Start in die WM-Saison

Löw will "unbedingten Willen" zum Titel

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Bundestrainer Joachim Löw hat den "unbedingten Willen" aller Beteiligten zum Erreichen des WM-Titels in Brasilien eingefordert

Mainz - Auf dem Weg nach Brasilien erwartet Bundestrainer Löw noch mehr Engagement und Wille. Sonst kann der große Coup am Zuckerhut nicht gelingen.

Joachim Löw hat seinen Titeljägern gleich zum Start in die WM-Saison das Motto für den langen Weg zum Traumziel Maracanã diktiert. „Das Niveau bei der WM wird hoch sein. Viele wollen den Titel. Aber unsere Chancen stehen gut. Wir haben die Klasse und alle Chancen, aber die Spitze ist eng beieinander“, sagte der Bundestrainer vor dem Testländerspiel zum Saisonauftakt der deutschen Fußball-Nationalmannschaft gegen Paraguay am Mittwoch (20.45 Uhr/ZDF) in Kaiserslautern.

Schon der erste Schritt der Nationalspieler um Kapitän Philipp Lahm Richtung Brasilien 2014 sollte am Montag Symbolkraft haben. Für eine der seltenen öffentlichen Trainingseinheiten der DFB-Stars im Mainzer Bundesligastadion sicherten sich fast 24 000 Fans die Gratiskarten. Allen ist klar: Nur mit einem großen Schulterschluss ist der WM-Pokal in 335 Tagen im Fußball-Heiligtum Maracanã von Rio de Janeiro zu gewinnen.

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

Die Eckdaten der Bundestrainer-Ära Jogi Löw

Viel Zeit für Schnupperkurse hat Löw aber nicht. Vor seiner schwersten und womöglich letzten Titelmission muss der DFB-Chefcoach seine hoffnungsvolle Auswahl nicht nur sportlich vorbereiten, sondern auch Lektionen in brasilianischer Mentalität und Landeskunde vermitteln. „Es wird eine WM des unbedingten Willens, der Einstellung und der Anpassung. Man kann da nicht eben seine eigenen Vorstellungen verwirklichen und glauben, es läuft alles so ab wie in Deutschland“, sagte Löw angesichts extremen Klimas und komplizierter Logistik im WM-Gastgeberland dem „Kicker“.

Nicht umsonst hat der Bundestrainer - im Gegensatz zu früheren Jahren - gleich zum ungeliebten August-Termin seine bestmögliche Auswahl nominiert, inklusive der nun sieben Auslandsprofis aus England, Spanien und Italien. Auch die für die Startelf gesetzten Sami Khedira, Mesut Özil und Miroslav Klose stecken bei Real Madrid und Lazio Rom noch mitten in der Saisonvorbereitung. Ihr Leistungsstand ist vor dem Duell gegen den Tabellenletzten der WM-Qualifikation in Südamerika „schwer einzuschätzen“, gibt der Bundestrainer zu.

Aus dem derzeit absehbaren WM-Kader fehlen gegen Paraguay nur die Münchner Bastian Schweinsteiger, Mario Götze und Toni Kroos und der beim Bundesliga-Auftakt an der Achillessehne verletzte Schalker Julian Draxler beim Beginn des WM-Countdowns. Schweinsteiger und Götze sollen nach Absprache von Löw und Bayern-Trainer Pep Guardiola ihre körperlichen Defizite nach den Sommer-Verletzungen in heimischer Umgebung aufholen. Kroos freut sich auf die Geburt seines Kindes und darf daher mit „vollstem Verständnis“ des Bundestrainers bei seiner hochschwangeren Frau bleiben.

Fußball-Samba am Zuckerhut - die Vorbereitungen auf die WM 2014 in Brasilien laufen

Fußball-Samba am Zuckerhut - die Vorbereitungen auf die WM 2014 in Brasilien laufen

Der harte Wettkampf um die 23 Plätze im WM-Kader hat schon begonnen. „Wir haben eine Situation, die für mich als Trainer wünschenswert ist. Wir haben eine große Breite“, sagte Löw. Gleichzeitig erwartet er von vielen seiner Akteure vor dem Kraftakt am Zuckerhut aber noch eine Leistungsexplosion. „Da müssen einige Spieler, die am Beginn ihrer Karriere stehen, noch einige Schritte machen. Es gibt mehr Talente als noch vor einigen Jahren. Aber nicht alle Talente haben den Sprung in die Weltklasse geschafft. Es geht bei einem Turnier um das höchste Niveau, da messen sich die Besten.“

Dass Auftaktgegner Paraguay nach einer missratenen Quali-Runde bei der WM nicht dabei sein wird, ist für Löw kein maßgebliches Kriterium. Die Albirroja um den Ex-Münchner Roque Santa Cruz und den neuen Nationaltrainer Victor Genes ist für den Bundestrainer eine Blaupause südamerikanischer Fußballkultur, die es zu verinnerlichen gilt. „Es ist keine Aufwärmübung, sondern ein ernsthafter Test“, sagte Löw.

Ernsthaftigkeit ist eine Leitvokabel für Löw auf dem Weg zur WM. Mit einem Zusatz-Lehrgang im Winter will der 53-Jährige weiter an der Titeltauglichkeit arbeiten. An der erfolgreichen Direkt-Qualifikation gibt es schon vor den vielleicht entscheidenden September-Spielen gegen Österreich (6.9.) und die Färöer (10.9.) als souveräner Tabellenführer der Gruppe C ohnehin keinen Zweifel mehr.

Die Erfolge der vergangenen Spielzeit vor allem für die Auswahlspieler des FC Bayern und Borussia Dortmund sind längst abgehakt. „Ich habe mich darüber gefreut. Aber die entscheidende Saison für uns ist diese“, sagte der Bundestrainer. „Die Saison vor einem großen Turnier ist immer etwas ganz Besonderes“, ergänzte Löw noch vor dem Treffpunkt seines 20-köpfigen Aufgebots. „Deshalb wird Richtung 2014 in Brasilien auch wichtig, wie Mannschaften wie Bayern und Dortmund diese Saison abschneiden. Was 2013 bis Juni war, gerät in den Hintergrund.“

Voraussichtliche Aufstellung:

Neuer - Lahm, Mertesacker, Hummels, Schmelzer - Khedira, Lars Bender - Müller, Özil, Reus - Klose

dpa

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