Zwei Jahre Haft für kriminellen Alkoholiker

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Rosenheim - Die traurige Karriere eines 22-Jährigen aus Rosenheim erreichte jetzt ein vorläufiges Ende. Das Schöffengericht verurteilte den Arbeitslosen zu zwei Jahren Gefängnis.

Noch während des Verfahrens hatte er eine neue Straftat begangen. Seine Alkoholabhängigkeit verschärfte die kriminelle Energie.

Ein unbeschriebenes Blatt war der Angeklagte wahrlich nicht. Mit 125 Kilogramm Körpergewicht, knapp 1,90 Meter groß, wirkt er beeindruckend. Noch weit imposanter, aber im negativen Sinne, ist sein Strafregister. Seit seinem 14. Lebensjahr gab es kein Jahr, in dem er nicht straffällig geworden wäre, ausgenommen die Zeit, die er in der Jugendhaft verbracht hatte. In sechs Verfahren war er wegen mehr als 30 Straftaten verurteilt worden. Von Trunkenheitsfahrten über gefährliche Körperverletzung bis hin zu schweren Eigentumsdelikten hatte er innerhalb von nur vier Jahren kaum etwas ausgelassen.

2009 war der junge Mann auf Bewährung vorzeitig aus der Haft entlassen worden. Dazugelernt hatte er nichts. Im März 2010 verprügelte er vor einem Lokal in der Stollstraße einen anderen Gast. Dieser hatte ihn provoziert und beleidigt. Nach allen Zeugenaussagen war der Angeklagte derart betrunken, dass er kaum in der Lage war, allein zu stehen. Dennoch soll er zusammen mit einem weiteren Beteiligten auf den Dritten eingeprügelt haben. Während der berufs- und arbeitslose Angeklagte am ersten Verhandlungstag behauptete, gar nicht am Tatort gewesen zu sein, bestätigte er beim zweiten Termin seine Anwesenheit, behauptete aber, es sei ein Unbekannter, also ein ganz anderer gewesen, der da zugeschlagen hatte.

Schließlich gab er auch einen Namen preis, so dass ein weiterer Termin nötig wurde. Der Genannte konnte sich als Zeuge aber an nichts erinnern. Die Tatsache, dass, mit Ausnahme eines einzigen, alle Tatzeugen mehr oder weniger betrunken gewesen waren, komplizierte die Beweislage. Das Schöffengericht unter Vorsitz von Richterin Jacqueline Aßbichler versuchte mit viel Geduld, die wahren Geschehnisse zu beleuchten.

Erschwerend für den Angeklagten kam hinzu, dass noch Anklagen wegen Fahrens unter Alkoholeinfluss und ohne Führerschein erhoben wurden, dass er alle diese Taten unter offener Bewährung begangen hatte und im Laufe des offenen Verfahrens eine neue Straftat hinzugekommen war.

Die Staatsanwältin war nahezu fassungslos wegen dieser kriminellen Intensität. Besonders beklagte sie aber die Brutalität, mit der wehrlose, am Boden liegende Gegner noch mit Füßen getreten werden. Für sie stand die Täterschaft des Angeklagten außer Frage. Ebenso betonte sie dessen Unfähigkeit, aus Fehlern zu lernen. Deshalb beantragte sie eine Gesamtstrafe von zwei Jahren und zehn Monaten Gefängnis.

Pflichtverteidiger Rolf Asmus meinte, bei den vielen Widersprüchen in den Zeugenaussagen sei die Schuld seines Mandanten keinesfalls bewiesen. "Im Zweifel für den Angeklagten" müsse hier gelten. Deshalb sei ein Freispruch die richtige Konsequenz. Wegen der Verkehrsdelikte sei sein Mandant geständig, weswegen er wohl zu einer Strafe zu verurteilen sei, die noch zur Bewährung ausgesetzt werden könne.

Das Gericht sah es jedoch als erwiesen an, dass der Angeklagte geschlagen und getreten hatte. Die neuen Straftaten würden belegen, dass er aus allen Chancen, die ihm die Gerichte bisher geboten hatten, nichts gelernt habe.

Zwei Jahre Gefängnis ohne Bewährung, so lautete das Urteil. Über ein Jahr steht noch aus der Vorverurteilung offen, so dass der 22-Jährige nun drei Jahre Zeit zum Nachdenken hat.

au/Oberbayerisches Volksblatt

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa

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