Diskussion über Komplett-Startverbot

IOC-Ticker: "Saubere" Russen dürfen zu Olympia 2016

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Im IOC-Hauptquartier in Lausanne tagten heute die olympischen Spitzenfunktionäre.

München/Lausanne - Das IOC hat getagt, um über weitere Maßnahmen im Dopingkampf und damit verbunden die Teilnahme von Athleten an Olympia 2016 zu beraten. Auflagen gibt es für Russland und Kenia. Alle Infos hier im News-Ticker!

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+++ Russland hat in einer ersten Reaktion die Entscheidung des IOC begrüßt, dass nachweislich saubere Leichtathleten bei den Olympischen Spielen in Rio unter ihrer Landesflagge starten dürfen. „Russland ist für eine Teilnahme sauberer Athleten bereit, alle Bedingungen des Internationalen Olympischen Komitees einzuhalten. Wir werden alles machen, was das IOC uns sagt“, meinte Sportminister Witali Mutko der Agentur Tass zufolge am Dienstag in Moskau.

Moskaus NOK-Chef Alexander Schukow bekräftigte, dass Russland die Olympischen Spiele im August in Rio de Janeiro nicht boykottieren werde. Unter dem Titel „Was habe ich damit zu tun?“ wandten sich unterdessen saubere russische Sportler in einem Video gegen eine Sperre für Olympia 2016.

+++ Nachweislich saubere russische Leichtathleten dürfen bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro unter ihrer Landesflagge starten. Dies teilte das Internationale Olympische Komitee (IOC) am Dienstag in Lausanne mit. Damit erlauben sie den Athleten Russlands, die wegen schwerer Doping-Vergehen durch den Weltverband IAAF aktuell suspendiert sind, die Teilnahme. Allerdings nur unter besonderen Auflagen. Sie müssen außerhalb des nicht funktionierenden Anti-Doping-Systems ihres Landes getestet worden sein oder werden. Der Beschluss bedeutet eine Brüskierung des Leichtathletik-Weltverbandes. Die IAAF hatte am vergangenen Freitag beim Ausschluss der russischen Leichtathletik von den Spielen in Brasilien wegen systematischen Dopings auch entschieden, dass russische Athleten "nachweislich ohne Verbindung zum System" mit einer Ausnahmegenehmigung in Rio unter neutraler Flagge starten dürfen.

+++ Sportler aus Russland und Kenia benötigen für ihre Teilnahme an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro (5. bis 21. August) die Freigabe durch die internationalen Fachverbände ihrer Sportarten. Das gab IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag nach dem Olympischen Gipfel in Lausanne als Konsequenz aus den festgestellten Mängeln beider Länder bei der Dopingbekämpfung bekannt. Zu den Kriterien gehören Dopingtests durch anerkannte und bestätigte Institutionen außerhalb der beiden Staaten. "Es bestehen ernsthafte Zweifel an der Unschuldsvermutung zugunsten russischer und kenianischer Athleten", sagte Bach.

+++ Das IOC und seine Mitgliedsorganisationen haben sich noch einmal hinter die Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF gestellt, russische Leichtathleten weiterhin zu sperren und damit von den Olympischen Spielen in Rio auszuschließen. Das teilte IOC-Chef Thomas Bach am Dienstag nach einem Spitzentreffen des Internationalen Olympischen Komitees in Lausanne mit.

Zudem wurden auf dem sogenannten Summit die Sportverbände aufgefordert, gegen in Doping-Fälle verwickelte Trainer, Offizielle und Ärzte vorzugehen wie gegen betroffene Sportler.

+++ Russlands Leichtathleten wollen gegen die Sperre bei den Olympischen Spielen juristisch vorgehen und Einspruch beim Internationalen Sportgerichtshof einlegen. Der Einspruch werde im Namen aller Athleten eingereicht, die noch nie gegen die Anti-Doping-Regeln verstoßen hätten, sagte der Chef des russischen Olympia-Komitees, Alexander Schukow, am Dienstag.

Der russische Leichtathletikverband werde die Interessen und Rechte aller Athleten schützen, die unschuldig seien und keine verbotenen Substanzen eingenommen hätten, sagte Schukow. Er hoffe, dass das Sportgericht eine objektive, faire und gerechte Entscheidung treffe.

+++ Das russische Parlament hat das drohende Startverbot für alle russische Sportler bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro als Verstoß gegen die Menschenrechte verurteilt. Eine solche Entscheidung würde Streit und Misstrauen säen, kritisierte die Staatsduma in einer Erklärung am Dienstag in Moskau. Das Parlament hoffe auf eine objektive Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), meldete die Agentur Interfax.

+++ Das IOC-Spitzentreffen zur Beratung über weitere Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf hat am Dienstag in Lausanne begonnen. „Wir wollen die Anstrengungen zum Schutz der sauberen Athleten koordinieren und den Anti-Doping-Kampf vor den Olympischen Spielen in Rio stärken“, sagte Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees. „Wir werden eine interessante Debatte haben.“

+++ Neben dem Komplett-Ausschluss Russlands müssen auch Kenia, Spanien und Mexico um die Teilnahme ihrer Athleten bei den Olympischen Sommerspielen bangen. Alle wichtigen Fragen und Antworten haben wir hier in einer Übersicht zusammen gestellt.

+++ Richard Pound, der frühere Präsident der Welt-Anti-Doping-Agentur, hält einen kompletten Ausschluss Russlands von Olympia 2016 für „nicht unmöglich“ und auch der heutige WADA-Chef Craig Reedie bereitet sich auf den „Präzedenzfall“ vor. Der Tenor auf dem WADA-Symposium am Montag in London war klar: Die Dopingkultur in Russland hat sich nicht geändert.

+++ Nach der Olympia-Sperre gegen die russischen Leichtathleten hat Stabhochsprung-Weltrekordlerin Jelena Issinbajewa die Entscheidungsträger im Weltverband IAAF als "Scheißkerle" beschimpft. "Ich habe keinen Respekt vor diesen Mitgliedern (des IAAF-Councils, d. Red.), sie sind echte Scheißkerle, was soll ich sagen", sagte Issinbajewa am Rande der russischen Meisterschaften in Tscheboksary, wo sie ihr Comeback nach einer Babypause gab.

Ein Start unter Olympischer Flagge, den die IAAF russischen Sportlern in Aussicht gestellt hat, die nicht unter dem Einfluss der einheimischen Anti-Doping-Organisation standen, lehnt Issinbajewa kategorisch ab: "Ich bin Russin, ich habe ein Land, ich habe eine Flagge." Ohnehin würde Issinbajewa nicht unter die Ausnahmeregelung fallen.

+++ Für den neuen Generaldirektor der Weltdopingagentur (WADA), Olivier Niggli, ist klar: Sollte es vom Staat organisiertes Doping in Russland gegeben haben, bedarf es einer „starken Entscheidung“. Im Kampf gegen Betrüger setzt die WADA zukünftig verstärkt auf investigative Ermittlungen.

Vorbericht

Die olympischen Spitzenfunktionäre werden unter der Leitung von IOC-Präsident Thomas Bach am Dienstag in Lausanne über weitere Maßnahmen im Anti-Doping-Kampf und Konsequenzen nach den Betrugs-Skandalen vor allem in Russland beraten. Knapp 50 Tage vor den Spielen in Rio de Janeiro wird bei dem sogenannten Summit des Internationalen Olympischen Komitees über den Konflikt zwischen kollektiven Strafen für Länder und den individuellen Rechten von Athleten bei der Zulassung zu den Rio-Spielen gesprochen.

Nach der Verlängerung der Suspendierung der russischen Leichtathleten und das damit verbundene Olympia-Aus durch den Weltverband IAAF muss nicht nur Russland einen kompletten Ausschluss von dem Sportspektakel in Brasilien fürchten. Auch Kenia, Mexiko und Spanien, deren Anti-Doping-Systeme von der Welt-Anti-Doping-Agentur als nicht regelkonform erklärt wurden, droht eine Nichtteilnahme in Brasilien.

IAAF-Urteil: Russische Leichtathleten dürfen nicht bei Olympia 2016 starten

Das IOC kündigte nach dem IAAF-Urteil „weitere weitreichende Maßnahmen“ an, um die Chancengleichheit bei den Rio-Spielen zu gewährleisten. Anfang Juni hatte das Exekutivkomitee des IOC im Kampf gegen den Sportbetrug einen Fünf-Punkte-Plan verabschiedet, der auch eine Verdopplung des Etats von 250.000 auf 500.000 Dollar für Kontrollen außerhalb von Wettkämpfen beinhaltete.

Besonders für den russischen Sport sieht es mit dem Start am Zuckerhut immer schlechter aus. Inzwischen sind auch Vorwürfe zu Doping-Vergehen bei Russlands Schwimmern laut geworden. Außerdem untersucht die Welt-Anti-Doping-Agentur Anschuldigungen, ob im Kontrolllabor bei den Winterspielen 2014 in Sotschi tatsächlich positive Proben von russischen Sportlern ausgetauscht und vertuscht wurden. Der frühere WADA-Präsident Richard Pound hält einen Ausschluss der Sportmacht für denkbar, nennt ihn aber eine „nukleare Option“.

Die größten Doping-Skandale der Sportgeschichte

Möglicherweise kommen noch andere Sportarten und Länder in die Bredouille. Zum Beispiel Gewichtheben: Bei den Nachtests der Spiele 2008 in Peking und 2012 in London waren unter den insgesamt 55 positiven Proben allein 20 von Gewichthebern. Der Weltverband IWF selbst hat die Bulgaren bereits komplett von Olympia in Rio verbannt.

Gesprächsthema wird beim IOC-Gipfel auch sein, ob Athleten, die nicht nur auf Grundlage von mehreren negativen Kontrollen nachweisen können, sauber zu sein, unter der Olympischen Flagge starten dürfen. Ein entsprechende Hintertür für russische Leichtathleten war in der IAAF-Entscheidung enthalten.

dh mit Material von sid/dpa/AFP

Olympia 2016: Alle Infos zu den Wettkämpfen, Zeitplan, Sendeplan und Themenseite

Hier finden Sie alle Informationen zu den Wettkämpfen in Rio de Janeiro 2016 im Überblick und erfahren in unserem Sendeplan, wann welche Disziplin live im TV und im Stream zu sehen ist. Wir haben für Sie zusammengestellt, welche neuen Disziplinen es bei den Olympischen Spielen gibt und warum die Fußball-Mannschaft statt des DFB-Logos den Bundesadler auf den Trikots trägt. Wie Sie noch an Tickets für Olympia 2016 kommen können, erfahren Sie hier. Damit Sie immer besten informiert sind: Alle Infos und News rund um die Olympischen Sommerspiele 2016 in Rio de Janeiro bekommen Sie auf unserer Themenseite zu Olympia 2016.

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