Schleuser-Bande landet hinter Gittern

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Traunstein - Vier Schleuser mussten sich am Dienstag vor dem Landgericht verantworten. Einer der Angeklagten hatte zudem zwei Berliner Luxushotels um rund 165.000 Euro geprellt.

Laut Anklage war der 43-jährige Angeklagte ein Mitarbeiter einer Organisation, die Personen ohne gültige Aufenthaltsgenehmigung von Ägypten nach Deutschland einschleust. Für die Wegstrecke von Italien in die Bundesrepublik habe er den 24-jährigen Angeklagten angeworben. Dieser wiederum habe seine 33-jährige Schwester und seinen 35-jährigen Schwager mit ins Boot geholt. Alle vier mussten sich am Dienstag vor dem Landgericht Traunstein wegen der Beteiligung an mehreren Schleusungen verantworten.

Aufgeflogen war das ganze am 6. September 2013. Zusammen mit seiner Schwester und seinem Schwager wollte der 24-jährige Libanese an diesem Tag 16 Syrer bei Kiefersfelden über die Grenze schmuggeln. Eines der Fahrzeuge wurde allerdings von der Polizei gestoppt. Der 35-jährige Fahrer wurde festgenommen und in der Folge vom Amtsgericht Rosenheim zu einer Freiheitsstrafe von zehn Monaten auf Bewährung verurteilt.

Aus Angst, auch verhaftet zu werden, versteckte sich der 24-jährige Angeklagte daraufhin über Wochen in zwei Berliner Luxushotels. Besonders dreist daran: Mit Hilfe einer gefälschten Kostenübernahme-Erklärung der Botschaft von Oman mietete er sich im Marriot und im Adlon ein. Auf den Rechnungen, in einer Gesamthöhe von rund 165.000 Euro, blieben die Hotels sitzen.

Das sagten die Angeklagten

Der 35-Jährige bestätigte vor Gericht, an den Schleusungs-Fahrten beteiligt gewesen zu sein. "Bei der ersten Fahrt waren es vier Leute. Ich habe dafür zwischen 800 und 900 Euro bekommen", so der Angeklagte. Allerdings sei er bei der ersten Fahrt noch davon ausgegangen, dass er lediglich Verwandte des 43-jährigen Angeklagten ins Land bringe. Er sei vor Kurzem auch bedroht worden, seine Aussage zu ändern. "Ich hatte Angst um meine Kinder", so der 35-Jährige. Den Auftrag habe zu den Schleusungen habe er von dem 43-Jährigen bekommen.

Auch seine 33-jährige Frau zeigte sich vor Gericht geständig: "Ich wusste nicht, dass es so weit kommt. Für mich war es nur eine Fahrt, um Verwandte des 43-Jährigen aus Italien zu holen." Die Grenzen seien offen und es sei nicht illegal, Leute von Italien nach Deutschland zu holen, habe man ihr erzählt. Unter Tränen erklärte sie: "Ich wollte das alles gar nicht." Auch sie bestätigte , dass der 43-jährige Angeklagte der Drahtzieher hinter den Schleusungen gewesen sei.

Der 24-jährige Angeklagte gab vor Gericht zu, an allen sieben Schleuser-Fahrten beteiligt gewesen zu sein. "Ich trage die meiste Schuld." Er habe auch seinen Schwager (Anmerk. d. Red.: den 35-jährigen Angeklagten) dazu verleitet. Größtenteils habe er das Geld aus den Schleusungen für seinen Drogenkonsum verwendet. "Ich habe alle da mit reingezogen, damit ich meine Sucht befriedigen kann."

Er räumte zudem ein, den Betrug in den Berliner Luxushotels begangen zu haben. "Ich hatte zu diesem Zeitpunkt kein Geld mehr. Aber ich wusste, dass das Marriot und das Adlon Verträge mit der Botschaft haben." Er habe sich daher selbst eine Kostenübernahme-Erklärung der Botschaft von Oman angefertigt, um in den Hotels wohnen zu können.

Der vierte Angeklagte ließ durch seinen Anwalt eine Erklärung verlesen. Darin gab er zu, insgesamt vier Schleusungen in Auftrag gegeben zu haben. Für weitere Fälle sei er nicht verantwortlich.

Einlassungen des Bundespolizisten

Am Nachmittag folgte dann die Aussage eines Bundespolizisten, der an den Ermittlungen gegen die Schleuser-Bande beteiligt war. "Durch Bankauszüge und die anschließenden Vernehmungen konnten die sieben Schleusungsfälle belegt werden." Der 24-Jährige sei dabei an den meisten Schleusungen beteiligt gewesen. Die 33-jährige Angeklagte sei für die Anmietung der Fahrzeuge zuständig gewesen. Sie sei aber auch, zusammen mit ihrem 35-jährigen Mann, an der Ausführung einiger Schleusungen beteiligt gewesen. Der 43-Jährige habe im Hintergrund die Absprachen getroffen. Im Zuge der Ermittlungen habe es auch einige Wohnungsdurchsuchungen gegeben.

Die Plädoyers

Staatsanwalts Dr. Martin Freudling meinte in seinem Plädoyer, dass es sich bei den Angeklagten um die Mitglieder einer "Schleuser-Organisation" handle. Der 35-Jährige und die 33-Jährige seien an der Bande beteiligt gewesen. "Durch ihre frühen Angaben – durch die man auch auf den 43-Jährigen gekommen ist - haben sie sich eine Strafrahmen-Verschiebung verdient." Er beantragte daher für die 33-Jährige eine Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten und für den 35-Jährigen eine Strafe von zwei Jahren, jeweils auf Bewährung. Für den 24-jährigen Angeklagten forderte der Staatsanwalt eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Zum 43-Jährigen meinte Dr. Freudling: "Er ist derjenige, der die Bande schafft.” Für ihn beantragte er ebenfalls eine Freiheitsstrafe von vier Jahren. Die Anwälte der Angeklagten forderten jeweils geringere Strafen für ihre Mandanten.

Das Urteil

Das Gericht verurteilte den 35-jährigen Libanesen zu einer Haftstrafe von einem Jahr und neun Monaten auf Bewährung. Seine 33-jährige Ehefrau wurde zu einem Jahr und sechs Monaten auf Bewährung verurteilt. Der 24-jährige Angeklagte wurde zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und sechs Monaten verurteilt. Das Gericht ordnete zudem eine Unterbringung in einer Entzugsanstalt an. Der 43-jährige Syrer wurde zu drei Jahren und drei Monaten Gefängnis verurteilt.

Quelle: chiemgau24.de

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