Der SV Erlbach trifft in der Relegation auf Deisenhofen

Alte Bekannte duellieren sich auf Augenhöhe

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Mit der Partie in Rosenheim begann die jüngste Misere des SV Erlbach - endet sie ausgerechnet in der Relegation?

Erlbach - Der SV Erlbach schleppt eine unglaubliche psychologische Hypothek mit in die Relegation um den Klassenerhalt in der Bayernliga Süd. Nun geht es in der ersten Runde der Ausscheidungsspiele mit dem FC Deisenhofen gegen einen alten Rivalen aus der Landesliga. Die Schlüsselfrage hinsichtlich eines möglichen Ligaverbleibs wird sein, wie es Trainer Robert Berg und sein Team schaffen, die vielen Misserfolge der letzten Wochen zu verarbeiten.

Vier Spiele sind zu absolvieren, zwei Relegationsrunden zu überstehen, wenn man in der Bayernliga bleiben möchte. Verdammt hartes Brot, wenn man daher kommt, wo die Elf aus dem Holzland momentan herkommt.

Nach einem kurzen Zwischenhoch mit Siegen in Pipinsried und gegen das Spitzenteam aus Sonthofen geriet man wieder völlig aus dem Tritt. Mit der Pleite im Inn/Salzach-Duell in Rosenheim, als man sich vielleicht zu spät etwas zutraute, begann die Tristesse: In den sieben letzten Spielen der Saison gab es keinen einzigen Sieg. Sechs mal wurde verloren, nur ein einziges mageres Unentschieden steht zu Buche. Nichts zu holen also – weder gegen die großen Teams, noch gegen die Kleinen. Zu allem Überfluss gab es jüngst an diesem Wochenende in Kottern eine derbe Packung mit auf die Heimreise – 0:5 lautete das Endresultat am Samstag. Als hätte man nicht schon Sorgen genug.

Mehr Sorgen als der Negativtrend machen Berg fehlende Spieler

Erlbachs Trainer Robert Berg will zumindest die letzte hohe Niederlage nicht überbewerten: „Man muss sehen mit welcher Mannschaft wir in Kottern aufgelaufen sind. Angesichts der vielen Verletzten waren wir ohnehin schon dezimiert und konnten auch auf keinen Fall riskieren, dass noch irgendetwas passiert und uns für die Relegation weitere Spieler ausfallen. Da haben nur vier, fünf Spieler gespielt, die auch normal von Anfang spielen würden. Auch wenn die meistens unserer Rekonvaleszenten wohl erst wieder fürs Rückspiel verfügbar sein werden, wird am Mittwoch eine ganz andere Mannschaft auflaufen!“

Dass die Bilanz der Spiele zum Saisonende ernüchternd ist, sei nicht von der Hand zu weisen, so Berg. „Wir dürfen da in unserer momentanen Situation gar nicht zu sehr drüber nachdenken. Klar, werde ich auch ein bisschen daran arbeiten müssen, dass die Jungs das aus dem Kopf bekommen – aber wir werden in den Trainingseinheiten vor Mittwoch ganz normale Schwerpunkte setzen und uns auch taktisch noch einmal intensiv vorbereiten.“, meint der Coach. Grundsätzlich sieht er seine Elf aber mental stabil und vom Charakter her geradezu für eine Relegation „prädestiniert“.

Auch Gegner Deisenhofen trotz Platz Zwei nicht voller Euphorie

Hoffnungsschimmer könnte eventuell sein, dass man es zunächst mit einem Team zu tun bekommt, welches ebenfalls einen psychologischen Rückschlag wegstecken muss. Mit dem FC Deisenhofen aus Oberhaching vor den Toren von München wartet der Tabellenzweite der Landesliga Südost auf den SVE. Die von Peter Schmidt gecoachten Blauhemden müssen ihrerseits verkraften, überhaupt in dieser Relegation antreten zu müssen. Und den direkten Aufstieg in die Bayernliga aus den Händen gegeben zu haben.

Service:

Hatte man am drittletzten Spieltag den Dauerkonkurrenten vom FC Ismaning noch überraschend überholen können, patzte man am folgenden Wochenende, als man gegen den Sportbund Rosenheim auf heimischem Platz nur ein Unentschieden erreichen konnte, und musste die Ismaninger wieder passieren lassen. Auch am vergangenen Samstag war man nicht erfolgreicher – und verlor mit 0:1 beim FC Töging. Statt Feiern und Bayernligaaufstieg heißt es nun beschwerliche Relegation über viele Spiele und Duelle mit höherklassigen Mannschaften. Obwohl der große Erfolg zum Greifen nah war. Ob das den Blauhemden einen Knacks verpasst hat oder ob sie am Mittwoch gegen Erlbach mit frischem Elan auflaufen werden, ist schwer zu beurteilen.

Der FCD hat eine bärenstarke Landesligasaison gespielt

Was nicht schwer zu beurteilen ist, ist was für eine fabelhafte Saison der FCD – ganz im Gegensatz zu der Erlbachern – hingelegt hat. 23 Siege in 34 Begegnungen und 74 erreichte Punkte sind in dieser ausgeglichenen Landesliga ein fast schon sagenhaftes Resultat. Es hat sich eben nur mit Ismaning jemand gefunden, der noch erfolgreicher war. Und aufgrund von Kader und Investitionen eigentlich auch sein musste.

Deisenhofens Mittelfeld-Ass Martin Mayer.

Die Deisenhofener stehen für technisch versierten und offensivfreudigen Kombinationsfußball. Mutig ausgerichtet, von ihrer eigenen Spielidee mit Ballbesitz und hoher Verteidigung überzeugt, immer versuchend die komplette Breite des Spielfeldes auszunutzen und den besser postierten Mitspieler zu finden – so könnte man die Oberhachinger wohl am Besten beschreiben. Planlos nach vorne geschlagene Bälle sieht man von den Deisenhofenern eher selten. Prunkstück des Teams aus dem Münchner Vorort ist das Mittelfeld um Ausnahmekönner und FCD-Urgestein Martin Mayer. In der Spielfeldmitte zirkuliert der Ball bei den Blauhemden meist flott und oft sehenswert.

Stärken und Schwächen der Oberhachinger

Allerdings haben sie wie jede Elf natürlich auch das ein oder andere Manko: Läuft es nicht wie gewünscht, neigt das Team des Öfteren zu Ungeduld und damit verbundenen Fehlern in der Defensive. Das bringt die mutige Vorwärtsverteidigung in diesen Fällen eben auch mit sich. Ebenso fehlt ihnen vorne im Sturm ein richtiger Knipser. Nicht auszudenken, was die Truppe erreichen könnte, wenn sie auch noch einen hochkarätigen Goalgetter in ihren Reihen hätte, der Kiste um Kiste macht. Dann wäre sie auf ihrem Weg in die Bayernliga nach einer unglaublich starken Hinrunde wohl nicht aufzuhalten gewesen. Grundsätzlich lässt sich sagen, dass es dem Kader der Deisenhofener etwas an Breite fehlt. Personell stehen Schmidt nicht allzu viele Optionen zur Verfügung. Bei Verletzungspech oder Überbelastung gerät so auch dieses Landesliga-Spitzenteam an seine Grenzen. In den anstrengenden Relegationswochen sicherlich kein zu unterschätzender Faktor.

Zu knacken ist also auch dieser Gegner, gerade für ein höherklassiges Team. Wenn die Erlbacher allerdings zu lassen, dass die Offensivmaschinerie der Blauhemden ins laufen kommt – dann könnte für den SVE auch bereits in dieser ersten Relegationsrunde alles vorbei sein.

Im Holzland ist man zufrieden mit der Auslosung

Unzufrieden ist man in Erlbach mit dem ersten Gegner Deisenhofen allerdings nicht. „Der Vorteil ist, dass wir sie aus der gemeinsamen Zeit in der Landesliga ganz gut kennen und sich auch beide Kader nicht allzu sehr verändert haben. Wir wissen um ihre Stärken und wo sie, wie auch Ismaning oder Hallbergmoos, bereits Bayernliganiveau haben. Aber wir kennen eben auch ihre Schwächen. Wie sie unsere umgekehrt auch. Ich rechne daher mit einem Spiel auf Augenhöhe. Es wird eine verdammt enge Kiste am Mittwoch!“, so Berg.

Ein äußerst spielstarkes Team - die Blauhemden vom FC Deisenhofen.

Im Holzland sehen sie es also positiv, dass die Relegationsgruppe grundsätzlich aus relativ ausgeglichen starken Teams besteht. Auch wenn Mering ein wenig die Unbekannte und Landsberg sicher ein wenig favorisiert ist. Die bayrischen Schwaben sind ziemlich unverhofft noch in die Abstiegsrelegation gerutscht, obwohl sie bis nach dem Winter eher oben mitspielten, weil sie den Schalter einfach nicht mehr umlegen konnten. Ob ihnen das ausgerechnet in der Relegation gelingt, bleibt abzuwarten. Aber wo es ausgeglichen und alles möglich ist, sind auch die eigenen Chancen groß – so zumindest die Interpretation beim SVE.

Mit Glaube an die eigene Stärke und ohne fatale Fehler kann es für Erlbach klappen

„Wir hätten sicher auch einige Plätze weiter vorne mitspielen können in der Bayernliga. Wenn wir nicht diese riesige Bürde der ewig langen Relegation mit in den Saisonstart geschleppt hätten. Zusätzlich ein wenig mehr Cleverness und Konzentration und vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle ein Quentchen mehr Fortune – und wir stünden auch irgendwo um Rang Zehn herum. So müssen wir dieses Jahr froh sein, dass wir die Relegation überhaupt spielen dürfen. Aber der Leistungsunterschied zwischen uns und anderen ist nicht so groß, wie die Tabelle glauben macht. Wir wissen, was wir können und dass das Potential absolut vorhanden ist. Wir müssen es eben nur auch wieder umsetzten und dann zeigen, wenn es auf dem Feld gilt.“, erläutert Berg.

Der Erlbacher Übungsleiter, dessen persönliche Bilanz weder mit Kirchanschöring noch mit dem SVE sonderlich positiv ist, was Gastspiele in Deisenhofen angeht, ist trotzdem zuversichtlich das am Mittwoch alles anders wird. Oder zumindest werden kann. Denn in einem Punkt wird Berg klar und deutlich: “Was wir auf alle Fälle abstellen müssen, ist diese leichten und teilweise unerklärlichen Fehler zu machen, von denen wir diese Saison schon viel zu viele gemacht haben! Wir dürfen keine Geschenke mehr verteilen! Sonst sind wir gegen eine hochveranlagte Truppe wie die Deisenhofener, die das dankbar annehmen wird, verloren. Wenn wir dies jedoch vermeiden, ist alles offen. Wichtig ist, dass wir am Mittwoch ein Resultat holen, das uns für das Rückspiel, mit dann hoffentlich mehr zur Verfügung stehendem Personal, alles offen lässt. Dieses Ding geht über zwei Spiele. Und es wird eng – in beiden Spielen!“

Quelle: rosenheim24.de

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