Warnung vor Panikmache und Gewaltaufrufen im Netz

Polizei stellt klar: Viele Grusel-Clown-Aktionen sind Straftaten

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Landkreis - Ist die Sache mit den Clownssichtungen überall vielleicht gar nicht so dramatisch wie es scheinen mag? Die Polizei warnt vor Panikmache. Nicht wenige vermeintliche Sichtungen seien bewusste Falschmeldungen. Außerdem könne man  als Privatperson auch nicht einfach losziehen, um Scherzbolde im Clownskostüm das Handwerk zu legen.

Update, 13.30 Uhr: Die Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes zur rechtlichen Lage

Die Stelle für Polizeiliche Kriminalprävention der Länder und des Bundes findet klare Worte zu dem Phänomen. "Clown-Sein hat Grenzen: Wer Menschen verfolgt, nötigt oder angreift, macht sich strafbar", heißt es in einer Pressemeldung. "Auch bloßes Erschrecken kann strafrechtlich relevant sein, wenn sich Erschreckte dabei verletzen oder in lebensgefährliche Situationen geraten, beispielsweise wenn sie in Panik auf die Straße laufen", heißt es weiter.

Konsequenzen für Täter

  • Eine versuchte Körperverletzung ist eine Straftat. Wer Menschen auch nur zum Schein mit Hammer, Messer oder sonstigen Gegenständen bedroht, muss mit Strafverfolgung rechnen, gerade wenn die betroffene Person durch den Angriff einen Schock erleidet. 
  • Vandalismus und Sachbeschädigung sind Straftaten. Zusätzlich zur Strafverfolgung müssen Täter in der Regel entstandene Schäden ersetzen.
  • Ferner gab es Fälle, bei denen Clowns ihre „Opfer“ in gefährliche Situationen im Straßenverkehr brachten.Auch diese werden konsequent strafrechtlich oder straßenverkehrsrechtlich geahndet.

Die Erstmeldung: Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd zur Lage in der Region

"Bayern wird von keiner Clown-Flutwelle überschwemmt!", diese Feststellung ist Stefan Sonntag, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern Süd wichtig. Bisher habe es, nach aktuellem Wissenstand der Polizei, erst einige wenige Vorfälle mit sogenannten "Grusel-Clowns" in der Region gegeben. "Dabei ist niemand zu Schaden gekommen." Das aus den USA stammende Phänomen, von sich als Clowns verkleidenden Scherzbolden, die Leute erschrecken aber auch handgreiflich werden, ist in der Region angekommen. Sowohl in Bad Reichenhall, als auch Freilassing und Rosenheim gab es bereits diverse tatsächliche oder vermeintliche Sichtungen.

Falschmeldungen im Netz heizen Hysterie an

Dieser von mimikama.at veröffentlichte Screenshot zeigt eine Fake-Meldung.

Bedenklich seien allerdings zwei Randerscheinungen der Clownshysterie. Zum ersten, dass manche Spaßvögel die Angst vor den Schauergestalten durch bewusst produzierte Falschmeldungen anfachen würden. Auch mimikama.at, eine private Initiative, die über Hoaxes, Abofallen, Spam und Fakes im Netz aufklärt warnt vor solchen Falschmeldungen.  Wie die Seite schreibt, würde ein Großteil der aktuellen Clown-Warnungen auf der Webseite “www.24aktuelles.com” veröffentlicht. Die Macher der Seite sprechen Klartext:"Warnungen, die in der Adresse ein 24aktuelles.com tragen, sind bewusst erzeugte Falschmeldungen" Die Inhalte dieser Plattform seien komplett frei erfunden und dienten der Unterhaltung.

"Das ist für uns so keine neue Sache", erklärt Sonntag dazu. "Das gab es in verschiedenen anderen Zusammenhängen bereits in der Vergangenheit." Eine Vielzahl solcher Plattformen würde  zur Verbreitung solcher Falschmeldungen genutzt. "Auf so eine Weise, selbst wenn es nur als Spaß gemeint ist, Panik zu verbreiten und den Eindruck zu erwecken, es gäbe mehr Clownssichtungen als das tatsächlich der Fall ist, ist absolut falsch", mahnt Sonntag. Jedoch sei es auch nicht verboten.

"Loszugehen, um Clowns zu fangen, ist eine schlechte Idee"

Rechtlich bedenklich dagegen sei das zweite Netzphänomen, das mit der Grusel-Clown-Hysterie einhergeht. Diverse "Spotted:"-Facebook-Gruppen rufen, auch in der Region, dazu auf, sich zu einem Vorgehen gegen die Gruselgestalten zu organisieren.Dabei wird auch, mal mehr, mal weniger offen, zur Gewaltanwendung aufgerufen. "Loszugehen, um Clowns zu fangen, ist eine schlechte Idee", mahnt Stefan Sonntag. "Das Gewaltmonopol liegt immer noch bei der Polizei." 

Selbstverständlich gäbe es, im angemessenen Rahmen, ein Recht auf Notwehr. Auch wenn jemand anderes belästigt würde, dürfe man notfalls handfest einschreiten."Niemand muss sich körperliche Belästigungen durch solche Leute im Clownskostüm antun", stellt der Polizist klar. Aufrufe zur Gewalt würden allerdings keinesfalls geduldet. Die Polizei würde aktiv besonders soziale Netzwerke nach Derartigem durchsuchen. 

Screenshots der "Spotted: Clowns"-Gruppen

Wer helfen wolle, solchen Scherzbolden das Handwerk zu legen könne durchaus Ausschau halten. "Das Einschreiten sollte man aber ausschließlich Polizisten überlassen", mahnt der Pressesprecher. "Wenn Sie einen solchen Clown dabei beobachten, wie er Unfug treibt, sollten sie sich auch nicht scheuen, die 110 zu wählen!" Im Fall der Gewaltaufrufe im Netz dagegen könne man solche Seiten zwar melden. "Wenn es aber keine expliziten Gewaltaufrufe sind, können wir da nicht viel machen." 

Kein Verständnis bei Usern

Über 1300 unserer Leser zeigten in einer Umfrage keinerlei Verständnis für das Treiben der kostümierten Schauergestalten.

Zuvor hatten sich bereits über 900 Leser in einer weiteren Umfrage für ein striktes Vorgehen der Polizei gegen das Phänomen ausgesprochen.

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © dpa (Montage)

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