Referendum am Donnerstag

Brexit: Was dafür und was dagegen spricht

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Michael O'Leary ist für den EU-Verbleib.

London - Am Donnerstag entscheiden die Briten, ob sie in der EU bleiben oder austreten wollen. In die Umfragen sagen ein enges Rennen vorher. Die Argumente für und wider im Überblick.

Update vom 28. Juni 2016: Am Dienstag treffen sich die EU-Mitgliedsstaaten. Ein großes Thema: Wie geht die Union mit dem Brexit um. Lesen Sie in unserem News-Blog die aktuellen Entwicklungen.

Update vom 25. Juni 2016: Auch am Samstag ist der beschlossene Brexit DAS Thema auf der politischen Tagesordnung. Lesen Sie in unserem News-Blog die aktuellen Entwicklungen.

Update vom 24. Juni 2016: Der Brexit kommt - doch was bedeutet das eigentlich? Wir geben Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Update vom 23. Juni 2016: Heute ist der Tag der Tage in Großbritannien. Was aber tut David Cameron im Falle eines Brexit?

Update vom 22. Juni 2016: Am Donnerstag stimmt Großbritannien über den Verbleib in der EU ab. Alle aktuellen Infos finden Sie in unserem News-Blog zum Brexit.

PRO BREXIT:

EINWANDERUNG

Die Zuwanderung in Großbritannien ist seit 2012 hochgeschnellt. Die Nettoeinwanderung aus EU-Ländern hat sich verdoppelt, aber auch aus Nicht-EU-Ländern kamen laut nationalem Statistikamt deutlich mehr Menschen. In vielen Städten gibt es massive Integrationsprobleme, auch die Angst vor Terroranschlägen wird als Argument angeführt.

Auch Brexit-Gegner erkennen an, dass die Einwanderung den Druck auf die Sozialsysteme erhöht hat und dass sie sogar Lohnerhöhungen in mehreren Branchen verhindert haben könnte. Durch den Austritt aus der EU könnte London die Zuwanderung wesentlich stärker begrenzen: Es entstünden mehr Jobs für Briten, der Druck auf Krankenhäuser und Schulen würde abnehmen, lautet das Argument im Pro-Brexit-Lager.

SOUVERÄNITÄT

Immer mehr Gesetze und Richtlinien werden von der EU beschlossen oder auf den Weg gebracht. Durch die Verlagerung der Entscheidungsprozesse von London nach Brüssel sehen viele Briten ihre Demokratie ausgehöhlt. Der Austritt würde dem Land also nicht nur die Souveränität über seine Grenzen zurückbringen, sondern auch der stolzen Westminster-Demokratie wieder mehr Macht verschaffen. Die Angst, in Brüssel werde ein Superstaat gebaut, trieb Brexit-Wortführer Boris Johnson mit einem Hitler-Vergleich auf die Spitze: Auch Hitler habe versucht, den Kontinent unter einer Regierung zu einen, "und es endete tragisch".

WIRTSCHAFT

2014 überwies Großbritannien - nach Abzug der Rückflüsse - laut EU-Zahlen knapp fünf Milliarden Euro nach Brüssel - etwa 77 Euro pro Kopf. Der Nettobeitrag ist dem Königreich schon seit Jahrzehnten ein Dorn im Auge. Rechtspopulist Nigel Farage bedient den Zorn bei jedem seiner Auftritte. Prognosen des Brexit-Lagers sehen ein Wachstumspotenzial von bis zu 1,6 Prozent für die heimische Wirtschaft, sollten britische Unternehmen nicht länger durch EU-Regeln geknebelt und das eingesparte Steuergeld ins Land investiert werden. Laut einer Berechnung des Institute for Fiscal Studies macht der Nettobeitrag für die EU indes nur 1,2 Prozent des britischen Gesamtbudgets aus.

GEGEN BREXIT:

WIRTSCHAFT

Anstelle eines Werbefeldzuges für die EU und ihre Werte führen die Brexit-Gegner um Premier David Cameron eine Abwehrschlacht. Sie verweisen auf zahlreiche Studien, wonach die Wirtschaft langfristig gar um bis zu 9,5 Prozent einbrechen könnte und halten dem ein Export-Plus von 55 Prozent durch die EU-Mitgliedschaft entgegen. Britische Unternehmen verlören ihre wichtigsten Handelspartner, müssten Zölle auf Exporte zahlen, internationale Konzerne könnten abwandern, Jobs wegfallen, das Pfund ins Trudeln geraten. Der Brexit wäre eine "Selbstverletzung", die Briten dürften nicht "mit der Zukunft unserer Kinder spielen", warnt Cameron.

Vor der Abstimmung: Briten im Brexit-Fieber

EINFLUSS

Die Hoffnung, Großbritannien könnte durch einen Austritt Souveränität zurück erlangen, ignoriert nach Einschätzung des renommierten Instituts Chatham House die Globalisierung: Durch wechselnde Bündnisse auf EU-Ebene könne London seine eigenen Interessen besser durchsetzen als in der Isolation. Cameron verweist darauf, dass die Briten für einen künftigen Handel mit der EU deren Vorschriften akzeptieren müssten - ohne sie noch beeinflussen zu können. Der britische Einfluss könnte weiter geschmälert werden, wenn sich die EU-freundlichen Schotten im zweiten Anlauf abspalten.

SICHERHEIT

Dank des EU-Haftbefehls seien 1100 Mörder und Vergewaltiger an Großbritannien ausgeliefert worden, berichtete Cameron im Fernsehen. Nicht nur die Kriminalitätsbekämpfung sähe er zurückgeworfen, sondern gar den Frieden in Europa bedroht, wenn sich Großbritannien als "führende Militärmacht" zurückziehe, warnte er im Mai. Das Argument wurde indes zum Bumerang: Der Vorwurf, Cameron schüre mit der Warnung vor einem "Dritten Weltkrieg" Panik, um den Brexit abzuwenden, gehört zum Standardrepertoir seiner Widersacher.

Brexit: Folgen, Ergebnisse, Gründe, Erklärung

Was genau ist der Brexit eigentlich - das können Sie hier nachlesen. Wir haben uns außerdem Gedanken über die Folgen für Deutschland gemacht, die der Austritts Großbritanniens aus der EU haben könnte. Alles, was Sie zum Brexit wissen müssen, können Sie zudem hier nachlesen.

afp

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