TV-Reportage #Beckmann

Seehofer verrät: Ich wollte Merkel nicht demütigen

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Gab tiefe Einblicke in sein Seelenleben: Ministerpräsident Horst Seehofer

München - Der Ministerpräsident bekennt in einer TV-Reportage, von einer Demütigung der Kanzlerin auf dem Parteitag seinerzeit nichts bemerkt zu haben. Die Sendung #Beckmann zeigt auch, wie tief der Stachel eines alten Zwists mit der Kanzlerin bei Seehofer noch sitzt.

"Ich grüße Sie", bringt Horst Seehofer gerade so hervor. Er haucht das fast schon. Es ist Anfang März auf einem Autobahn-Rasthof als Reinhold Beckmann den bayerischen Ministerpräsidenten in dessen Auto begrüßt. Seehofer kommt soeben von einem Treffen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel aus Berlin.

Er wirkt abgekämpft. Beckmann, der einstige Talkmaster, der nun die Reportagereihe #Beckmann macht, befragt Seehofer zum Parteitag der CSU im November 2015. Seehofer selbst hatte damals Merkel eingeladen. 

Demütigung auf dem Parteitag

Rückblick: Der Streit zwischen beiden befindet sich in diesen Tagen auf dem Höhepunkt. Die Begriffe nationale Obergrenze und europäische Lösung prägen die Debatte bei der Lösung der Begrenzung der Flüchtlingszahlen. Merkel weicht nicht von ihrem Standpunkt ab, Seehofer nicht von seinem. Nach Merkels Rede tritt Seehofer ans Rednerpult. Die Geschichte ist bekannt, es wird eine Demütigung der mächtigsten Frau der Welt.

Beckmann also fragt den CSU-Parteichef im Auto: "Was war das für eine Situation als Sie die Kanzlerin wirklich so klein haben neben sich stehen lassen? War ihnen das bewusst?" "Nein, überhaupt nicht", entgegnet Seehofer. "Die Kanzlerin steht schräg links hinter Ihnen", erklärt er Beckmann. "Sie sehen ja die Kanzlerin selbst nicht." Auch bei der Verabschiedung will er nicht bemerkt haben eine Grenze überschritten zu haben. "Sie sagte, dass sie mich am nächsten Tag anruft. Dass dort ein Problem ist, kam dann eine Stunde später über die Agenturmeldungen."

Merkel ist manchmal "die Chefin der Anlage"

Der Vorfall sei nie zwischen beiden zur Sprache gekommen. "Das zeigt ihr Format. Da ist sie keine Sandkastenspielerin." Es ist einige der wenigen Male, dass Seehofer positive Worte über die Kanzlerin findet. Der aktuelle Zwist zwischen beiden wird durch den Film verständlicher. 1992 kamen beide erstmals ins Kabinett unter Bundeskanzler Helmut Kohl. Er als Gesundheitsminister, sie als Ministerin für Frauen und Jugend. "Im Kabinett hat sie ihre Vorschläge sehr nachdrücklich vertreten. Wenn sie gestoppt wurde, hat sie sehr emotional reagiert. Auch mit...", sagt Seehofer und deutet Tränen an. "Aber das ist ja bekannt", fügt er an.

Als Merkel zwölf Jahre später als Parteivorsitzende Seehofers Vorschlag der einkommensgerechten Krankenkassenbeiträge torpedierte, war das Tuch zerschnitten. Seehofer trat zurück und ging ins Kloster. Sein Freund Walter Eisenhart erzählt, Seehofer habe das in einem Theaterstück verarbeiten müssen. "Er hat sich damals viel Frust von der Seele geschrieben und geredet. Da steckte was Verletztes in ihm drin."

Ob sich das bis heute geändert hat? Ein wenig gewiss, denn wenn er wegen der Flüchtlingskrise nicht schlafen kann, schreibt der 66-Jährige der Kanzlerin sogar seinen Kummer per SMS - um drei Uhr Nachts, wie er sagt. Und in Seehofers Hobbykeller, darf sie manchmal sogar den Ton angeben. Ein 20 Quadratmeter großes Modelleisenbahn-Areal erstreckt sich dort auf Sperrholzplatten. Es soll Seehofers Leben nachzeichnen. "In entspannten Zeiten", stichelt Seehofer, sei die Kanzlerin "die Chefin der Anlage". In schwierigeren Zeiten heiße es für sie allerdings: "Fensterbank".

mke

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