Bei Alkohol keine Milde

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Rosenheim - Der zweite Herbstfestmontag 2009 hatte es in sich. Als es nach 23 Uhr in den Bierresidenzen kein Bier mehr gab, wechselte der 29-jährige Heizungsbauer in ein Nachtlokal am Salzstadel, um weiterzufeiern.

Heute weiß er nach der Verhandlung vor dem Rosenheimer Schöffengericht, dass das keine kluge Entscheidung war. Gegen 1 Uhr geriet er in dem Lokal mit einem schwer betrunkenen 19-Jährigen aus dem Altlandkreis Wasserburg in Konflikt.

Der schlug ihm ein Cocktailglas so brutal ins Gesicht, dass seine Oberlippe bis zum Gaumen durchgeschnitten war. Sein Kontrahent wurde vom Aufsichtspersonal vor die Türe gebracht. Dahin folgte er ihm, um dessen Personalien fest zu stellen. Es entwickelte sich jedoch erneut eine Prügelei, bei der der stockbetrunkene Aggressor zu Boden ging.

Hätte der Angeklagte es damit gut sein lassen, so wäre daraus wohl keine Anklage entstanden. Aber, außer sich vor Wut und ebenfalls alkoholisiert, schlug er weiterhin auf den nun Wehrlosen ein. Besonders schwerwiegend fiel jedoch ins Gewicht, dass er schließlich aufstand und dem bereits Bewusstlosen mit seinen Haferlschuhen gegen den Kopf trat. Er selbst wies bei der Blutuntersuchung einen Alkoholgehalt von 1,8 Promille auf. Der Andere war mit 2,3 Promille noch stärker alkholisiert.

Der Vorsitzende Richter Heinrich Loeber machte den Angeklagten darauf aufmerksam, dass dieses Treten mit den Haferlschuhen nahe an den Tatbestand eines versuchten Totschlags käme. Aus Sicht des Gerichtes habe er nur im Falle eines Geständnisses die Chance auf eine Bewährungsstrafe. Loeber bot dem Heizungsbauer an, für den Fall eines Geständnisses eine Strafmaßobergrenze aus zusprechen.

Rechtsanwalt Walter Holderle erklärte sich namens seines Mandanten mit dieser Verfahrensweise einverstanden. Nach der Bestätigung des umfassenden Geständnisses konnte auf Zeugenaussagen verzichtet werden.

Staatsanwältin Susanne Yamani zeigte sich entsetzt über die Hemmungslosigkeit, mit der in zunehmender Weise auf bereits wehrlose Opfer eingeprügelt und getreten werde: „Dabei kann der Einfluss von Alkohol nicht strafmildernd gesehen werden.“ Sie verwies darauf, dass der gebürtige Rosenheimer bereits einschlägig vorbestraft sei. Wenn es sich dabei auch nur um kleinere Delikte gehandelt habe, so war doch immer Alkohol im Spiel. „Wenn der Angeklagte aus eigenem Erleben weiß, dass er unter Alkoholeinfluss zu Unkontrolliertheit neigt, dann muss er sich entsprechend verhalten.“

Sie forderte eine Gefängnisstrafe von 22 Monaten, die allerdings zur Bewährung ausgesetzt werden könnten, und einer Geldbuße von 4000 Euro. Verteidiger Holderle verwies darauf, dass sein Mandant zunächst von dem Geschädigten selbst gefährlich verletzt worden sei und dieser, weil er nach Jugendstrafrecht verurteilt worden war, sehr moderat bestraft worden sei. Die wiederholte Provokation durch den Geschädigten dürfe ebenso wenig außer Acht gelassen werden wie das umfassende Geständnis. Er beantragte ein Jahr Gefängnis, das zur Bewährung auszusetzen sei. Des Weiteren bat er das Gericht darum, auf eine Geldbuße zu verzichten, da die Aufwendungen, die seinem Mandanten aus dieser unseligen Sache entstanden seien, bereits enorm seien. Das Gericht folgte in seinem Urteil dem Antrag der Staatsanwältin, verzichtete aber darauf, eine Geldbuße einzufordern.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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