Sechziger-Know-How in Ghana

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Christian Kaufmann mit seinem Team

Christan Kaufmann, Trainer vom TSV 1860 Rosenheim, ist für die Nachwuchsmannschaften U19 und U15 verantwortlich. Im Sommer diesen Jahres hat er sich einen Traum erfüllt und sein Fußballwissen nach Afrika gebracht.

Ich bin am Sonntag, den 12. Juli 15 frühmorgens in Accra angekommen und wurde von Maik, Kennedy und Carlo am Flughafen abgeholt. Nach langer anstrengender Reise hatte ich die Hoffnung, dass ich ein Frühstück bekomme, mich duschen kann und dann etwas ruhen könnte. Aber die Jungs hatten andere Pläne. Frühstück habe ich bekommen, wir sind dann aber direkt zu einem Sichtungsturnier, welches extra für uns organisiert wurde, gefahren. Verbunden damit war für mich der erste Kulturschock.

Ich war zwar vor über 20 Jahren schon mal in Afrika, habe da aber einfach Urlaub im Hotel gemacht. Nun war ich mitten im Leben, mitten unter den Menschen und durfte die Verhältnisse hautnah erleben. Und ich war direkt beeindruckt von den fußballerischen Fähigkeiten der Jungs zwischen 8 und 11 Jahren. In Deutschland war ich Stützpunkttrainer für den DFB und bin momentan hauptberuflich als Fußballtrainer im Jugendbereich tätig. Ich trainiere unter anderem Jungs im Alter von 14 und 15.

Technisch versierte Jungs

Aber die technischen Fähigkeiten der Jungs in Accra waren der Hammer. Wenn man dann auch noch berücksichtigt, dass dort auf Staubwüsten, auf denen dicke Steine liegen, Wasserrinnen durch den Platz laufen und die Jungs teilweise barfuß dort spielen, dann ist die Leistung der Jungs noch höher einzuordnen. Es war für mich an diesem heißen Tag ein sehr beeindruckendes Erlebnis, an solch einem Turnier als Sichter teilzunehmen.

Am Nachmittag ging es dann endlich in die Akademie, die außerhalb von Accra in der Nähe des Ortes Prampram liegt. Dort traf ich dann auch das erste Mal auf die Jungs, die mich sehr herzlich und respektvoll empfangen haben. Die Akademie ist für dortige Verhältnisse gut eingerichtet und die Jungs bekommen täglich drei Mal Essen, was vor Ort nicht selbstverständlich ist.

Begeisterung und Lernwilligkeit

Dies alles ist natürlich nur durch Spenden und Patenschaften für die Jungs möglich. Es wurde aber auf jeden Fall schon ein sehr guter Level an Unterkunft und Verpflegung geschaffen. Darüber hinaus sind die Jungs auch alle in der benachbarten Schule angemeldet, womit gewährleistet ist, dass sie auf jeden Fall eine Schulbildung erhalten.

Der in der Akademie angestellte Trainer und Direktor Kennedy kümmert sich rührend um die Jungs und lebt mit auf dem Grundstück. Er wird dabei von seinem jungen Co-Trainer Jacob unterstützt. Jacob ist ein kleines Organisationstalent und ist immer zur Hand, wenn er gebraucht wird. Die Jungs bekommen zwei Mal am Tag ein Training. Morgens, bereits um halb sechs beginnt der Tag mit Frühstück, sauber machen und Training. Danach geht es in die Schule, die gegen 14 Uhr zu Ende ist. Um 15.30 Uhr gibt es dann das nächste Training.

Schulbildung kommt nicht zu kurz

Ich habe während meiner Zeit dort mehrere Nachmittagstrainings geleitet und bin noch immer beeindruckt, mit welcher Begeisterung, mit welcher Lernwilligkeit und Lernbereitschaft die Jungs bei der Sache sind. Die meisten von ihnen sehen die Chance, über den Fußball ein besseres Leben zu erlangen. Sollte es mit dem Fußball nicht gelingen, haben sie auf jeden Fall eine vernünftige Schulbildung erhalten, worauf sie dann aufbauen können.

Man spürt auch in jedem Moment in der Akademie, dass die Jungs dankbar für diese Chance sind. Denn die 19 Jungs, die im Moment in der Akademie leben, sind aus über 1000 Jungs aus ganz Ghana ausgesucht worden. Daher ist das fußballerische Niveau wie gesagt auch sehr hoch. Die grundsätzliche Idee, die hinter dieser Akademie aber steckt ist, dass jedem einzelnen Jungen eine Möglichkeit geboten werden soll, aus seinen armen Verhältnissen heraus zu kommen. Die Jungs kommen ausschließlich aus armen Familien, die in den Slums von Accra oder anderen armen Gebieten Ghanas, mit meist einer Vielzahl von Geschwistern leben.

Trommelparty zum Abschied

Natürlich müssen sie einiges dafür tun, aber wenn sie selbst erleben, dass sie eine Chance erhalten und etwas dafür tun können, dann wächst auch das notwendige Selbstvertrauen dafür. Und genau das spürt man bei jedem Einzelnen der Jungs. Und ich spürte große Dankbarkeit dafür, dass ich da bin und ihnen Tipps für den Fußball und fürs Leben geben konnte. Am letzten Tag haben sie extra für mich eine spontane Trommelparty mit einheimischen Gesängen organisiert. Es war sehr bewegend für mich, als sie michdann kurz vor meiner Abreise nochmal alle umarmen wollten.

Ich durfte erleben, wie wichtig und sinnvoll dieses Projekt ist und meine Überzeugung ist immens gestiegen, dass ich mit meiner Patenschaft genau an der richtigen Stelle bin. Ich werde auch weiterhin so gut wie möglich unterstützen. Damit auch noch mehr Jungs in einem geplanten, zweiten Haus aufgenommen werden können, sind dringend weitere Spenden und Patenschaften notwendig. Eswäre toll, wenn sich noch viel mehr Menschen an solchen Projekten beteiligen, denn dann würden vor Ort Verhältnisse geschaffen werden, die Flüchtlingsströme, wie sie im Moment in der Welt unterwegs sind, nicht nötig sein.

Wenn ihr auch Pate werden wollt und ein Kind unterstützen möchtet, dann meldet euch bitte bei uns (maik.moenninghoff@ghana-angel.de). Wir suchen noch Paten für weitere Kinder!

(Pressemitteilung TSV 1860 Rosenheim)

Quelle: rosenheim24.de

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