Darf Merkel zum CSU-Parteitag kommen?

Seehofer: „Das ist eine unglaubliche Gespensterdiskussion“

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Angela Merkel lauscht CSU-Chef Horst Seehofer auf dem Parteitag im November 2015.

München/Schwarzenfeld - Der Streit zwischen CSU und CDU schwelt weiter. Nach einem Medienbericht soll Bayerns Ministerpräsident Seehofer nun die Kanzlerin am Telefon vom Parteitag im November ausgeladen haben. Seehofer zufolge handelt es sich dabei nur um Gerüchte.

CSU-Chef Horst Seehofer hat einen Medienbericht über eine angebliche Ausladung von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) vom CSU-Parteitag Anfang November in München zurückgewiesen. „Das ist eine unglaubliche Gespensterdiskussion“, sagte Seehofer am Freitag vor Beginn einer CSU-Vorstandsklausur im oberpfälzischen Schwarzenfeld. „Wie vor jedem Parteitag werden wir die Behandlung der beiden Parteitage, CDU und CSU, miteinander besprechen, die Bundeskanzlerin und ich, und nicht über die Presse.“ Jetzt gehe es erst einmal „um die Klärung der Koordinaten zwischen CDU und CSU, um die Inhalte. Das ist das Selbstverständlichste in der Politik.“

Zuvor hatte schon ein CSU-Sprecher am Freitag einen Bericht der Bild-Zeitung zurückgewiesen, dem zufolge CSU-Chef Horst Seehofer Merkel bei einem Telefonat am 28. August von dem Delegiertentreffen ausgeladen habe. „Das ist nicht zutreffend“, sagte der Sprecher. Es sei völlig normal, dass zwei Monate vor dem CSU-Parteitag noch keine Einladung verschickt worden sei.

Seehofer will keine Wiederholung des letzten Jahres 

Nach Informationen der Bild fragte Merkel Seehofer bei dem Telefonat Ende August, ob sie mit einer Einladung rechnen könne. Seehofer habe darauf nur kurz und knapp geantwortet: „Ich halte das im Moment nicht für opportun.“ Es sei weder „in Deinem, noch in meinem Interesse, wenn Du als Kanzlerin auf dem CSU-Parteitag erscheinst“. Dafür sei es „einfach noch zu früh“.

Dem Nachrichtenmagazin "Focus" soll Seehofer gesagt haben: „Ich will keine Wiederholung des letzten Jahres. Und ich nehme an, sie will es auch nicht."

Im vergangenen Jahr hatte Horst Seehofer auf dem Parteitag der CSU Angela Merkel wegen ihrem Kurs in der Flüchtlingspolitik hart angegriffen - und erntete daraufhin viel Applaus von seinen Parteikollegen.  

Seehofer droht mit Fernbleiben vom CDU-Parteitag 

Wegen des anhaltenden Streits um die Flüchtlingspolitik will CSU-Chef Horst Seehofer womöglich auf seinen traditionellen Auftritt beim Parteitag der Schwesterpartei CDU verzichten. Sollten sich CDU und CSU bis zum Parteitag Anfang Dezember nicht auf eine gemeinsame Linie geeinigt haben, habe ein Besuch keinen Sinn, sagte Seehofer dem"Spiegel" laut Vorabmeldung. "Ohne einen Konsens wäre mein Auftritt nur ein Medienspektakel."

Die gegenseitigen Besuche der Parteichefs von CDU und CSU gehören seit Jahrzehnten zur Tradition der Schwesterparteien. Allerdings geriet diese Tradition vor einem Jahr beim CSU-Parteitag in München zum Eklat. Seehofer griff die als Gastrednerin eingeladene und neben ihm stehende Kanzlerin auf offener Bühne scharf an und hielt ihr rund eine Viertelstunde lang die Fehler ihrer Flüchtlingspolitik vor, während sie wie eine Schülerin neben ihm stehen musste. Nach dem Dauerstreit hatten sich Seehofer und CDU-Chefin Angela Merkel eigentlich vorgenommen, im Verlauf des Herbstes auch mit Blick auf die Bundestagswahl 2017 gemeinsame Positionen auszuarbeiten. Seehofer forderte von der Kanzlerin im "Spiegel" erneut einen Kurswechsel: "Es bringt nichts, wenn wir den Leuten immer nur sagen: Wir haben alles richtig gemacht, ihr versteht es nur nicht. Das ist ein Konjunkturprogramm für die AfD." 

ae/dpa/afp

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