Auf dem Platz kein Unterschied

Löws Anruf und Ginters Glück

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Matthias Ginter.

Berlin - Nach dem Anruf des Bundestrainer machte Matthias Ginter einfach sein Mobiltelefon aus. Erst wollte er endlich wieder mit dem SC Freiburg auswärts punkten.

Eigentlich verlangte das blasse 0:0 des SC Freiburg bei Hertha BSC nicht nach großen Erklärungen. Dennoch musste sich Matthias Ginter in den Katakomben des Olympiastadions einem Frage-Marathon stellen, der ihm so bisher unbekannt war. Ein Anruf von Joachim Löw hatte auf einen Schlag alle Aufmerksamkeit auf den 20-jährigen Verteidiger der Breisgauer gelenkt. Erstmals ist Ginter beim Länderspiel am Mittwoch gegen Chile im Elitekreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft dabei. „Ich habe mein Handy dann ausgeschaltet. Ich wollte den Fokus auf das Spiel in Berlin behalten, das war nicht so einfach“, berichtete der designierte Neu-Nationalspieler von den Stunden nach der Nominierung.

Nach dem Punktgewinn am 23. Bundesliga-Spieltag in Berlin, den Ginter mit 73 Prozent seiner gewonnenen Zweikämpfe mit erkämpft hatte, konnte und wollte er aber über seine Gefühle sprechen. „Das ist einfach eine Riesensache. Joachim Löw hat direkt bei mir angerufen, ich habe mich sehr gefreut“, berichtete der Glückliche. Zuvor hatte Ginter Bundesliga-Toptorjäger Adrian Ramos an die Kette gelegt, der Kolumbianer fiel vor 37 920 Zuschauern nur durch zwei gefährliche, aber erfolglose Schüsse in der Schlussphase auf. Vor allem in den Luftduellen zeigte der 1,90 Meter große Freiburger seine Qualitäten. „Auf dem Platz macht es keinen großen Unterschied“, berichtete er über seinen ersten Einsatz als Löw-Schützling.

„Er hat eine gute Körperlichkeit, ist kopfballstark, technisch stark. Er hat viele Dinge, die ihn schon mit 20 Jahren dazu legitimieren, für die Nationalmannschaft berufen zu werden“, sagte SC-Coach Christian Streich zu Ginter. Als 14-Jähriger war der Defensivspezialist nach Freiburg gekommen, hatte dann alle Altersklassen des Sportclubs und - von der U 18 an - auch der DFB-Nachwuchsteams durchlaufen. „Das ist eine gute Geschichte für den SC Freiburg“, bemerkte Streich und wertete die Einladung Ginters auch als Erfolg für die intensive und gute Nachwuchsarbeit des derzeitigen Tabellen-Vorletzen: „Er ist jetzt sozusagen das Sinnbild dafür.“

Mit Streich hatte der Bundestrainer ebenfalls telefoniert. „Wir kennen uns ja lange. Ich durfte mit Jogi beim SC Freiburg noch zusammenspielen“, erzählte Ginters Clubcoach. Die spezielle Situation in Freiburg hätte mit dazu beigetragen, dass sich das Talent so entwickeln konnte, dass es nun schon für Löws Ansprüche reicht. „Sicher ist es ein Vorteil in Freiburg, dass er nicht so extrem unter Druck steht, wie das bei anderen Vereinen ist“, sagte Streich: „Er hatte das Glück, schon mit 18 in der Bundesliga zu spielen.“ Und hier könnten sich junge Leute auch mal ein paar Fehler erlauben, ohne gleich wieder raus zu sein, machte Streich deutlich.

dpa

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