"Jeder Gegner muss sich nach uns richten"

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Torwartlegende Sepp Maier wurde 1974 mit Deutschland im eigenen Land Weltmeister.
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Wasserburg - Torwartlegende Sepp Maier war selbst viele Male bei einer WM dabei. Im Gespräch mit wasserburg24.de erklärt er, wie er die WM in Brasilien und Deutschlands Chancen einschätzt.

Nach wie vor ist Sepp Maier ein begehrter Experte rund um den Fußball! Auch uns hat er so manche Frage auf besonders ehrliche Art und Weise beantwortet.

wasserburg24.de: Herr Maier, Sie haben lange Jahre diese WM-Atmosphäre selbst schnuppern dürfen, wie empfinden die WM-Spieler aus Deutschland so eine Veranstaltung? Überwiegt die Konzentration oder saugt man das Flair hautnah auf und genießt die Stimmung der Fans?

Sepp Maier: Ich habe acht Weltmeisterschaften live miterlebt. Jeweils vier habe ich als Spieler und Trainer mitgemacht. Für die Spieler ist es das größte Ereignis in ihre Laufbahn bei einer WM dabei zu sein zu dürfen und sich mit den besten der Welt zu messen. Wenn man sich Flair und die Stimmung reinsaugen würde, kann man gleich als WM-Tourist mitfahren und sich unter die Fans mischen.

wasserburg24.de: Wie viel bekommt man vom Gastgeberland mit?

Sepp Maier: Man bekommt wenig vom Lande mit, Flughafen, Stadien, Trainingsgelände, die Stimmung in den Stadien. Aber das reicht meistens auch schon.

wasserburg24.de: Probiert man das landestypische Essen dort auch einmal als aktiver Spieler?

Sepp Maier: Es ist immer eine eigene Kochabteilung aus Deutschland dabei, um Montezumas Rache (z. B. Durchfall) zu entgehen.

wasserburg24.de: Wird heimisch-deutsch gegessen, um auf Nummer sicher zu gehen?

Sepp Maier: Es wird kalorienreich gegessen, wo es herkommt ist egal, ob deutsch, italienisch, französisch oder brasilianisch.

wasserburg24.de: Wie sehr stören die Familien/Spielerfrauen den sportlichen Charakter?

Sepp Maier: Die stören überhaupt nicht. Die Spielerfrauen, die mitgereist sind, werden zu passenden Anlässen ins Mannschaftsquartier eingeladen.

wasserburg24.de: Wie schätzen Sie die momentane Energie der deutschen Mannschaft ein?

Sepp Maier: Ich kann die Energie der Mannschaft nicht einschätzen, da ich ca. 8000 km davon entfernt bin.

wasserburg24.de: Wo sehen Sie die Unterschiede zu früheren WM-Spielen? Was hat sich grundlegend verändert?

Sepp Maier: Das kann man mit meiner Zeit nicht mehr vergleichen. Die WM ist perfekt organisiert, die Spiele werden immer schneller und athletischer, sind technisch und körperlich in einem Topzustand. Fazit: Es hat sich eigentlich alles zum Besten geändert - für die Spieler, Organisatoren, besonders für die FIFA mit dem Milliardenumsatz. Nur für Brasilien wird sich nichts ändern, außer dass ihre Mannschaft vielleicht Weltmeister wird. Aber sollen sie doch, allerdings nur über Deutschland.

wasserburg24.de: Wie wird sich Deutschland durch die Vorrunde kämpfen, wie schätzen Sie die Situation der vermeintlichen Gegner ein?

Sepp Maier: Um Weltmeister zu werden, braucht man die Gegner nicht einzuschätzen. Jede Mannschaft, die gegen uns spielt, muss sich nach uns richten. Das ist die richtige Einschätzung des Gegners.

wasserburg24.de: Ihre Vorrunden-Ergebnis-Tipps für die drei Deutschlandspiele?

Sepp Maier: Meine Tipps sind: Portugal - Deutschland 0:0, Ghana - Deutschland 0:3 und USA - Deutschland 0:5

wasserburg24.de: Das offiziell emotionalste Spiel könnte ja die Partie Deutschland gegen USA sein. Wie sehen Sie dieses Aufeinandertreffen menschlich?

Sepp Maier: Ich bin überzeugt davon, dass es für Deutschland nicht mehr entscheidend sein wird. Wir sind schon durch. Was zwischen den beiden Trainern abläuft, interessiert die Spieler am wenigsten.

wasserburg24.de: Wie glauben Sie, dass Jogi Löw und Jürgen Klinsmann sich begegnen werden?

Sepp Maier: Jogi Löw im weißen Hemd und Seidenschal um den Hals, Jürgen mit USA-Trainingsanzug und Turnschuhen mit den 3 "Strapse" drauf.

wasserburg24.de: Wer wird Ihrer Meinung nach die besten Chancen auf den WM-Titel haben?

Sepp Maier: Es kommen für mich sechs Mannschaften in Frage, die Weltmeister werden können. Da ist unsere Mannschaft natürlich auch dabei“.

wasserburg24.de: Welcher Betreuer (Physiotherapeut, eigener Koch, Arzt) ist der Wichtigste im Hintergrund des Spieleralltags?

Sepp Maier: Es ist nicht nur die Mannschaft, die Erfolge hat, sondern mindestens 50 Prozent gehört denen, die im Hintergrund die Fäden ziehen. Es ist ein enormer Stab, der zusammenarbeiten muss, um eine erfolgreiche WM hin bis zum Endspiel abzuschließen. Da ist das Glück und Pech nicht eingerechnet.

wasserburg24.de: Haben Sie Fanartikel oder sehen Sie diesen Wahn des Fanartikel-Kaufs kritisch?

Sepp Maier: Ich habe noch nie Fanartikel besessen, ich war nie ein Fan, sondern ein wichtiger Posten in einer Mannschaft. Aber ich habe auch nichts dagegen, wenn sich Leute, wie am Faschingsdienstag, verkleiden und Ihre Mannschaft oder Nation unterstützen, um Siege oder die WM gewinnen wollen.

wasserburg24.de: Wie wichtig ist der Torwart bei den WM-Spielen?

Sepp Maier: Der Torhüter hat eine der Schlüsselposition, um Titel zu gewinnen. Damit hat Deutschland noch nie Probleme gehabt, wir hatten immer Weltklasse-Torhüter bei solchen Turnieren. Das ist auch in Brasilien so. Manuel Neuer wird die ausgezeichnete Generation der Torhüter fortsetzen.

wasserburg24.de: Wo werden Sie die WM 2014 anschauen und wie sehr interessiert Sie aktuell das Fußballgeschehen?

Sepp Maier: Ich bleibe während der WM meist Zuhause und werde mir die DFB-Spiele mit großem Interesse anschauen. Fußball war mein Leben, aber es muss nach fast 50 Jahren Fußballgeschäft auch noch andere Interessen geben. Und die habe ich noch immer (Bergwandern in Südtirol, Golfen in Ebersberg, Reisen, Anm. d. Red.).

wasserburg24.de: Wo war Ihr schönstes WM-Erlebnis? Wer waren die besten Gastgeber als WM-Land?

Sepp Maier: Die Weltmeister 1974 in München mit sechs Spielern des FC Bayern im eigenen Olympiastadion war absolut traumhaft. Als besonders gute Gastgeber haben sich Mexiko 1970 und Italien 1990 erwiesen.

wasserburg24.de: Sind wir Deutschen "gute" Fans?

Sepp Maier: Wir haben sehr gute Fans, die belohnt werden müssen.

wasserburg24.de: Wie anstrengend ist es für einen Schiedsrichter, so wichtige Spiele zu pfeifen und wie stehen Sie zum Thema technische Hilfsmittel - zum Beispiel bei der Torerkennung?

Sepp Maier: Die Schiedsrichter haben das schwerste Amt bei einem Spiel. Man sollte sie Unterstützen - auch mit Videoaufzeichnungen, Torkamera usw. Es geht ja mittlerweile bei manchen Spielen um die Existenz des Vereins und des Spielers.

Quelle: rosenheim24.de

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