Rekordschwimmer auf Rhein gescheitert

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Ernst Bromeis setzt bei seiner Tour im Rhein künftig auf das Kajak.

Basel - Als angeblich “erster Mensch überhaupt“ sollte ein Schweizer den ganzen Rhein durchschwimmen. Jetzt gab er auf. Aus Sorge um seine Gesundheit. Ein Deutscher schaffte die Strecke vor 43 Jahren.

Nach erschöpfenden Schwimmetappen in eiskaltem Wasser hat der Schweizer Extremsportler Ernst Bromeis (43) seinen Versuch abgebrochen, den ganzen Rhein zu durchschwimmen. Unerwartet harte Umstände hätten seiner “großen Vision“ ein Ende bereitet, ließ der “Wasserbotschafter“ der Alpenrepublik am Dienstag mitteilen. Bis dahin hatte er im Rahmen seiner Aktion “Das blaue Wunder - Rhein 2012“ unter erheblichen Kraftanstrengungen seit dem 2. Mai rund 400 der 1230 Kilometer langen Strecke geschafft.

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Sorge um “seine Gesundheit lasse eine Weiterführung nicht mehr zu“, erklärte das Unternehmen Schweiz Tourismus. Zuvor hatte dieser wichtigste Sponsor der Aktion in der Werbung erklärt, Bromeis durchschwimme den Rhein von der Quelle in den Bündner Alpen bis zur Mündung an der niederländischen Nordseeküste “als erster Mensch überhaupt“.

Doch wenige Tage nach dem Start von Bromeis an der Rheinquelle im eisigen Tomasee meldete sich ein Deutscher und erklärte: “Die Strecke bin ich doch schon 1969 geschwommen.“ Der heute 71-jährige pensionierte Silberschmied Klaus Pechstein aus Linz am Rhein legte Berichte von Zeitungen vor, die ihn damals begleiteten, sowie seine eigenen Planungsunterlagen.

Er wolle aber keineswegs einen Rekord beanspruchen, sagte Pechstein der Nachrichtenagentur dpa. Im Gegenteil, er wünsche dem Schweizer alles Gute und verfolge dessen Aktion mit großer Sympathie. “Für sein großes Vorhaben hätte ich ihm durchaus ein paar Tipps mit auf den Weg geben können“, sagte er vorige Woche.

Der Schweizer Extremschwimmer hatte das gelassen zur Kenntnis genommen. Er habe schlicht nicht gewusst, dass schon jemand vor ihm den Rhein durchschwommen habe, sagte er. “Ich freue mich für Herrn Pechstein und ich möchte ihn sehr gern kennenlernen.“

Bromeis selbst hatte nie behauptet, der “Erste“ zu sein. Auch um einen Rekord sei es ihm nie gegangen, sondern um seine Botschaft: Die Aktion “Das blaue Wunder Rhein“ sollte darauf aufmerksam machen, dass “Wasser verletzlich, sogar zerstörbar, und doch unverzichtbarer Quell unseres Lebens ist“ und die Menschen zum klugen und schonenden Umgang mit dieser wertvollen Ressource ermahnen.

Nun musste sich der Schweizer, der sich als aktiver Naturschützer und Sportler in seiner Heimat großer Achtung und Anerkennung erfreut, eingestehen, dass sein Plan wohl doch zu ambitiös war. Während Pechstein seinerzeit im September aufgebrochen war, als das Wasser viel wärmer und die Strömung geringer war, wagte der Schweizer das Unternehmen im Mai.

Das war sehr riskant, wie sich spätestens am vergangenen Wochenende zeigte, als “die Eisheiligen“ für kalte Luftströme sorgten und sogar ein Hagelsturm niederging. Bromeis sah sich auf mehreren Streckenabschnitten gezwungen, ins Kajak umzusteigen und zu paddeln statt zu schwimmen.

“Der Ernst muss enorm gefroren haben“, sagte ein Mitarbeiter der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft SLRG, die den Sportler mit einem Sicherheitsteam begleitet hatte. “Der dickste dieser Schwimmanzüge ist sieben Millimeter, aber bei solch kaltem Wasser hält man es damit trotzdem nicht länger als eine Stunde aus.“

Auf der Website “Das blaue Wunder“ wurde schon bald diskutiert, ob es nicht falsch war, im Mai aufzubrechen statt erst im Sommer. Doch die mit seiner Aktion verbundene Werbung für Urlaub in der Schweiz als “Wasserland“ mit wunderschönen Seen und Flüssen musste nach den Wünschen der Marketing-Experten bereits im Frühjahr anlaufen.

Bromeis erklärte, er sei mit dem Mai-Termin einverstanden gewesen und habe sich so gut es ging vorbereitet. Über reichlich Erfahrung verfügte der “Grenzschwimmer“, wie er sich selbst nennt: Er hatte früher schon bei werbewirksamen “Blaues Wunder“-Aktionen alle Seen seines Heimatkantons Graubünden sowie später den jeweils größten See aller Schweizer Kantone durchschwommen.

“Meine Fitness stimmte und die Erfahrung aus der Durchschschwimmung der Schweizer Seen stimmte mich zuversichtlich“, erklärte er. Angesichts der “veränderten Rahmenbedingungen“ sei die Umsetzung seines Ziels aber unmöglich geworden. Am Sonntag hatte er bei seiner Ankunft in Basel schon gesagt: “Der Rhein macht, was er will, da ist der Mensch im Vergleich nur klein und schwach.“

dpa

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