Nach Feuer-Drama

Schneizlreuth: Fehlte die Genehmigung zum Hotelbetrieb?

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Der abgebrannte Bauernhof durfte offenbar nicht als Herberge benutzt werden.

Schneizlreuth - Sechs Männer kamen beim Brand in einem Gästehaus in Schneizlreuth ums Leben. Jetzt gibt es Hinweise darauf, dass der Betreiber womöglich keine Genehmigung als Beherbergungsbetrieb hatte. Die Staatsanwaltschaft ermittelt – und schweigt.

Die Männer sprangen in großer Panik vom Balkon, Rettungskräfte mussten erst Leitern heranschleppen. Doch für sechs Mitarbeiter der niederbayerischen Firma Lindner kam am vergangenen Samstag jede Hilfe zu spät. Sie erstickten bei dem Inferno in Schneizlreuth, als der Beherbergungsbetrieb in Flammen aufging. Noch suchen Polizei und Staatsanwaltschaft nach der Brandursache. Und jetzt gibt es Informationen, wonach es keine Lizenz für die Unterbringung von Gästen in dem 800 Jahre alten ehemaligen Bauernhaus gibt.

Ein Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wollte auf Anfrage unserer Zeitung diese Spekulationen nicht bestätigen. Nur so viel: „Diese Frage wird gegenwärtig von Ermittlern der Kriminalpolizei Traunstein in Zusammenarbeit mit dem zuständigen Landratsamt geprüft.“ Diese Prüfung soll in den nächsten Tagen abgeschlossen sein. „Ob das Ergebnis dann veröffentlicht wird, muss mit der Staatsanwaltschaft abgeklärt werden.“ Das Landratsamt Berchtesgadener Land erklärte, dass man mit Rücksicht auf das laufende Verfahren keine Auskünfte erteile.

Gesprächsbereiter zeigte sich der Leiter des Landesamts für Denkmalpflege, Generalkonservator Mathias Pfeil. Das Landesamt sei seit den 1980er Jahren mehrfach mit dem Anwesen Schneizlreuth befasst. Es sei dabei unter anderem um die Instandsetzung des Daches oder die Reparatur von Feuchte-Schäden gegangen. „Im Zuge der Gesamtinstandsetzung des Anwesens 1994 wird das Gebäude in den Akten als Wohnhaus mit Stall und Stadel bezeichnet, als Wohnhaus für eine Familie“, so Pfeil gegenüber unserer Zeitung. Zu einer Umnutzung des Wohnhauses hin zu einem Beherbergungsbetrieb lägen dem Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege keinerlei Informationen vor. An einem möglichen Genehmigungsverfahren zur Umnutzung des Gebäudes wurde das Landesamt nicht beteiligt.

Und so sollen in dem denkmalgeschützten Haus fest installierte Fluchtleitern vom Dachboden und ersten Stock gefehlt haben. Ebenso wie eine Außentreppe. Zudem ist von vergitterten Fenstern die Rede. Wegen der Konstruktion des 800 Jahre alten Hauses hatten die Feuerwehrler bei dem Brand große Schwierigkeiten bei den Löscharbeiten – unter anderem wegen herabstürzender Deckenteile. Die Baupläne für das Anwesen sollen inzwischen bei der Kripo liegen.

„Wir haben die ungeheuerliche Wendung in dieser Angelegenheit aus der Presse erfahren“, erklärte Klaus Ortbauer von der Firma Lindner, die ihre Mitarbeiter zu dem Erlebniswochenende eingeladen hatte. „Wir haben selbst keine eigenen Erkenntnisse in der Sache und auch keine Informationen der Ermittlungsbehörden. Wir können daher wenig dazu sagen, ob das stimmt“, sagte er zum Stand der Untersuchung der Tragödie. Die weitere juristische Aufarbeitung liege bei den Ermittlungsbehörden. Deren Ergebnis werde ausschlaggebend sein für mögliche spätere Auseinandersetzungen.

Natürlich gehe man davon aus, wenn man ein Hotel bucht, dass der Veranstalter die entsprechenden Genehmigungen habe. „Die Firma Straub ist ein bekannter und verlässlicher Partner, der das nicht erst seit gestern betreibt“, so Ortbauer. Die Event-Firma selbst will sich nicht äußern und verweist auf Anfrage auf die entsprechenden Ermittlungen der Polizei: „Wir enthalten uns jeglicher Aussage.“

von Claudia Möllers und Maximilian Heim

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