Offener Brief zur wirren Baustellen-Phase des Regionalzugs

Lieber Meridian, wir werden keine Freunde mehr!

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Mit einer halben Stunde Verspätung traf der Meridian aus Rosenheim am Freitag am Münchner Hauptbahnhof ein. Laut Social Media Redakteurin und Pendlerin Bettina Pohl leider keine Seltenheit.

Rosenheim - Sie pendelt jeden Tag zwischen München und Rosenheim: Unsere Social Media-Redakteurin Bettina Pohl. In einem offenen Brief findet sie klare Worte, die sie direkt an den Meridian richtet:

Lieber Meridian, 

Du und ich, wir werden keine Freunde mehr. Leider. Aber eine Freundschaft besteht aus Respekt und Vertrauen. Zwei Tugenden, die Du mir in den vergangenen Wochen nicht entgegengebracht hast: Oder wie erklärst Du, dass auf dich kein Verlass ist? 

Jeden Morgen und jeden frühen Abend bin ich auf Dich angewiesen, stehe am Gleis und hoffe darauf, dass Du überhaupt einfährst. Steige ich ein, stelle ich mich automatisch auf spontane Halts auf offener Strecke ein. Weil Du einen Güterzug vorbeilassen musst. Oder weil der Streckenabschnitt vor Dir durch einen anderen Zug blockiert wird. "Die Weiterfahrt verzögert sich" - keinen anderen Satz habe ich in den vergangenen Wochen so oft gehört wie diesen. 

Du hast mir am 26. Februar einen geregelten Ablauf während der Baustellen-Phase zugesagt: "Da der Meridian auch während der Zeit der Bauarbeiten durch die DB Netz AG einen geregelten Zugverkehr sowie streckenweise alternative Reisemöglichkeiten mit Bussen anbietet, bleiben Fahrkarten preislich konstant." Durch die Bauarbeiten der DB Netz AG: Das ist korrekt. Doch auch wenn die DB Netz AG die Fahrpläne macht, so konntest Du doch ebenfalls deine Meinung abgeben. Und der Deutschen Bahn mitteilen, auf welche Züge Du nicht verzichten willst oder kannst. 

Versteh mich bitte nicht falsch! Natürlich müssen auch Gleise manchmal erneuert oder gewartet werden: Das ist absolut nachvollziehbar und für die Sicherheit der Fahrgäste unabdinglich. Dennoch stellen sich mir in diesem Fall Fragen, die wohl niemand beantworten kann - oder mag:

War die doppelte Gleis-Belegung nicht absehbar, als die unzähligen, ständig wechselnden Fahrpläne erstellt wurden? Und wieso ist die pünktliche Auslieferung von beispielsweise Autos wichtiger als hunderte Pendler, die auf Dich angewiesen sind? Oder Schüler, deren Unterrichtsbeginn nicht variabel ist? Und: Wieso beschwerst Du Dich nicht einfach, wenn nur die anderen schuld sind und Du alles richtig gemacht hast? Denn genau so hört es sich nach deinen Aussagen an: Beispielweise als unzählige Schüler die erste Unterrichtsstunde versäumten.

Nicht nur die Pendler und Schüler tun mir leid - auch die Mitarbeiter. Deren, laut eigener Aussage, erste Frage bei Dienstbeginn folgende ist: "Wie viel Verspätung hat der Zug heute?" Mitarbeiter, die den genervten Fahrgästen in einem ruhigen und freundlichen Ton klar machen müssen, dass Du mal wieder zu spät bist. Und manche Haltestellen gar nicht anfahren wirst. Mitarbeiter, die den Passagieren erklären müssen, wieso sie ihren Anschlusszug nicht mehr erwischen. Mitarbeiter, die die Geduld aufbringen, sich all die Kritik anzuhören, die Du lieber an die Deutsche Bahn abgibst. Und jene Mitarbeiter, die mir gegenüber bereits gestanden haben, dass sie privat bereits aufs Auto umgestiegen sind, weil sie sich auf ihre eigenen Züge nicht mehr verlassen können. Und natürlich die Lokführer, die Tag für Tag alles dafür tun, damit eine sichere Beförderung gewährleistet werden kann. 

Du hast deine Ankündigung, für einen reibungslosen Ablauf zu sorgen, nicht erfüllt. Ich jedoch werde - wie sicher auch viele andere Fahrgäste - mein jetziges Versprechen an Dich ernst nehmen: Ich werde Dich nur noch benutzen, wenn kein Weg mehr an Dir vorbeiführt. 

Ich bitte um Dein Verständnis!

Gezeichnet, eine Pendlerin

Quelle: rosenheim24.de

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