Lokalwahlen in Großbritannien

Vor Brexit-Entscheidung: Labour gewinnt an Boden

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Am Donnerstag wählten die Briten neue Regional- und Kommunalparlamente.

Sechs Wochen vor der Brexit-Entscheidung haben die Briten neue Kommunalparlamente gewählt. Die Labour-Partei, die für einen EU-Verbleib kämpft, verlor weniger Stimmen als erwartet. In Schottland gewannen die Nationalisten.

Bei der Wahl des schottischen Parlaments hat die Unabhängigkeitspartei SNP wieder die meisten Sitze gewonnen, ihre eigene Mehrheit aber verloren. Dem am Freitag veröffentlichten Endergebnis zufolge eroberten die Nationalisten 63 von 129 Sitzen. Die Chefin der Schottischen Nationalpartei, Nicola Sturgeon, hatte schon kurz zuvor einen "historischen" Sieg bejubelt, weil die SNP die dritte Wahl in Folge gewinnen konnte.

Die Verluste der angeschlagenen Labour-Partei fallen bei den Regional- und Kommunalwahlen in Großbritannien geringer aus als erwartet. Selbst im konservativ geprägten Süden des Landes konnte Labour ersten Stimmauszählungen vom Freitag zufolge einige seiner wenigen Hochburgen verteidigen. Mit Ergebnissen für die Bürgermeisterwahl in London ist erst am Freitagabend zu rechnen. Die Wahlen gelten als Test für das EU-Referendum über den "Brexit", den Ausstieg Großbritanniens aus der EU. Die Labour-Partei kämpft für einen Verbleib in der Union.

Der von Medien „Super Thursday“ getaufte Wahltag gilt zudem als erster Test für den linken Parteichef Jeremy Corbyn, der den Labour-Vorsitz vor rund acht Monaten übernommen hatte. Verglichen mit den vergangenen Regional- und Kommunalwahlen in den Jahren 2011 und 2012 muss Labour voraussichtlich zwar heftige Verluste hinnehmen. Im Hinblick auf das desaströse Ergebnis der nationalen Parlamentswahl 2015 gewinnt die Arbeiterpartei aber wohl wieder etwas an Boden. Die Tories dagegen schneiden etwas schlechter ab als im vergangenen Jahr.

London könnte ersten muslimischen Bürgermeister bekommen

In London lag der als Favorit ins Rennen gegangene Labour-Kandidat Sadiq Khan letzten Umfragen zufolge deutlich vor seinem konservativen Tory-Rivalen Zac Goldsmith. Khan könnte der erste muslimische Bürgermeister der Millionenmetropole werden. Die britische Hauptstadt wird seit acht Jahren von dem scheidenden Konservativen Boris Johnson regiert.

Bei den Kommunalwahlen in England scheint auch die euroskeptische Partei Ukip Labour Stimmen abzujagen. Erwartet wird, dass die britischen Nationalisten erstmals in das Parlament von Wales einziehen. Ukip-Chef Nigel Farage sprach deshalb bereits von einem „Durchbruch“ für seine Partei.

40 Millionen Briten waren am Donnerstag dazu aufgerufen, Regional- und Kommunalparlamente zu wählen. Neben London stand auch in anderen Großstädten der Bürgermeister zur Wahl. Schottland, Wales und Nordirland bestimmten neue Volksvertreter. Die Auszählung der Stimmen dauerte in den frühen Morgenstunden noch an.

Wenige Wochen vor dem Brexit-Referendum in Großbritannien haben EU-Anhänger und "Brexit"-Befürworter ihre Kampagnen gestartet. Laut Umfragen steht der Ausgang auf Messers Schneide.

dpa

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