Um Gottes Willen: Die hässlichen Szenen an der Paulskirche

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Ein Wiesn-Besucher pinkelt an die Fassade der Paulskirche

München - Wenn es um menschliche Bedürfnisse geht, dann scheint vielen Wiesn-Besuchern nichts heilig zu sein. Sie benutzen die Paulskirche regelmäßig als Toilette und Mülleimer.

Wo sich sonst Gläubige zum Gebet hinknien, findet man in diesen Tagen abgenagte Hendlbeine und andere Essensreste. Außerdem finden sich hier Zigarettenkippen sowie Scherben von Maßkrügen. Und zudem ist es einer der Lieblingsplätze der Bettler und Penner! Nicht nur das Innere der Kirche ist total verdreckt.

Urin, Kot und Erbrochenes schon auf der Vortreppe

Noch schlimmer geht es draußen zu. „Die Leute pinkeln gegen die Wände, erledigen größere Geschäfte in der Grünanlage oder an den Ecken der Kirche“, sagt Michael Metzler, er als Messner der Pfarrei für Ordnung auf dem Gelände am St.-Pauls-Platz 11 sorgt. Normalerweise kehrt er nur zweimal pro Woche die Treppen zur Kirche. Heuer muss der kompletten Platz jeden Morgen von Erbrochenem, Urin, Kot, angebissenen Semmeln, angeknabberten Haxn und anderem Dreck befreit werden. „Nur mit Fegen ist es meist nicht getan. Der Gestank ist teilweise so entsetzlich, dass ich die Aufgänge täglich nass aufwischen muss“, berichtet Metzler.

Paulskirche als Obdachlosenheim

Natürlich sei das kein neues Phänomen, aber eklig sei es doch alle Jahre wieder. Der Dreck ist allerdings zurzeit nicht das einzige Problem des Mesners: Er muss sich auch mit zahlreichen Obdachlosen, Bettlern und wilden Campern auseinandersetzen. Die katholische Kirche versteht sich zwar als Zufluchtsort von Bedürftigen. Allerdings ist damit nicht gemeint, dass sich Obdachlose dauerhaft im und am Gotteshaus niederlassen können. „Ein Herr schläft schon seit mehreren Wochen in einem der Aufgänge“, sagt Metzler.

Obwohl der Mann niemanden stört, werde er langsam zum Problem. Der Grund: Er hat sich schon seit längerer Zeit nicht gewaschen und belästigt daher die Kirchenbesucher mit seinem stechenden Körpergeruch. Außerdem hat Metzler auch schon Tüten mit stinkenden Kleidern und Eimer mit Essensresten in der Grünanlage gefunden. „Diese Sachen gehören vermutlich Obdachlosen und nicht Wiesn-Besuchern“, sagt der Mesner.

Wiesn-Besucher werfen Masskrüge auf den Schulhof

Mit Obdachlosen hat die Marieluise-Fleißer-Schule an der Schwanthalerstraße 87 zwar kein Problem, aber auch sie haben während des Oktoberfests mit anderen ungewünschten Besuchern und Dreck zu kämpfen. Hier sorgt Hausverwalter Clarance Lippert, seit 20 Jahren für Ordnung. „Die Wiesn-Gänger klettern über den Zaun. Dann urinieren und koten sie auf unseren Schulhof. Das ist widerlich“, beschreibt Lippert. Schlimmer noch sei allerdings, dass regelmäßig Maßkrüge über die Mauern geworfen werden, was teilweise auch gefährlich für die Kinder werden kann.

In den vergangenen Jahren habe Lippert auch öfters erlebt, dass sich Betrunkene in die Büsche rund um den Schulhof gelegt haben. Aus diesem Grund sucht der Hausverwalter schon morgens um 7 Uhr das gesamte Gelände der Realschule ab und reinigt den Hof. In das Gebäude rein kommt zum Glück niemand und die Toiletten werden vorsichtshalber abgeschlossen. „Die Schüler, die mal müssen, bekommen den Schlüssel von den Lehrkräften“, sagt Lippert.

Eine Abriegelung kommt für die Paulskirche allerdings nicht in Frage, denn während des Oktoberfestes gibt es hier Turmbesteigungen. Interessierte können von Montag bis Freitag zwischen 14 und 21 Uhr, sowie samstags ab 11 bis 21 Uhr und sonntags von 9.30 bis 21 Uhr vom Kirchturm aus den Blick auf die Wiesn genießen.

Tanja Wolff

Quelle: Oktoberfest live

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