Reischach: Wer war am Tatort?

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Reischach/Traunstein - Tag drei im Prozess gegen zwei Brüder aus dem Landkreis Altötting. Sie sollen einen Kaufmann aus Reischach versucht haben zu töten.

Mehr Licht ins Dunkel hatten sich die Verantwortlichen vom dritten Verhandlungstag erhofft. Doch die Aussagen der Polizeibeamten, die Kontakt zu V-Personen hatten, warfen eher neue Fragen auf. Bisher hieß es, es wären neben den beiden angeklagten Brüdern eine dritte Person am Tatort gewesen. Es könnten aber auch fünf gewesen sein.

Das sagte zumindest eine Kriminalhauptkommissarin. Ihr Informant hätte zuerst von den beiden Brüdern und einem dritten Bekannten gesprochen, ein paar Monate später habe er gemeldet, dass noch zwei weitere Personen dabei gewesen seien. Ein anderer Informant sprach auch von den beiden Brüdern und einem Unbekannten und fügte nach ein paar Monaten hinzu, dass ein Bekannter dabei gewesen sei. Ob es sich bei diesem Bekannten aber um den vorher Unbekannten oder eine zusätzlichen Person handelt, konnte der zuständige Polizeibeamte nicht sagen. Beide Beamten sagten aber aus, keinen Grund zu sehen, an den Aussagen ihrer V-Personen zu zweifeln. Die eine habe in den vergangen zwei Jahren schon mal geholfen, Verbrechen aufzuklären, die Aussage der anderen decke sich großteils mit der der bekannten V-Person.

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"Es wäre ums Geld gegangen", begründeten beide V-Personen der Polizei gegenüber den Überfall. Letztlich konnte aber nicht abschließend geklärt werden, ob das die Aussage eines der beiden Brüder bestätige, der beteuerte, sie hätten von dem Geschädigten Geld eintreiben wollen oder ob es um Geld erbeuten ging.

Die beiden Polizeibeamten sagten unter höchsten Sicherheitsvorkehrungen aus. Der Zeugenstand wurde von drei blickdichten Stellwänden umrahmt und andere Beamte führten ihre Kollegen hinter weißen Laken dorthin. Während eines Zeugenwechsels schien eine Angehörige den Verteidiger des älteren Bruders, Hanns Barbarino, darauf aufmerksam zu machen, dass sie ahne, wer die eine V-Person sei. Deshalb will der Anwalt jetzt versuchen, diese Person in den Zeugenstand zu berufen.

Vorher sagte aber noch der Spurenermittler aus und beantwortete alle offenen Fragen zu dem Bericht der Spurensicherung. Hauptsächlich seien Schuh- und Blutspuren am Tatort gefunden worden, so der Kriminalhauptkommissar. Die meisten humanbiologischen Spuren seien auf den Geschädigten zurückzuführen gewesen. In zwei Fällen deuten sie aber auf den jüngeren der beiden angeklagten Brüder hin. Allerdings mit einer Wahrscheinlichkeit von eins zu 360.

Ein entscheidender Beweis könnte also sein, wie weit die Funkzelle reicht, in der sich der ältere Bruder laut Handyortung bei der Tat befunden hat. "Kann er fünf oder 20 Kilometer vom Tatort entfernt gewesen sein", wollte Barbarino wissen. Diese Frage muss sich das Gericht an anderer Stelle beantworten lassen.

Auch Rechtsanwalt Barbarino wird wohl auf die Beantwortung seines Antrages, die Fesselung seines Mandanten aufzuheben, warten müssen. Beide Angeklagten tragen seit dem ersten Prozesstag (15. November) im Gerichtssaal Hand- und Fussfesseln. Es bestehe Fluchtgefahr, so die Begründung. Außerdem habe es in einem ähnlichen Prozess mit Angehörigen der gleichen ethnischen Gruppierung Ausschreitungen gegeben. Das ist auch der Grund, warum die Zahl der Polizeibeamten - uniformiert und in Zivil - die Zahl der Zuhörer weit übersteigt.

Barbarino sieht die Fluchtgefahr aufgrund der Prozessentwicklung nicht mehr gegeben. Die Strafe, die auf seinen Mandanten zukomme, werde mit jeder Aussage geringer und 13 Monate habe er ja schon abgesessen. Staatsanwalt Ingo Handlanger sehe die Hauptverhandlung aus anderer Sicht und auch keinen Grund, die Fesselung aufzuheben. Auch Richter Karl Niedermeier habe bisher keine Kenntnis vernommen, die eine Lockerung zu diesem Zeitpunkt des Prozesses rechtfertige. Trotzdem werde über den Antrag in Ruhe entschieden, vorerst komme er zu den Akten.

Zu den Akten kamen auch die zusätzlich vom Spurenermittler eingereichten Ermittlungsunterlagen. Der Prozess wird am 5. und 6. Dezember jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.

cz

Quelle: innsalzach24.de

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