Sollen erwachsene Asylbewerber auch weiterhin dort spielen dürfen?

Bolzplatz-Regeln: Ruhe nach dem Sturm?

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Einige Anwohner beklagen den Lärm, den die erwachsenen Asylbewerber beim Fußballspielen auf dem Bolzplatz in Gars machen, andere sehen darin perfekte Integrationsmöglichkeit. Laut Verordnung der Kommune Gars darf der Bolzplatz nur von Jugendlichen bis 18 Jahre genutzt werden.

Gars - Soll die Bolzplatz-Verordnung, die vorsieht, dass die Rasenfläche von Jugendlichen bis 18 Jahre genutzt wird, gelockert werden? Bürger fühlen sich unwohl dabei, weil erwachsene Asylbewerber zu laut Fußball spielen auf dem Platz im Ortszentrum. Steht die Integration jetzt auf dem Spiel?

Der Bolzplatz neben dem Kinderspielplatz im Ortszentrum von Gars am Inn wird zum Ort der Streitigkeiten. Immer wieder klagen Anwohner über extremen Lärm durch tobende Fußballspieler - darunter auch erwachsene Asylbewerber, die in Gars eine neue Heimat fanden. "Es ist jetzt nach 20 Uhr am Feiertag und am Bolzplatz sind rund 20 Männer, die mit hysterischem Gekreische Fußballspielen", werden betrübte Anwohner von der Gemeindeverwaltung zitiert. Etliche Bürger wenden sich an den Rathauschef selbst.

Gemeindeoberhaupt bricht Spiel ab

An einem Abend hatte Bürgermeister Norbert Strahllechner zu recht später Stunde den fußballspielenden jungen Männern auf dem Bolzplatz erklärt, dass man auch leise spielen könne und die Platzregeln es zudem vorsehen, dass lediglich Jugendliche bis 18 Jahre den Bolzplatz nutzen dürfen. Daraufhin kam es zu Streitigkeiten zwischen Bürgerinnen und Bürgern und dem Gemeindeoberhaupt. Das Recht auf Abendruhe der direkten Anwohner steht dem großen Bedürfnis an Teilhabe und Integration der Asylbewerber ins Dorfleben entgegen.

Der Garser Gemeinderat hatte vor Monaten eine Spielplatz- und Bolzverordnung ins Leben gerufen. Darin wurde festgesetzt, dass Spielplätze in den Gemeindeteilen von Kindern bis 14 Jahren zu nutzen seien und der Bolzplatz für Jugendliche bis 18 Jahre bereit stehe.

An etlichen Abenden bereits spielten einheimische Kinder mit den jungen Männern Fußball. Teils so laut, dass sich Anwohner hilfesuchend an den Bürgermeister wandten oder die Polizei informierten.

"Ich muss natürlich auch den Anliegen der Garser Bürgern nachgehen und habe an einem Abend auch einmal wieder selbst die enorm lauten Schreiereien der tobenden Fußballspieler gehört. Darum bin ich zum Bolzplatz gegangen und habe den Asylbewerbern erklärt, dass sie bereits zu alt seien, um den Bolzplatz zu nutzen und zudem die Lautstärke nicht akzeptabel sei", erklärte Strahllechner.

Einige Bürgerinnen waren an diesem Abend am Spielfeldrand und haben sich äußerst irritiert, teils sogar entrüstet gezeigt. In der jüngsten Gemeinderatssitzung zeigte sich daraufhin Elisabeth Schuster hilfesuchend und nach Lösung bemüht.

"Es spielt doch eigentlich keine Rolle, ob die jungen Menschen, die gemeinsam Fußballspielen, 14 oder 17 oder 19 Jahre alt sind",  so Schuster bei der Bürgerfragestunde. Sie finde es schade, dass die eigentlich gut funktionierende Integrationsarbeit im Gemeindegebiet dadurch in Gefahr gerate.

Der Rathauschef selbst informierte erneut darüber, dass in der Bolzplatzverordnung ein Höchstalter von 18 Jahren gefasst ist und man ohnehin öfter ein Auge zudrücken würde und die Fußballspiele der jungen Männer, die jedoch älter als 18 Jahre alt seien, oft zugelassen habe.

"Wir haben es uns nicht leicht gemacht mit dieser Spiel- und Bolzplatzverordnung", verteidigte Gemeinderat Michael Inninger die Regeln und Altersgrenzen. Freilich möchte man die Männer integrieren, so Inninger weiter.

"Wenn sich die Männer leiser bewegt hätten, und damit meine ich nicht komplett still - sondern eben erträglich, hätte es gar kein Problem gegeben mit den Anwohnern", ist sich Strahllechner sicher.

Grundsätzlich sei es leider bereits oft vorgekommen, dass die Asylsuchenden komplett andere Tages- und Nacht-Rhythmen hätten als die Einheimischen und zu später Abendstunde auf dem Balkon oder vor den Unterkünften derart großen Lärm verursacht hätten, dass von Bürgern nach vergeblichen Erklärungsversuchen und Bitten um Ruhe die Polizei informiert wurde.

Lösung in Sicht?

Strahllechner empfahl, dass die jungen Männer nach Absprache mit dem TSV auf der Sportanlage in Thal Fußballspielen sollten. Rainer Hubl, dessen Frau sich besonders in der Integrationsarbeit in Gars engagiert, betonte, dass eine wahre Integration vor allem im Ort selbst am besten funktionieren könne, weil hier einheimische Kinder und Asylbewerber gemeinsam im Spiel zusammenfinden und so Alltag lernen könnten. Hubl bat, den jungen Männern eine Chance zu geben und schlug vor, dass der Helferkreis nochmals auf die erlaubte Lautstärke bei Fußballspielen einwirken werde, dadurch aber das gemeinsame Fußballspielen nicht komplett vom Beschäftigungsfeld der Asylbewerber gestrichen werden müsse.  

Die Garserin war mit ihrem Buben am Bolzplatz und kann bis heute nicht verstehen, warum sich der Bürgermeister derart aufgebracht gegenüber den Asylbewerbern und anwesenden Bürgerinnen gezeigt hatte. "Es war eine ganz normale Lautstärke, wie es halt ist, wenn mehrere zusammen spielen. Aber es war kein Gebrüll", betont die Bürgerin.

Vor einigen Monaten hat der Garser Gemeinderat eine Spiel- und Bolzplatzverordnung beschlossen.

Diese Ansicht kann Norbert Strahllechner nicht teilen. "Man hat es an diesem Abend sogar im Bereich des Marktplatzes gehört. Wir dürfen trotz aller Bemühungen um eine gute Integration nicht die einheimischen Bürger und deren Belange vergessen", hofft Strahllechner auf Verständnis und möchte ein Gleichgewicht finden bei der Nutzung des Freizeitangebots, das für alle gleichermaßen positiv zu tragen ist. Von dem Vorwurf der Mutter, er habe in aggressivem Ton die jungen Asylbewerber vom Bolzplatz vertrieben, nimmt er Abstand. Er habe sich mit den Männern gut und normal unterhalten und sei sich sicher, dass der Sinn seines Vorbeischauens am Bolzplatz verstanden worden sei, so Strahllechner.

Quelle: innsalzach24.de

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