Zwei Oscars und ein Mega-Flop

US-Kult-Regisseur Michael Cimino (77) ist tot

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Michael Cimino
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Michael Cimino mit seinem Ehren-Leoparden des Internationalen Filmfestivals in Locarno.

Los Angeles - Seine Hollywood-Karriere gleicht einer Achterbahnfahrt: Oscar-Ruhm mit einem Kriegsfilm und dann die Megapleite mit einem Western-Epos. So oder so: Michael Cimino bleibt unvergesslich.

Gleich mit seinem zweiten Spielfilm wurde Michael Cimino über Nacht in Hollywood berühmt. Der aufrüttelnde Vietnam-Film „Die durch die Hölle gehen“ räumte bei der Oscar-Verleihung 1979 fünf Trophäen ab, darunter zwei für Cimino als Regisseur und Produzent des besten Films. Ein Jahr später lieferte Hollywoods Wunderkind mit dem teuren Western „Heaven's Gate“ dann einen der größten Flops der Filmgeschichte.

Cimino wurde von den Studios fallen gelassen, doch Cineasten hielten dem Außenseiter mit der eigenwilligen Handschrift die Treue. Nun trauern Kollegen und Fans nach Ciminos plötzlichem Tod. Wie sein langjähriger Anwalt am Samstag (Ortszeit) der Deutschen Presse-Agentur mitteilte, wurde der Regisseur leblos in seinem Haus in Beverly Hills aufgefunden.

Rätsel um Todesursache

Zur Todesursache konnte Eric Weissmann keine Angaben machen. Cimino sei bei guter Gesundheit gewesen, sagte der Anwalt. Den Tod des 77 Jahre alten Filmemachers beschrieb er als „völlig unvorhersehbar“. Er habe sich erst Sorgen gemacht, als er Cimino mehrere Tage telefonisch nicht erreichen konnte. Am Ende sei die Polizei alarmiert und zu seinem Haus geschickt worden. Am Samstag hatte auch der künstlerische Leiter des Filmfestivals in Cannes, Thierry Frémaux, den Tod Ciminos in einem Tweet verkündet.

Kollegen reagierten schockiert. „Ich wünschte, ich hätte Michael Cimino Tribut gezollt, als er noch lebte“, schrieb „Der Exorzist“-Regisseur William Friedkin auf Twitter. „Er war ein wichtiger und meisterhafter Filmemacher“. 

„Pacific Rim“-Regisseur Guillermo del Toro schrieb auf Twitter, dass wohl Ciminos „große“ Filme wie „Die durch die Hölle gehen“ in Erinnerung bleiben werden. Er selbst schätze besonders „Thunderbolt and Lightfoot“.

Mit der Gangster-Komödie „Die letzten beißen die Hunde“ („Thunderbolt and Lightfoot“) hatte der Drehbuchschreiber Cimino 1974 in Hollywood sein Regie-Debüt gegeben. Er konnte gleich Clint Eastwood und Jeff Bridges als Hauptdarsteller gewinnen.

Weltrum mit „Die durch die Hölle gehen“

Es folgte der schonungslose Kriegsfilm „Die durch die Hölle gehen“ („The Deer Hunter“) um eine Gruppe Freunde, die im Vietnamkrieg kämpfen und psychisch und physisch verwundet zurückkehren. Besonders eine Szene mit Robert De Niro und Christopher Walken beim „Russischen Roulette“ geht unter die Haut. Walken wurde bei der Oscar-Verleihung als bester Nebendarsteller gefeiert, auch De Niro und Meryl Streep waren nominiert.

Nach diesem Erfolg hatte Cimino freie Hand für „Heaven's Gate“ (1980), das über drei Stunden lange und teure Westernepos erlebte eine Bruchlandung, von der sich der Regisseur nie richtig erholte. Der Film mit Kris Kristofferson und Isabelle Huppert über Siedler, die von Viehbaronen brutal vertrieben werden, wurde von den Kritikern zerrissen und fiel an den Kinokassen durch.

Nach diesem finanziellen Desaster drehte Cimino nur noch vier Spielfilme, darunter der Thriller „Im Jahr des Drachen“ (1985), die Gangsterballade „Der Sizilianer“ (1987) und „The Sunchaser“ (1996).

Die anfangs harsche Kritik an dem bildgewaltigen „Heaven's Gate“ flaute später ab. Bei einer Wiederaufführung 2012 beim Filmfest in Venedig erntete Cimino lauten Applaus. Diese Rechtfertigung habe er eigentlich nie gebraucht, sagte der Regisseur im Februar 2015 in einem seiner seltenen Interviews dem US-Branchenblatt „Hollywood Reporter“. „Ich wusste immer, was ich geschaffen hatte“.

Im vorigen August beim Internationalen Filmfestival in Locarno wurde Cimino mit einen Ehren-Leoparden für seine nur sieben Filme umfassendes Lebenswerk geehrt.

dpa

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