Eisschnelllauf in der Max Aicher Arena

Sommereis: Fetzige Musik und Top Sportler

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Inzell - Eis im Sommer, das passt normalerweise nicht zusammen. Dass das aber doch sehr gut geht, zeigt das alljährliche Sommereis in der Max Aicher Arena.

Drei Wochen Sommereis hat es in der Inzeller Max Aicher Arena auch in diesem Jahr geheißen. Eine gute Gelegenheit, für die besten europäischen Kufenflitzer den Kontakt zum glatten Untergrund schon weit im Vorfeld der Wintersaison herzustellen. Auch die deutschen Eisschnellläufer haben die Gelegenheit genutzt, sich in Inzell auf die Saison fit-zumachen. Begleitet sind die Sportler bei ihren Runden auf der 400-Meterbahn von fetziger Musik geworden. Da dürfte auch gelegentlich „Atemlos“ von Helene Fischer gelaufen sein. Eine besondere Motivation für die Berlinerin Bente Kraus. Die 26-jährige ist bekennender „Helene-Fischer-Fan“ und in Sachen „Atemlos“ kann die Langstrecken-Spezialistin durchaus mitreden. Schließlich ist man nach einem 3000- oder 5000 Meter-lauf kurzzeitig etwas „Atemlos“.„Inzell ist einfach ideal, wir können Radfahren und in der Halle unsere Runden drehen. Nur wegen der Temperaturunterschiede müssen wir aufpassen, dass wir uns keine Erkältung holen“, sagt Bente Kraus.

Kampfansage an Pechstein

Zuletzt hat sie mit einer Kampfansage an Claudia Pechstein für Aufsehen gesorgt, „Sie ist das Maß aller Dinge und sie wird auch 2018 bei Olympia noch Weltklasse sein. Davon bin ich überzeugt. Aber ich kann doch gar nicht anders sagen als: Claudi, ich will dich auf den Weg nach Südkorea angreifen.“  Beim Rennen um die deutsche Meisterschaft im Massenstart ist ihr das Vorhaben noch nicht geglückt. Pechstein holte sich den Sieg, Kraus ist dritte geworden. Immerhin muss die 26-jährige noch einige Trainingseinheiten aus dem Frühjahr wegen Verpflichtungen bei der Bundeswehr nachholen. Bei der Leistungsdiagnostik zuletzt hat sich gezeigt, dass das was sie gemacht hat, effizient gewesen ist. „Ich stehe nicht schlechter da, als im vergangenen Sommer“, freut sie sich. Diesen Sommer will sie einiges testen und Risiko gehen, was im Winter nicht geht. Die vergangene Weltcup-Saison ist ihre bisher stabilste gewesen. Highlight war der sechste Rang über 3.000 Meter bei der Weltmeisterschaft. „Da hat nicht nur der Platz, sondern auch die Zeit gestimmt.“ Nach diesem Erfolg will Bente Kraus mehr, vor allem in Hinblick auf Olympia 2018. „Das große Ziel ist, mich Jahr für Jahr näher an das Podest heranzupirschen. Vielleicht erwische ich ja schon zuvor einen Tag, das Podest zu erreichen.“ Schritt für Schritt will sie gehen und auf keinen Fall mehr schlechter als auf Platz sechs zulaufen.

Wenn der Tag X kommt muss man da sein

Bente Kraus weiß, dass die Konkurrenz im Langstreckenbereich sehr groß ist. „Große Namen stehen noch vor mir. Da ist noch einiges aufzuholen, aber vielleicht kann ich demnächst auch einen Fingerzeig geben, dass man sagt >Ich bin da<". Im Gespräch mit der Sportlerin wird klar, dass sich alles um die Spiele 2018 dreht. „Wenn der Tag X kommt und alles zusammenpasst kann auch schon mal ein Traum in Erfüllung gehen. Ich bin überzeugt davon, dass eine Medaille ein realistisches Ziel ist.“ Trotz der vielen Stars auf den langen Distanzen und manchem Blick darauf, will Bente Kraus ihr eigenes Ding machen. „Mit Claudia Pechstein habe ich das beste Vorbild in der eigenen Mannschaft. Alle wollen an sie ran, ich natürlich auch“, gibt sie sich kämpferisch. Von der Strukturänderung im deutschen Eisschnelllaufen hält sie einiges. „Der neue Sportdirektor (Robert Bartko) zieht klare Linien und hat viel verändert. Das ist für alle eine ungewohnte Situation. Aber es hat sich in der Vergangenheit auch viel eingeschliffen.“ Auch Bente Kraus hat sich verändert. Sie ist von Berlin nach Erfurt gewechselt. Dort hat sie mit Peter Wild einen neuen Trainer. Dort will sie sich in Zukunft mehr auf die 3.000 Meter konzentrieren obwohl eher die 5.000 ihre Strecke sind.

Engagement im sozialen Bereich

Da sie aber auch im Team laufen möchte, sind die 3.000 Meter die Hauptstrecke. Bente Kraus ist aber nicht nur Leistungssportlerin, sie kümmert sich auch vor allem um junge Menschen, die das Leben nicht von der Sonnenseite kennen. In Berlin ist sie im Verein für krebskranke Kinder und im Familienzentrum für Kinder aus benachteiligten Familien aktiv. Dort bekommen Kinder Mahlzeiten, können Hausaufgaben machen und ihre Freizeit gestalten. Auslöser dazu war der Tod ihres Vaters kurz von den Spielen in Sotschi. „Ich habe meinen Papa verloren, weil er Krebs hatte. Über diesen Weg bin ich dahin gekommen. Für mich ist das auch eine Art Selbsttherapie. Auch weil von Krebs oft die Kleinsten unter uns betroffen sind. Ich habe schon immer einen Draht zu den Kindern gehabt.“ Für Bente Kraus ist daher auch eine Herzensangelegenheit, Kindern Momente zu geben, die sie sonst nicht erleben können.„Ich erfülle Herzenswünsche. Die Kinder können mich in der Eishalle besuchen. Kürzlich bin ich mit einem jungen Mädchen zu einem Konzert von Helene Fischer und es hat sogar ein persönliches Treffen gegeben. Das ist sehr beeindruckend gewesen. Das liegt mir und wir Sportler sind auch in diese Richtung Vorbilder“, meint sie bescheiden.

Bleibt zu hoffen, dass 2018 auch ihr Herzenswunsch bei Olympia in Erfüllung gehen wird. Auch wenn sie danach möglicherweise ein wenig „Atemlos“ sein könnte.

SJH

Quelle: rosenheim24.de

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