Grippewelle stark angeschwollen

Mehr als 2700 Grippe-Fälle in Bayern

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München - Die Kurve geht steil nach oben, und ein Ende ist nicht absehbar - seit Februar sucht eine schwere Grippewelle Bayern heim. Betroffen ist vor allem Ostbayern.

Es beginnt mit Fieber und trockenem Reizhusten, bald schon leiden Patienten unter Muskel- und Kopfschmerzen - vor allem aber ist die Influenza-Grippe hoch ansteckend. Seit Anfang Februar leiden in Bayern Tausende von Menschen an ihr. Ihre Zahl steigt von Woche zu Woche. Seit Jahresanfang haben die bayerischen Gesundheitsbehörden 2709 Influenza-Erkrankungen registriert - 2214 mehr als vor einem Jahr. Da aber längst nicht alle Patienten zum Arzt gehen und selbst dort nicht alle Patienten mit Influenza-Symptomen getestet werden, gehen Gesundheitsexperten von einer hohen Dunkelziffer und weitaus höheren Zahlen aus.

Ein Blick auf eine Übersichtskarte des Berliner Robert-Koch-Instituts (RKI) macht allerdings deutlich: Bayern ist in Sachen Grippe-Welle zweigeteilt. Schwerpunkte der Influenza-Infektionen sind derzeit vor allem die Region Hof, Ostbayern und das südliche Oberbayern. Die Regionen mit stark erhöhter Influenza-Aktivität gehören nach RKI-Erkenntnissen zu einem Infektions-Gürtel, der sich von Brandenburg, über Sachsen und das östliche Thüringen bis nach Ostbayern zieht. Dagegen hat das Bundesinstitut in weiten Teilen Frankens und Schwabens nur moderat erhöhte Influenza-Zahlen festgestellt.

Die Erkenntnisse des RKI decken sich mit den aktuellen Erfahrungen von Dr. Robert Brey. Der Mediziner leitet das Gesundheitsamt im ostbayerischen Landkreis Amberg-Sulzbach. Dort sind in den ersten sechs Wochen 150 Influenza-Fälle nachgewiesen worden. „Doch das ist nur die Spitze des Eisbergs“, ist der Chef des örtlichen Gesundheitsamtes überzeugt. Tatsächlich, so schätzt er, sind inzwischen mehr als 1000 Menschen in dem ostbayerischen Landkreis an der Influenza-Grippe erkrankt - 40 Patienten so stark, dass sie stationär behandelt werden müssen. Zwei Patienten seien an den Folgen des Virus bereits gestorben, berichtet Brey. Der Mediziner hofft jetzt auf eine Beruhigung der Lage in den Faschingsferien.

Aber auch in München hat sich das Influenza-Virus rasch verbreitet. In den ersten fünf Wochen des Jahres hat die örtliche Gesundheitsbehörde 850 nachgewiesene Influenza-Fälle registriert. Vor einem Jahr waren es zum selben Zeitpunkt nur 125 gewesen. „Die Grippe-Kurve steigt sehr deutlich an“, stellt die Sprecherin beim Münchner Gesundheitsreferat, Katrin Zettler, fest. Für die bayerischen Gesundheitsbehörden zeigen die hohen Münchner Zahlen, dass die Grippe vor allem ein Großstadtproblem ist: „Wo viele Menschen zusammenkommen, ist auch das Infektionsrisiko größer“, heißt es beim Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) in Erlangen.

Inzwischen hat die Grippewelle anscheinend auch den Großraum Nürnberg erreicht. Vier Krankenhäuser schlugen am Freitag in einer gemeinsamen Pressekonferenz Alarm. Alle vier Kliniken meldeten „Land unter“ - nicht allein, aber auch wegen der akuten Grippewelle. Ein Problem sei, dass die derzeitige Grippewelle noch von einem grassierenden Norovirus flankiert werde, erläuterte der Vorstand des Klinikums Nürnberg, Alfred Estelmann.

Am Institut für Klinische Hygiene und Medizinische Mikrobiologie des Nürnberger Klinikums werden nach Angaben von Chefarzt Heinz-Michael Just Patienten mit Influenza-Verdacht inzwischen rund um die Uhr getestet. „Unsere Ärzte sind derzeit auch nachts da, um Tests vorzunehmen und zu bewerten“, berichtet der Instituts-Chef. 55 Prozent aller Tests seien positiv. „Im letzten Jahr waren es nur 15 Prozent gewesen.“ Und auch der Anteil schwerer Erkrankungen bei den Influenza-Patienten sei in diesem Jahr sehr groß. Betroffen seien anders als sonst vor allem Ältere, berichten mehrere Ärzte.

Einig sind sich die Mediziner auch, dass Deutschland in diesem Jahr von einer besonders tückischen Variante des Influenza-Virus betroffen ist. Das führt dazu, dass selbst geimpfte Patienten nicht vor einer Grippe-Erkrankung sicher sein können. Zwar enthält der Cocktail des im vergangenen Herbst verabreichten Grippe-Impfstoffs auch das derzeitige Hauptvirus H3N2. Der hat sich nach Vermutungen des LGL in den vergangenen Monaten aber genetisch verändert. Das LGL spricht von einer „Gendrift“. Dass ausgerechnet jenes Virus, das schon in den Vorjahren mit schweren Krankheitsverläufen einhergegangen sei, nun vom Impfstoff nur schlecht abgebildet werde, sei schon ziemliches „Pech“, findet er Chef des Amberger Kreisgesundheitsamtes, Robert Brey.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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