Nach tödlichem Motorradunfall auf der St2091

"Ermittlungspfusch"? Angehörige wollen Klarheit!

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Gars - Ein Jeep mit der Aufschrift "Deutsche Gerechtigkeit? Unrecht durch Ermittlungspfusch!!!" fährt seit Dienstag durch Gars und Umgebung. Dahinter stecken Trauer, Wut und ein schrecklicher Unfall.

Freitag, 21. August 2015, gegen 18 Uhr: Auf der Staatsstraße 2091 krachen zwei Motorräder im Gegenverkehr ineinander. Einer der Fahrer stirbt sofort, der andere später im Krankenhaus. Letzterer war der 18-jährige Dennis D. aus Gars/Unterreit. Jetzt melden seine Familie und Freunde erhebliche Zweifel an der Ermittlungsarbeit an.

Der schreckliche Unfall

In dieser Rechtskurve geschah der schreckliche Unfall.

Dennis war an diesem Tag nicht allein mit dem Moped unterwegs: Seine Freundin fuhr als Sozia bei ihm mit. Ebenso vier seiner Freunde, jeder mit einer eigenen Maschine. In Kolonne fuhren sie in Richtung Peterskirchen. Dann der schreckliche Unfall: In einer Rechtskurve prallte Dennis, der an vierter Stelle der Kolonne fuhr, in den entgegenkommenden Motorradfahrer. 

Schlimmer Motorradunfall an der Landkreisgrenze

Erste Befragungen noch am Unfallort

Die ersten beiden Fahrer haben vom Unfall nichts gesehen. Der dritte, Christian G., konnte dem entgegenkommenden Motorradfahrer gerade noch ausweichen. Das hat Dennis nicht mehr geschafft.

Aus den Polizeiakten geht hervor, dass die ersten Zeugenvernehmungen noch am Unfallort und noch vor 19 Uhr erfolgten, also rund eine Stunde nachdem es passierte.

„Da denkst Du erst einmal alles und nichts“, beschreibt Christian G., ein Freund des getöteten 18-Jährigen, gegenüber innsalzach24.de diese Zeit kurz nach dem Unfall. Er selbst sei der erste beim anderen Fahrer gewesen: „Der war hinüber!“ G. selbst sei an dritter Stelle der Kolonne gefahren. Er habe dem entgegenkommenden Motorradfahrer gerade noch ausweichen können. "Dennis hat das nicht mehr geschafft", so G.

Seine und weitere Aussagen wurden von den Polizeibeamten noch vor Ort handschriftlich festgehalten, von den Befragten unterschrieben und später in der Dienststelle ins Reine getippt. Hier fehlen die Unterschriften. Laut Polizeiinspektion Waldkraiburg ein durchaus übliches Vorgehen. Wenn es bei so einem Unfall noch Fragen gebe, würden die Beamten zu den Zeugen fahren oder sie zur weiteren Vernehmung in die Dienststelle laden.

Zeugen falsch zitiert? "Wir standen unter Schock!"

Dennis´ Freunde fühlen sich in den Polizeiprotokollen teilweise falsch zitiert. "Wir standen unter Schock!", so die einhellige Meinung der fünf Freunde. Ein „Ich wurde dabei nicht gefährdet“ von Christian G. könne man „so und so“ lesen, wenn es um den Unfallhergang und – natürlich auch – um die Schuldfrage geht. „Hier sind zwei Menschen gestorben“, sagen sie, „da darf man doch erwarten, dass hier sauber ermittelt wird“

Waren Alkohol oder gar Drogen im Spiel?

Klare Antwort bei Dennis: nein. „Warum wurde er auf Alkohol- und Drogen getestet und der andere Fahrer nicht?“, fragen sich Familie und Freunde. Tatsächlich steht in der sogenannten „Verkehrsunfallanzeige Personenschaden“ beim anderen Fahrer „bislang nicht getestet“. Weitere, später angefertigte Unterlagen liegen nicht vor.

Teresa D.: „Die Erinnerung kommt langsam zurück“

Dennis' Freundin Teresa D., die als Sozia bei Dennis hinten auf dem Motorrad saß, war die einzige, die erst vier Wochen nach dem Unfall im Krankenhaus befragt werden konnte. Zu schwer waren ihre Verletzungen, unter anderem erlitt sie einen Schädelbasisbruch und einen Leberriss.

"Ich kann mich nur noch in Teilen an den Unfall erinnern“, steht zum Beispiel im Polizeiprotokoll. Und zur Frage nach der Geschwindigkeit: „Wenn er mit mir gefahren ist, war er immer vorsichtiger als sonst.“ Im Gespräch mit innsalzach24.de meinte Teresa D.: "Die Erinnerung kommt nur langsam zurück."

Die Frage nach der Schuld

Dennis' Freunde stellten an der Unfallstelle zahlreiche Kreuze auf.

Natürlich geht es den Angehörigen und Freunden um die Frage, wer den Unfall verursacht hat und wen möglicherweise eine Teilschuld trifft. In einer Rechtskurve legt sich ein Motorradfahrer nach rechts. Der entgegenkommende folglich nach links. Sind beide mit den Reifen eher am Mittelstreifen unterwegs, ist der Entgegenkommende demnach eher mit dem Oberkörper auf der anderen Spur. Das ist für die Angehörigen und Dennis´Freunde von zentraler Bedeutung. Demnach habe Dennis den Unfall gar nicht verursachen können.

In dem unfallanalytischen Gutachten, das nach dem Horror-Crash angelegt wurde, steht für den entgegen-kommenden Motorradfahrer aber:"Für ihn war der Unfall unvermeidbar." Dennis' Familie und Freunde zweifeln die Richtigkeit des Gutachtens deshalb an. Zudem sei es in weiteren Punkten fehlerhaft oder widersprüchlich, zum Beispiel wo sich die Motorräder genau getroffen haben.

Sie wandten sich deshalb an den Anwalt Eberhard Bubb aus Landshut, der die Situation genauso sieht. Da das Ermittlungsverfahren der Staatsanwaltschaft bereits abgeschlossen wurde, komme Dennis' Familie um ein kostenintensives Gegengutachten nicht herum, so Bubb. Ob die Familie diesen Schritt aber gehen wird, lässt sie noch offen.

Dennis' Familie und Freunde fordern Klarheit und Gerechtigkeit.

Dennis' Vater fühlt sich von der Justiz und den Ermittlungsbehörden im Stich gelassen, weshalb er den ungewöhnlichen Schritt gewählt hat und auf seinem Auto den Schriftzug "Deutsche Gerechtigkeit? Unrecht durch Ermittlungspfusch!!!" zusammen mit einem Bild seines Sohnes angebracht hat. "Mein Sohn soll Gerechtigkeit erfahren", so der verzweifelte Vater gegenüber innsalzach24.de. Klarheit und Gerechtigkeit, die er auch den Angehörigen des anderen Unfallopfers wünscht. 

Quelle: innsalzach24.de

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