Vorwürfe gegen Mühldorfer Landrat:

"Es war meine Pflicht, das anzuzeigen"

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Bürgermeister Norbert Strahllechner im Interview mit Innsalzach24
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Mühldorf / Gars – Schwere Vorwürfe erhebt der Garser Bürgermeister Norbert Strahllechner gegenüber Landrat Georg Huber. Im Gespräch erläutert er, warum er nun an die Öffentlichkeit ging.

Innsalzach24: „Herr Strahllechner, warum wurden gerade Ihnen diese Unterlagen anonym übersandt?“

Norbert Strahllechner: „Das weiß ich auch nicht genau. Doch die ca. 100 kopierten Seiten konnte ich natürlich nicht einfach so zur Seite legen, dafür stehen zu detaillierte Missstände darin.

Innsalzach24: „Und Sie wissen nicht, wer Ihnen diese Papiere übermittelt hat?“

Norbert Strahllechner: „Nein. Ich habe keine Ahnung, wer Kopien angefertigt und mir zugeschickt haben könnte“.

Innsalzach24: Was werfen Sie Landrat Georg Huber vor?

Norbert Strahllechner: „Drei Punkte habe ich formuliert und diesbezüglich bei Landrat Georg Huber um Stellungnahme gebeten.

  • Thema Lernen vor Ort: Hier sollte ausdrücklich eine eigenfinanzierte Stelle geschaffen und besetzt werden; dies ist bis dato nicht geschehen und das Risiko besteht, Fördermittel in Höhe von 2 Millionen Euro zurück zu zahlen.
  • Seltsam auch die Besetzung des Landratsbüros: Ausgeschiedene Mitarbeiter des Büro Landrat wurden durch 2 Damen aus „Lernen vor Ort“ ersetzt, obwohl die beiden Damen durch Bundesmittel gefördert sind.
  • Letztlich noch das Schulgutachten: Vergabe des Schulgutachten in Höhe von insgesamt 120.000 Euro. Genehmigt durch Kreistag 75.000 Euro. Fragwürdige Vergabe, weil da keine Vergleichsangebote eingeholt wurden und Kreistag für restliche Summe von circa 45.000 Euro nicht beteiligt war“.

Innsalzach24: „Kam es zu einer Aussprache zwischen Ihnen und Georg Huber?“

Norbert Strahllechner: „Ich wurde bereits vor einigen Monaten zu einem Termin bei Landrat Huber geladen, doch es kam hier zu keiner Klärung oder Stellungnahme von Seiten des Landrats. Es war eine richtige Auseinandersetzung. Daraufhin habe ich Herrn Huber mitgeteilt, dass ich die Unterlagen der zuständigen Staatsanwaltschaft übermitteln werde, was ich dann auch gemacht habe“.

Innsalzach24: „Sie haben viele Jahre, bevor Sie Bürgermeister von Gars wurden, selbst im Landratsamt Mühldorf gearbeitet. Jetzt haben Sie als Bürgermeister mit dem Landrat zu tun. Wie sind Sie in den vergangenen Jahren mit Landrat Georg Huber zurecht gekommen?“

Norbert Strahllechner: „Es hat auch in den vergangenen Jahren immer Meinungsverschiedenheiten zwischen Herrn Huber und mir gegeben“.

Innsalzach24: „Aber die Anschuldigungen durch Sie haben nichts mit persönlichen Retourkutschen zu tun?“

Norbert Strahllechner: „Nein, natürlich nicht. Ein persönliches Anliegen bezwecke ich damit nicht. Ich sehe mich jedoch in der Pflicht, Ungereimtheiten und mir zugetragene Unterlagen mit belegbaren Missständen zur Klärung frei zu geben. Deshalb habe ich die Informationen an die Öffentlichkeit und vorher an die Staatsanwaltschaft gebracht“.

Innsalzach24: „Welche Reaktionen kamen bislang?“

Norbert Strahllechner: „Ich wurde bereits als Nestbeschmutzer bezeichnet, doch andere wiederum haben mir für meinen Mut Respekt gezollt. Viele der Bürgermeister- und Kreisratskollegen hätten vielleicht anders gehandelt, aber ich bereue meine Entscheidung nicht. Eigentlich warte ich ja auf eine Verleumdungsklage, aber die wird nicht kommen, weil die Tatsachen ja vorhanden sind“.

Innsalzach24: „Herr Strahllechner, danke für das Gespräch“.

6 Tage nach gestellter Anfrage nahm das Landratsamt nun Stellung

Das Landratsamt wollte sich zu den Vorwürfen bislang nicht äußern. Zu einer Stellungnahme stand Landrat Georg Huber am Freitag nicht zur Verfügung. Das Büro des Landrats teilte dagegen mit, dass die Anfragen der Medien erst sortiert und im Laufe der nächsten Woche beantwortet würden.

Bayerns Umweltminister Dr. Marcel Huber, der von Bürgermeister Strahllechner vor Monaten zeitgleich mit Landrat Huber um eine Stellungnahme zu den Dokumenten gebeten worden war, hingegen hat die Anfrage unserer Redaktion umgehend beantwortet. Sein zuständiges Büro in Ampfing teilte im Auftrag des Ministers mit, dass Minister Marcel Huber großes Vertrauen in die Arbeit des Landratsamtes habe. Den Vorwürfen werde nachgegangen, das Ergebnis sei abzuwarten.

Quelle: innsalzach24.de

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