmal ein erhöhtes Sicherheitsrisiko dar", so der Augenzeuge.

Auch zu diesem Vorwurf bezog Dorner Stellung. Die wirklichen Rallye-Teilnehmer hätten nicht zum Fahrzeugüberschuss beigetragen, da die 75 Teilnehmerautos ausschließlich im Intervall von 60 Sekunden starteten. Andere Oldtimer von Besuchern hätten zwar jederzeit im Startbereich fahren dürfen, jedoch wurden auch diese von Ordnungskräften koordiniert, so dass keinesfalls Chaos im Startbereich entstehen hätte können.

Außerdem hätten die Veranstalter bewusst versucht, das Verkehrschaos durch die Vielzahl der Autos zu entschärfen. Deswegen hätte es einen Shuttle-Bus gegeben, der die Zuschauer ohne Oldtimer von den großen Parkplätzen zum Veranstaltungsgelände transportierte. Somit wären deutlich weniger Autos im Startbereich gewesen als in den vergangenen Jahren.

Nässe auf der Fahrbahn

Des Weiteren befand sich nach Angaben des Augenzeugen ein nasser Streifen auf der Fahrbahn, der wohl auf Flüssigkeitsaustritt vom nahe gelegenen Eiswagen zurückzuführen ist. Bei einem normalen Fahrstil stelle dies zwar absolut keine Gefahr dar, allerdings erlebe es der Zeuge öfters, dass die Fahrer der Oldtimer die Leistungsstärke oder den Sound ihrer Oldtimer gerne demonstrieren möchten. Dann könne Nässe auch dazu beitragen, dass der Fahrer die Kontrolle über das Fahrzeug verliert. 

Den nassen Fahrbahnstreifen bestätigte auch der Pressesprecher der Polizeiinspektion Oberbayern Süd Andreas Guske, betonte aber, dass dieser für den Unfallhergang vom vergangenen Donnerstag unerheblich gewesen sei.

Fast nur Zuschauer als Ersthelfer?

Zudem waren nach Ansicht des Zeugen auch die Ersthelfer fast ausschließlich Zuschauer und keine offiziellen Streckenposten. Letztere hätten einige Zeit benötigt, bis sie am Ort des Unfalls eintrafen. Die Rettungskräfte waren dann zwar schnell da, doch bis der Hubschrauber eintraf, dauerte es nach Meinung des Zeugen wiederum zu lange. Deswegen könne man nicht von Veranstalterseite behaupten, dass alles perfekt organisiert gewesen sei.

Auch dieser Beobachtung widersprach Dorner. Die zuständigen Sanitäter waren nur rund 200 Meter von der Unglücksstelle entfernt und sofort zur Stelle. Zuvor wäre die Erstversorgung bereits durch den Notarzt des ADAC Südbayern erfolgt. Das Sicherheitskonzept der gesamten Veranstaltung wurde laut den Ermittlungsbehörden auch lückenlos eingehalten.

Endgültige Erkenntnisse wird es aber wohl erst geben, wenn das Ergebnis des Gutachtens der Staatsanwaltschaft vorliegt. Die Polizei hatte zuletzt aber noch einen Zeugenaufruf in diesem Zusammenhang gestartet.

Martin Wiegand 

Quelle: mangfall24.de

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