Mit Gewalt zutritt zur Disco verschafft

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Rosenheim - Mehrere randalierende Männer sollen vor drei Jahren versucht haben, sich gewaltsam Zutritt zu einer Disco in der Stollstraße zu verschaffen. Jetzt müssen sie sich dafür vor Gericht verantworten.

Drei Jahre nach einer Anzeige ist die Wahrheit schwer zu ermitteln. Die Anklage wegen Landfriedensbruches gegen vier damals noch Heranwachsende war vor dem Jugenschöffengericht nicht aufrechtzuhalten. Es gab einen Freispruch; in drei anderen Fällen wird weiter ermittelt.

Vor einer Discothek in der Stollstraße in den Räumen des früher so beliebten "Papagei" soll am 13. Januar 2008 eine größere Anzahl randalierender junger Männer versucht haben, sich mit Gewalt Zugang zu der Disco zu verschaffen. Dabei sei die Eingangstüre demoliert worden, und die Türsteher hätten mit Gewalt etwa 16 Personen am Eindringen hindern müssen.

Es hatte mehrere Gründe, dass die Anklage mit so großer Verzögerung verhandelt wurde. Die erste Anklage im Dezember 2008 ließ das Gericht nicht zu, weil die Beweislage zu dürftig gewesen war. Die zweite Anklageerhebung im Dezember 2009 führte nicht zum Ziel, weil gegen einige Beschuldigte weitere Anklagen erhoben worden waren, und so zog sich das Verfahren bis jetzt hin.

Das Jugendschöffengericht unter Vorsitz von Richter Herbert Schäfert hatte deshalb große Schwierigkeiten, das Geschehen jener Nacht zu rekonstruieren.

Vier Männer zwischen 24 und 25 Jahren hatten sich deshalb zu verantworten. Das schloss eigentlich schon von der Anzahl her einen Landfriedensbruch aus: Zu diesem Straftatbestand werden in aller Regel mindestens elf Täter vorausgesetzt.

Einer der Türsteher konnte von den Angeklagten nur einen identifizieren, der aber nach seiner Überzeugung mit den damaligen Vorfällen überhaupt nichts zu tun hatte: "Die sehen doch heute alle ganz anders aus!"

Einer der Angeklagten gestand, dass er damals aus Zorn darüber, dass ihn der Türsteher nicht eingelassen hatte, mit dem draußen positionierten großen Steh-Ascher gegen die Eingangstüre geschlagen hatte. Noch weitere Straftaten waren wohl damals geschehen, aber nach den jetzigen Zeugenaussagen nicht mehr zu zuordnen. Ein anderer Angeklagter behauptete, zur Tatzeit in einem Reisebus gesessen zu haben, was er mittels Visumstempel in seinem Reisepass zu beweisen versuchte. Der vierte Angeklagte wurde von dem zweiten Türsteher entlastet.

Das Gericht entsprach dem Antrag des Verteidigers, Rechtsanwalt Dr. Andreas Michel, und sprach dessen Mandanten frei. Der Vorsitzende erklärte, das Gericht werde das Alibi des zweiten Angeklagten überprüfen und wolle in einem weiteren Termin den Geständigen wohl wegen Sachbeschädigung verurteilen. Die Anklage gegen den vierten Beteiligten werde eingestellt, weil dieser noch eine schwerwiegendere Anklage vor sich hat.

Schäfert fasste am Ende der Sitzung zusammen: "Die Tatsache, dass das Verfahren so lange gedauert hat, ist für niemanden erfreulich. Die Umstände sind allerdings so unglücklich gewesen, dass das kaum zu verhindern war. Ein Landfriedensbruch, der keiner war, Straftaten, an die sich niemand mehr so recht erinnern kann - kein Verfahren sollte so lange dauern."

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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