Nur gemeinsam stark

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Rosenheim - Höchst aufmerksam verfolgen Einzelhändler in der Innenstadt, was sich am Stadtrand, im Aicherpark, tut. Der Einkaufspark präsentiert sich heute frisch und aufgeräumt.

Einst eine ungeordnete Anhäufung von großen Geschäften, hat er Konturen bekommen und zuletzt durch die Bebauung des ehemaligen BayWa-Geländes noch einmal an Attraktivität gewonnen.

Deshalb und weil der Vorwurf im Raum steht, der Einzelhandel im Aicherpark würde ins Unendliche wachsen, herrscht bei manchen Händlern in der Innenstadt Alarmstimmung. "Für uns ist die Einkaufsstadt Rosenheim der Oberbegriff", versucht Hans Schussmann als Projektmanager zu beruhigen. Nur durch gemeinschaftliches Auftreten, auch nach außen hin, könne Rosenheim die starke Position zurückgewinnen, die die Stadt einmal hatte.

Beim Blick zurück wird deutlich, was er meint, wenn er von der verlorengegangenen Zentralität der Einkaufsstadt spricht. Als vor 27 Jahren der vierte Mediamarkt in ganz Deutschland auf dem Aicher-Gelände eröffnete, gab es weit und breit keinen anderen, nicht in Traunstein nicht in Innsbruck und auch nicht so etwas wie den Europark bei Salzburg mit seinem "Erlebniseinkauf".

Was dem Aicherpark am Anfang fehlte, war ein Konzept. Das wurde in den letzten Jahren Schritt für Schritt korrigiert. Es gibt jetzt eine bessere Verkehrsanbindung, sinnvollere Zufahrten, in vielen Fällen eine optische Aufwertung der Gebäude. Ein Glücksfall war die Möglichkeit, sich mit der Neubebauung des ehemaligen BayWa-Geländes sichtbarer zur Äußeren Münchener Straße hin zu präsentieren.

"Wir sind trotzdem nicht ins Gigantische gewachsen", weist Hans Schussmann Vorwürfe zurück, gemeinsam mit Franz und Reinhard Aicher als Vertreter der acht Grundstückseigentümer. Alle drei räumen aber ein, mit der Angabe von 60000 Quadratmeter Verkaufsfläche in einem Prospekt, die Alarmstimmung der Händler in der Innenstadt wohl selbst ausgelöst zu haben. Da habe man sich "ein bisschen schmücken" wollen und großzügig auch Lager- und Verkehrsflächen hinzugezählt. In Wirklichkeit seien es derzeit rund 42000 Quadratmeter Verkaufsfläche.

Gerade die Aktivitäten auf dem ehemaligen BayWa-Gelände unterstreichen zwar den Eindruck der gewaltigen Ausweitung. Allerdings seien dort nur Verkaufsflächen hinzugekommen, die man vorher an anderer Stelle verloren habe. Wo beispielsweise früher ein Elektrohandel und ein Bekleidungsunternehmen auf 1200 Quadratmetern zu finden waren, hat sich ein Ärztezentrum etabliert. Folgt man der Rechenart der Aicher-Mannschaft, bliebe sogar noch ein Entwicklungsspielraum von rund 8000 Quadratmetern bis zu der Grenze, die Gutacher des Marktforschungsunternehmens Cima für unbedenklich halten - also für innenstadt-unschädlich. Dieselben Gutachter stellten fest, dass der Aicherpark die Einkaufsstadt Rosenheim attraktiver macht. Es werden täglich rund 10000 Besucher gezählt, 70 Prozent davon von außerhalb.

Es sehe auch deshalb nach ständigem Wachstum aus, weil sich auf dem Aicher-Gelände ständig etwas tut, erklärt sich Schussmann die Unruhe der Händler in der Innenstadt. Seit 2010 sind laut dem Projektmanager 55 Millionen Euro investiert und über 300 neue Arbeitsplätze geschaffen worden, was deren Zahl auf rund 3000 addiert. Die Menschen hätten heute mehr Zeit, sie müssten unterhalten werden, bräuchten Attraktionen und Änderungen: "Nichts ist langweiliger, als wenn sich nichts ändert." Besonders im Bereich Lebensmittel habe der Aicherpark Kaufkraft zurückgewonnen: "Wir sind der Bauch von Rosenheim."

Von Anfang an hat die Stadt versucht, einen Wildwuchs am Stadtrat zu unterbinden. Das Baugesetzbuch verpflichtet die Kommunen ausdrücklich, Konzepte aufzustellen, um eine geordnete und zielgerichtete Entwicklung der Handelslandschaft zu ermöglichen. Darauf weist Wirtschaftsdezernent Thomas Bugl hin. Der Aicherpark sei wichtig für Rosenheim, er solle aber möglichst eine Ergänzung zur Innenstadt darstellen und nicht das Angebot der Innenstadt wiederholen. Der Bebauungsplan erlaubt großflächigen Einzelhandel im Bereich Lebensmittel, Drogeriewaren, Schnittblumen, Bekleidung, Schuhe, Fahrräder und aller nicht innenstadtrelevanten Sortimente. Welche weiteren Vorgaben ein neues Einzelhandelsentwicklungskonzept mit sich bringen wird, das im Sommer verabschiedet werden soll, ist noch offen.

Franz und Reinhard Aicher als Vermieter warnen vor einer weiteren Einengung, einem zu starren Korsett. Bei acht verschiedenen Immobilienbesitzern im Aicherpark würden häufig parallel Gespräche geführt: "Und steht ein Objekt länger leer, ist man froh, dass jemand kommt. Wenn es dann nicht in die Liste der erlaubten Sortimente reinpasst, könnten zu starre Regelungen zu einem Problem werden."

Stolz ist der Aicherpark auf die im letzten Jahr eingerichtete Kulturmeile. Passend zur Indianerausstellung im Lokschuppen wird demnächst ein Totempfahl hinzukommen, der gerade geschnitzt wird. An einen Marterpfahl ist nicht gedacht, auch nicht für Interessenvertreter, die die Entwicklung im Aicherpark skeptisch sehen. Hans Schussmann sagt: "Mit dem Citymanagement arbeiten wir hervorragend zusammen. Gegnerschaft oder Blockaden sind nicht nicht mehr zeitgemäß."

red

Quelle: rosenheim24.de

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