Es gab keine Gewalt gegen Schüler

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Rosenheim - Das Gerichtsverfahren gegen eine Schulrektorin, die wegen Körperverletzung und Anstiftung zur versuchten Nötigung einen Strafbefehl erhalten hatte, hat eine wohl entscheidende Wendung genommen.

Ein Gutachter stellte am Montag klar, dass die Aussagen über das Tatgeschehen nicht der Realität entsprechen.

Die Vorwürfe wogen schwer: Laut der Aussagen von Eltern und Schülern hätte die Lehrerin, die seit vergangenem Jahr vom Dienst suspendiert ist, zwischen Mai 2008 und Januar 2009 Kinder während des Unterrichts an den Haaren gezerrt und geschlagen. Zudem habe sie versucht, die Eltern der betroffenen Kinder unter Druck zu setzen. Eine Mutter, die beim Förderverein der Schule angestellt war und Anzeige wegen Körperverletzung gegen die Rektorin gestellt hatte, wäre auf Druck der Schulleiterin gekündigt worden.

Die Folge: ein Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung, eine Geldstrafe über 8000 Euro und die Suspendierung vom Dienst bei gekürzten Bezügen (wir berichteten).

Die Rektorin legte gegen diesen Strafbefehl Beschwerde ein, im Februar begann am Amtsgericht das Verfahren gegen die 53-Jährige. Nach Prozesstagen in dieser und der vergangenen Woche mit Aussagen der betroffenen Kinder, deren Eltern, Lehrkräften und eines Gutachters zeichnet sich nun ein Freispruch der Angeklagten ab.

Nachdem nämlich bereits am ersten Verhandlungstag im Februar Zweifel auftauchten, ob die Aussagen der betroffenen Eltern und Schüler glaubwürdig seien, hatte das Gericht ein "Glaubwürdigkeitsgutachten" über die belastenden Aussagen bei dem renommierten Prof. Dr. Robert Feinbier bestellt.

Dessen Fazit fiel eindeutig aus: "Es wurde wissenschaftlich überprüft, ob die Aussagen über das Tatgeschehen wirklich erlebt, oder - aus welchen Gründen auch immer - erfunden, eingeredet oder Schutzbehauptungen sind. In keinem Fall konnte festgestellt werden, dass die Berichte der Schüler aus eigenem Erleben stammen."

Die anschließenden Zeugenaussagen reduzierten die Vorwürfe von einer heftigen Watschen zu einem sanften Ohrzupfen, der Nackenschlag, welcher angeblich den Kopf auf die Tischplatte hatte knallen lassen und zu Nasenbluten geführt hatte, wurde zu einem sanften Kopfdrücken, das die Aufmerksamkeit auf den Lesetext hätte lenken sollen. Zudem stellte sich heraus, dass der Bub damals öfter ohne besondere Anlässe Nasenbluten hatte. Das angebliche Zerren an den Haaren, bei dem ganze Büschel ausgerissen worden seien, fiel am Ende der Zeugenaussagen eher "sanft" aus.

Die Einlassungen der Hauptbelastungszeugin stellten sich plötzlich als "Hörensagen", Unterstellungen und ständig wechselnden Szenerien dar, die sie - je nach Nachfrage - veränderte. Auch der Vorwurf, die Rektorin sei an der Entlassung der Zeugin aus dem Förderverein beteiligt gewesen, löste sich rasch in Luft auf.

Feinbier: "Fest steht, dass es zu körperlichen Kontakten kam. Aber ebenso fest steht, dass in keinem Fall Gewalthandlungen bestätigt wurden. Streicheln, zupfen, Kopf sanft nach unten drücken - mehr ist hier nicht festzustellen."

Das Urteil wird am Freitag erwartet.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

Zurück zur Übersicht: Bayern

  • schließen
  • Weitere
    schließen

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Live: Top-Artikel unserer Leser