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Amok- und Terrorangst: Sonderschutz für CSU-Parteizentrale

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Horst Seehofer und CSU-Generalsekretär Andreas Scheuer bei der Eröffnung der neuen CSU-Zentrale im April 2016.

München - Taschenkontrollen und Security-Teams vor der Kantine: Die CSU hat nach dem Amoklauf am OEZ und den Terroranschlägen in Bayern die Sicherheitsvorkehrungen in der Parteizentrale verschärft.

Ein Sprecher bestätigte exklusive Informationen der tz. Demnach werden in dem Gebäude an der Mies-van-der-Rohe-Straße 1 seit Ende Juli Sicherheits-Teams beschäftigt, die Taschen und Zugänge kontrollieren. Zu weiteren Details gab es zunächst keine Angaben.

Die CSU-Zentrale liegt vor den Highlight-Towers.

Ein Sicherheitskonzept für den Komplex in der Nähe der Highlight-Towers gebe es freilich. Und das werde auch immer wieder angepasst. Nach den Vorfällen habe man nun die Sicherheitsvorkehrungen noch mal erhöht. Im gesamten Haus. Dazu zählt beispielsweise auch die Kantine. Die war nämlich wie das gesamte Erdgeschoss frei zugänglich. Und sie steht eben nicht nur den Mitarbeitern der CSU zur Verfügung. Auch Beschäftigte externer Firmen gehen dort zum Essen. Denn die CSU hat den vierstöckigen Komplex mit drei Gebäudeteilen und einem kleineren Kantinen-Bau in der Mitte zwar erworben, nutzt aber nur 4000 der 7000 Quadratmeter. Die übrige Fläche wird vermietet, wohl auch um einen Teil der kolportierten Kaufsumme von mehr als 20 Millionen Euro wieder einzuspielen.

Die neue Zentrale im Münchner Norden war erst im April eingeweiht worden. Zuvor tagten die CSU-Granden um Parteichef Horst Seehofer (67, CSU) an der Nymphenburger Straße 64. Doch das Gebäude galt als veraltet. Und zudem als wenig bürgernah, es ähnelte eher einem Bunker. Der helle, mit viel Glas gestaltete ehemalige Langenscheidt-Komplex an der A 9 sollte mehr ein offener Ort des Austauschs und der Begegnung für Mitarbeiter und Besucher sein.

Doch das ist nach Ansbach, Würzburg und München nun nicht mehr so einfach. „Uns wäre es natürlich lieber, wenn das Haus komplett offen bleiben könnte“, sagt der Sprecher der tz. „Aber die Sicherheit geht nun mal vor.“

Auch die Stadt will jetzt reagieren

Ein offenes Haus der Begegnung – so stellten sich bislang Generationen von Oberbürgermeistern das Münchner Rathaus vor. Auch OB Dieter Reiter (58, SPD)! „Ich bin seit 30 Jahren im Rathaus und ich fand es immer toll, dass es ein offenes Haus ist“, sagte er im Dezember im Interview mit der tz. Doch das ist Monate her, längst ist das Thema Sicherheit in den Fokus der Stadtspitze gerückt. Auf deren Wunsch hin werden in allen städtischen Gebäuden derzeit die Sicherheitsvorkehrungen abermals geprüft. „Wie das konkret aussehen wird, können wir aktuell noch nicht sagen“, sagt der Sprecher des Kommunalreferates, Bernd Plank. „Wir schauen uns die neuralgischen Punkte an, wo und ob man etwas nachjustieren kann.“

Die tz weiß: Einige Mitarbeiter im Rathaus sehen das als dringend notwendig an. Denn so mancher hat beim täglichen Gang durch die Flure mittlerweile schon ein mulmiges Gefühl: tausende von Touristen, viele mit Rücksäcken. Das Rathaus nach allen Seiten offen! „Es ist ja schon überlegt worden, einige Zugänge zu schließen“, verrät ein Insider der tz.

In einigen städtischen Liegenschaften wird das Thema seit langem anders gehandhabt. Etwa im Kreisverwaltungsreferat. „Aus Prinzip haben wir hier mindestens Zweierbüros, alle Büros sind mit Zwischentüren verbunden. Und es gibt einen Alarmmechanismus“, sagt ein Sprecher. Das Gebäude ist zudem nur während der Öffnungszeiten zugänglich, außerdem gibt es einen Sicherheitsdienst. Ob so etwas auch im Rathaus vorstellbar ist? Das wird sich erst nach der Sommerpause klären lassen. Geplant ist, dass sich im September erstmals der Ältestenrat mit dem Sicherheitskonzept befasst. 

Wie geht es mit der Wiesn weiter?

Wiesn-Chef Josef Schmid (46, CSU) arbeitet derzeit gemeinsam mit dem Kreisverwaltungsreferat am Sicherheitskonzept für das Oktoberfest. Wann das präsentiert wird, steht noch nicht fest. OB Dieter Reiter (58, SPD) hatte jüngst das Thema Rucksackverbot ins Spiel gebracht. Und auch der Zaun ist nicht vom Tisch. Laut Schmid hat KVR-Referent Thomas Böhle (63, SPD) signalisiert, dass darüber noch einmal gesprochen werden müsse. 

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