Kürzlich Wiedereinführung der Altkennzeichen

So hat die Gebietsreform in den 1970ern die Region geprägt

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Landkreis - Mehrere Jahrzehnte ist sie her, die große Gebietsreform in Bayern. Auch in der Region veränderte sie einiges und ging auch nicht ganz konfliktfrei von statten.

Die alten Kennzeichen sind wieder da. In den vergangenen Wochen sorgten Meldungen für Aufsehen, dass nacheinander die Landkreise Berchtesgadener Land, Altötting und zuletzt auch Traunstein alte Kennzeichen wieder einführten. Darunter auch das Kennzeichen des ehemaligen Landkreises Laufen. Seit 2013 gibt es bereits die Möglichkeit, die Altkennzeichen der Landkreise Wasserburg und Bad Aibling zu verwenden.

Mehrere Jahrzehnte ist es her, dass diese Kreise zu existieren aufhörten. Doch in ihren ehemaligen Gebieten gibt es bis heute ein enormes Bewusstsein für deren ehemaligen Umfang und ein großes Zusammengehörigkeitsgefühl. Aber was war der Grund, weshalb diese Kreise überhaupt verschwanden?

"Strapaziöse Aufgabe" - Viel Widerstand gegen die Reform

"Eine strapaziöse Aufgabe“, sei das gewesen, erinnerte sich der "Architekt" der Gebietsreform, der 2013 verstorbene ehemalige Innenminister Bruno Merk.

Die "wichtigste innenpolitische Aufgabe dieser Legislaturperiode" nannte der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel die "Gebietsreform zur Neugliederung Bayerns in Landkreise und kreisfreie Städte"  in seiner Regierungserklärung vom 25. Januar 1967. Tatsächlich brachte die Reform einiges an Veränderungen. Die Zahl der Gemeinden wurde von 7004 auf 2050, jene der Landkreise von 143 auf 71 reduziert.

"Eine strapaziöse Aufgabe“ sei das gewesen, erinnerte sich der "Architekt" der Gebietsreform, der 2013 verstorbene ehemalige Innenminister Bruno Merk, die Folge sei ein Hörsturz gewesen. Denn nicht nur auf der höheren politischen Ebene erzeugte die Reform Widerstand. Auch nicht wenige Gemeinden hatten etwas gegen die resultierenden Maßnahmen einzuwenden, auch in der Region.

Zwar fiel dieser nicht so radikal aus, wie im unterfränkische Dorf Ermershausen, dessen Einwohner gar aus Protest gegen ihre Eingliederung in die Gemeinde Maroldsweisach das Rathaus besetzten. Dieser Protest eskalierte derart, dass das Dorf schließlich von mehreren Hundertschaften der Bereitschaftspolizei gestürmt und das Rathaus geräumt wurde. Dennoch widerstrebten gleich zwei Gemeinden im ehemaligen Landkreis Wasserburg ihrer Vergemeindung.

Jahrelanger Widerstand und zahlreiche Verhandlungen waren nötig, dann erhielt Albaching Anfang 1994 seine Selbständigkeit zurück. Statt in Pfaffing eingegliedert zu werden, bildet es nun mit der Nachbargemeinde  eine Verwaltungsgemeinschaft. Den juristischen Weg wählte dagegen die Gemeinde Edling. 1981 entschied der Bayerische Verfassungsgerichtshof, dass in diesem Fall die Eingemeindung nichtig war. Seitdem ist Edling wieder eine selbständige politische Gemeinde.

Vieles blieb erhalten

Doch neben zahlreichen Veränderungen blieb auch einiges erhalten, mit Auswirkungen bis in die Gegenwart. Nach der Reform erhalten blieben beispielsweise die Ortswehren. Zeitweise stand im vergangenen Jahr zur Debatte, deren Zahl zu reduzieren. Doch auch unsere User zeigten sich in einer Umfrage davon überzeugt, dass sie auch weiterhin so notwendig sind. 2010 beschäftigte außerdem ein skurriler Fall den Rosenheimer Kreisausschuss. 

Es stellte sich heraus, dass die 1972 festgelegten Landkreisgrenzen im warsten Sinne des Wortes "fließend" waren. Die Gemeinde Pfaffing verlor etwa 1200 Quadratmeter an den Nachbarn Emmering und damit auch der Landkreis Rosenheim an den Landkreis Ebersberg. Es handelte sich aber nur um um unbebautes Schwemmgebiet der Attel und um ein Straßenstück.

Auch manche Institution blieb erhalten. So sicherte nach der Auflösung des Landkreises der damalige Ministerpräsident Alfons Goppel persönlich zu, dass in das Wasserburger Kernhaus, welches das Amtsgericht beherbergt hatte, eine Außenstelle der Staatsgemäldesammlung einziehen werde. Daraus wurde dann aber nichts und 2012 bis 2014 stand lange zur Frage, was aus dem Gebäude werden würde, bis dann in einer Umwandlung zum Wohngebäude die Lösung gefunden wurde. Auch in Prien wo der Fortbestand der Wildenharter Grundschule zur Debatte stand und Haag, wo das  Krankenhaus durch ein gemeinsames Aufbäumen der Bürger im gesamten Landkreis vor der drohenden Schließung gerettet wurde sollte man vergleichbare Folgen erleben. 

Auch wenn also mehr als 30 Jahre vergangen sind, hat die  Gebietsreform also noch weiterhin ihre Auswirkungen ...

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hs

Quelle: rosenheim24.de

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