Autorin: "Wie kann man nur so dumm sein?"

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München - Von ihr soll Karl-Theodor zu Guttenberg Teile seiner Doktorarbeit kopiert haben. Jetzt hat sich die Schweizer Autorin Klara Obermüller zu Wort gemeldet. Sie geht wenig zimperlich mit dem Verteidigungsminister um.

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Doktorarbeit: Guttenberg soll abgeschrieben haben

Gegenüber blick.ch sagte Obermüller: "Wie kann man nur so dumm sein?" Sie könne das Vorgehen des deutschen Ministers nicht verstehen. Und zwar, weil es heute so leicht sei, eine Kopie zu entlarven. Stolz ist sie nicht, dass ein derart prominenter Politiker bei ihr abgeschrieben hat: "Für mich ist es eine zweifelhafte Ehre. Ich verstehe nicht, warum er es nötig hatte, zu klauen." Eine Entschuldigung erwartet sie von zu Guttenberg dennoch nicht.

Guttenberg: Der "Top Gun"-Minister

Guttenberg: Der "Top Gun"-Minister a.D.

Guttenberg soll seine Doktorarbeit teilweise abgeschrieben haben. Nach Angaben des Bremer Juraprofessors Andreas Fischer-Lescano hat der CSU-Politiker in seiner Dissertation einige Passagen wortwörtlich von anderen Autoren übernommen, ohne dies wie vorgeschrieben zu kennzeichnen. Die Arbeit sei an mehreren Stellen "ein dreistes Plagiat" und "eine Täuschung", sagte Fischer-Lescano der "Süddeutschen Zeitung".

Fischer-Lescano hatte bei einer Google-Recherche herausgefunden, dass sich Textduplikate durch die gesamte Arbeit ziehen. Die Stellen, an denen sich ohne Nachweis wortgleiche Parallelen mit fremden Texten finden, umfassen demnach mehrere Seiten. Offensichtlich kopierte Abschnitte, die die “SZ“ abdruckte, sollen aus der “NZZ am Sonntag“ und einem Vortrag am Liechtenstein-Institut stammen.

Chefredakteur: Guttenberg soll sich entschuldigen

Der Chefredakteur der Neuen Zürcher Zeitung (NZZ) am Sonntag, Felix Müller, hat von zu Guttenberg (CSU) eine Entschuldigung für das Abschreiben eines Artikels in seiner Dissertation verlangt. Bei einem Textblock aus Guttenbergs Doktorarbeit handele es sich “absolut um ein Plagiat“, sagte Müller am Mittwoch “Focus online“: “Guttenberg schmückt sich mit fremden Federn.“ Der Minister solle das zugeben. “In einem zweiten Schritt müsste er eigentlich zu uns kommen und sagen, dass es ihm leid tut“, meinte Müller.

Guttenberg soll auch bei F.A.Z. abgeschrieben haben

Nach Angaben der “Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ hat Guttenberg die Einleitung seiner Doktorarbeit aus einem Artikel in dem Blatt abgeschrieben. Der einleitende Absatz der Arbeit decke sich fast wortwörtlich mit einem am 27. November 1997 erschienenen Text der Politikwissenschaftlerin Barbara Zehnpfennig über das Vorbild Amerikas für Europa, berichtete die Zeitung am Mittwoch in ihrer Online-Ausgabe. Das Zitat sei bei zu Guttenberg weder im Text als solches kenntlich gemacht noch sei Zehnpfennig als Quelle angegeben, hieß es.

Doktorvater verteidigt Guttenberg

Der Doktorvater zu Guttenberg, Prof. Peter Häberle, hat den CSU-Politiker vor Plagiatsvorwürfen in Schutz genommen. “Der Vorwurf ist absurd, die Arbeit ist kein Plagiat“, sagte Häberle der “Bild“-Zeitung (Donnerstag). “Sie wurde von mir in zahlreichen Beratungsgesprächen eingehend kontrolliert.“ Gleichzeitig betonte der inzwischen emeritierte Wissenschaftler: “Herr zu Guttenberg war einer meiner besten Seminaristen und Doktoranden.“

ole/dpa/dapd

Rubriklistenbild: © dpa

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