Bürgerkrieg in Darfur

Amnesty: Sudan setzt Chemiewaffen gegen Bevölkerung ein

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In Darfur im Westsudan herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Foto: Khales el Fiqi

Der Einsatz von Chemiewaffen in Konflikten ist international geächtet. Laut einem Amnesty-Bericht soll der Sudan in Dutzenden Fällen Giftgas gegen die Bevölkerung in Darfur eingesetzt haben.

New York (dpa) - Die sudanesische Regierung hat nach Angaben von Amnesty International in mindestens 30 Fällen Chemiewaffen gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt. Als Folge seien seit Jahresbeginn in der Krisenregion Darfur mindestens 200 bis 250 ums Leben gekommen.

Die Menschenrechtsorganisation beruft sich auf die Auswertung von Satellitenbildern und Interviews. Die meisten der Opfer seien Kinder, heißt es weiter. Chemiewaffen-Experten zufolge legten die Beweise nah, dass es sich um Hautkampfstoffe wie Senfgas gehandelt habe.

In Darfur im Westen des ostafrikanischen Landes herrscht seit 13 Jahren Bürgerkrieg. Die Rebellen der Sudanischen Befreiungsarmee (SLA) werfen der Regierung die Unterdrückung der nicht-arabischen Bevölkerung vor. Erst Anfang 2016 startete die Regierung eine neue, groß angelegte Offensive gegen die SLA in der Bergregion Jebel Marra.

Dem Konflikt sollen bereits 300.000 Menschen zum Opfer gefallen sein, rund 2,6 Millionen Menschen sind auf der Flucht. Nach UN-Angaben haben mehr als 80.000 Menschen in der Region allein seit 2016 ihr Zuhause verloren.

Die von Amnesty ausgewerteten Bilder und Videos zeigten schreiende, mit Brandblasen übersäte Kinder, die Blut spuckten und um Atem rangen, nachdem sie chemischen Giften ausgesetzt gewesen seien, erklärte die zuständige Amnesty-Vertreterin Tirana Hassan.

Das Ausmaß und die Brutalität der Angriffe ist nach ihren Worten schwer in Worte zu fassen: "Die Beweise, die wir zusammengetragen haben, sind glaubhaft und zeigen ein Regime, das mit voller Absicht Angriffe gegen die Bevölkerung in Darfur ohne jegliche Angst vor internationaler Bestrafung ausübt."

Der Einsatz von Chemiewaffen sei ein Kriegsverbrechen, sagte Hassan. Sie seien seit Jahrzehnten verboten, weil das Leid, das sie verursachten, durch nichts zu rechtfertigen sei. "Der Umstand, dass die sudanesische Regierung sie wiederholt gegen das eigene Volk einsetzt, kann einfach nicht ignoriert werden und verlangt ein Handeln."

Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag wirft dem sudanesischen Präsidenten Omar Hassan al-Baschir Völkermord, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit vor und hat bereits einen Haftbefehl gegen ihn erlassen. Viele arabische und afrikanische Staaten erkennen das Gericht und das Urteil in Den Haag allerdings nicht an.

OCHA-Bericht zu Vertreibungen im Sudan 2016

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