MDL Lederer (CSU) über Integration

"Nur so viele aufnehmen, wie wir integrieren können"

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Otto Lederer, MdL, im Gespräch mit OVB24-Chefredakteur Martin Vodermair (rechts).

Rosenheim - CSU-Landtagsabgeordneter Otto Lederer sprach bei einem Besuch unserer Redaktion über Migration und Integration.

In einem sehr offenen Gespräch ging Otto Lederer, Landtagsabgeordneter der CSU, vor allem auf die Beschulung von Flüchtlingen und deren Integration ein. 

"Speziell in Bayern ist es ein großes Thema, Flüchtlinge in unser Schulsystem aufzunehmen", so Lederer. "Bayern hat den höchsten Anteil an schulpflichtigen Asylbewerbern, das sind fast 40 Prozent. In Hamburg beispielsweise liegt die Zahl bei 17 Prozent." Der Grund: Nach Aussagen des Landtagsabgeordneten werden unbegleitete minderjährige Flüchtlinge erst seit gut einem halben Jahr deutschlandweit verteilt. Trotz der hohen Zahl sei "Bayern aber sehr gut aufgestellt."

Wie geht man es an?

Lederer erläuterte die verschiedenen Wege, wie schulpflichtige Flüchtlinge hier in unser Bildungssystem integriert werden:

Deutsch-Vorkurse im Vorschulalter

Der Vorteil sei hier, dass Kinder sehr schnell lernen. Im Idealfall können sie dann in Regelgrundschulklassen eingeschult werden. 

Übergangsklassen

Dort gebe es dann sogenannte "Übergangsklassen". "In diesen Klassen werden Schüler zusammengefasst, die einen Migrationshintergrund haben. Sie bekommen dort Deutschunterricht, es werden ihnen aber auch kulturelle Hintergründe vermittelt."

Deutschförderklassen

Die zweite Möglichkeit seien laut Lederer "Deutschförderklassen" oder "Deutschfördergruppen". Schüler mit Migrationshintergrund werden in manchen Stunden aus dem Regelunterricht herausgenommen und erhalten Deutschunterricht. Bei einer ganzen Klasse gebe es dann Deutschstunden. "Für besonders begabte Schüler gibt es 'Sprintklassen' an Realschulen, das sind aber deutlich weniger." Eine solche Sprintklasse gebe es beispielsweise an der Johann Rieder Realschule in Rosenheim. 

Integrations-Vorklasse an Fachoberschulen

Eine Besonderheit im Schulsystem findet an der Fachoberschule Wasserburg statt: "Für Menschen, die schon eine Vorbildung haben, gibt es dort eine Vorklasse vor der Vorklasse." Das Ziel der Vorklasse sei, zum Abitur zu kommen. Die Zugangsvorraussetzung für die Integrations-Vorklasse ist ein mittlerer Schulabschluss oder eine abgeschlossene Berufsausbildung.

Lehrkräfte fehlen

Wie Lederer weiter ausführte, stellt der Freistaat 161 Millionen Euro für Bildung bereit und will 1700 neue Beamte einstellen. "Wir haben das Geld für Stellen und jetzt wird es schwierig, die Köpfe dafür zu bekommen. An den Grund- und Mittelschulen haben wir steigende Schülerzahlen, aber zu wenig Lehrer."

Infos Fortbildungsangebote für Lehrer für Deutsch als Zweitsprache bzw. Asyl allgemein

Der nächste Schritt sei schließlich,  durch Nachqualifizierung Gymnasial- und Realschullehrer umzuschulen. Dies würde jedoch einen Rückschritt in der Besoldung darstellen, da die Vergütung von Grund- und Mittelschullehrern geringer ist. Die Nachausbildung dauere zwei Jahre mit der Aussicht auf eine Beamtenstelle.

Berufsschulpflicht

Nach Aussagen des Landtagsabgeordneten seien ein Drittel der Schulpflichtigen im allgemeinen Bildungssystem, zwei Drittel in der Berufsschulpflicht

Deshalb habe man Berufsintegrationsklassen geschaffen. Diese beinhalten Ausbildung in deutscher Sprache und in Fachsprache. "In zwei Jahren sollen die Schüler dort so weit gebracht werden, dass sie in die Ausbildung gehen können. Das sind so in etwa 50-70 Prozent, die das schaffen. Es ist also nicht so einfach, dass diese Menschen unser Fachkräfteproblem lösen."

Man habe bereits von 15 auf 50 Klassen aufgestockt. Dadurch komme jedoch ein weiteres Problem auf, nämlich Räume für 50 weitere Klassen im Landkreis Rosenheim zu bekommen.

Aktuelle Zahlen (Stand Juni 2016) Im Landkreis Rosenheim

Die Zahlen betreffen Schüler zwischen 15 und 25 Jahren. 

Anzahl Berufsschulpflichtiger in Stadt und Landkreis Rosenheim:

  • Begleitete Minderjährige: Landkreis: 900, Stadt: 168
  • Unbegleitete Minderjährige: Landkreis: Keine aktuellen Zahlen, aber vermutlich etwa 200 (Stand Januar 2016), Stadt: 60

Berufsintegrationsklassen im Landkreis Rosenheim:

Derzeit 26 Klassen, diese werden aber zum Schuljahr 2016/2017 auf insgesamt 45 Klassen in Kooperation mit den Berufsschulen erhöht. 

3,3 Milliarden Euro für das Thema Flüchtlinge

"Das Thema Flüchtlinge kostet den Freistaat 3,3 Milliarden Euro", erläuterte Lederer die finanzielle Situation. "Vom Bund werden jedoch nur 17 Prozent erstattet. Wir hatten Gott sei Dank Rücklagen. Wenn wir die nicht gehabt hätten, hätten wir das nicht finanzieren können."

"Motivation steigern geht nur mit Gesprächen"

Resumierend fasste Lederer zusammen, dass Bayern, was die Integration von Flüchtlingen angehe, ganz gut aufgestellt sei. "Trotzdem wird es so sein, dass nicht jeder eine abgeschlossene Berufsausbildung haben wird. Das ist auch eine Frage der Motivation. Es gibt den Druck, Geld nach Hause zu schicken und das Alter spielt natürlich auch eine Rolle."

"Man kann niemand zu einer Ausbildung zwingen"

Auf die Frage, wie man die Menschen anpacken soll, die sich nicht integrationswillig zeigen, antwortete Lederer, dass dies seiner Meinung nach nicht mit Gesetzen, sondern nur mit Gesprächen gehe. "Man kann niemand zu einer Ausbildung zwingen. Wenn einer nicht zu den Kursen geht, hat er keinen Anspruch mehr auf einen amtlichen Dolmetscher. Wir versuchen, in diese Richtung zu motivieren." 

Forderung einer Obergrenze

"Integration ist der Grund, warum wir (Anm. d. Red.: CSU) für eine Obergrenze sind. Wir können nur so viele aufnehmen, wie wir integrieren können. Das ist eine knochentrockene Zahl. Nochmal so viele wie in 2015 würden wir nicht verkraften."

Quelle: rosenheim24.de

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