Von Diskussionen bis Demonstrationen...

Zehn Geschichten rund um den A8-Ausbau

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Mehrfach demonstrieren Anwohner gegen den geplanten Ausbau der A8. Zum Beispiel im März 2010 in Übersee.

Landkreis - Seit rund zehn Jahren wird darüber diskutiert, wie die A8 zwischen Inntaldreieck und Landesgrenze künftig aussehen soll. Immer wieder hat es neue Voraussagen gegeben, wann die Trasse saniert ist. Und auch Gerüchte oder Zwist. Ein Rückblick.

1. 2018 freie Fahrt auf der A8

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Der frühere Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) war optimistisch. Als er 2011 im Amt war und Planungsergebnisse in Rosenheim vorstellte, hatte er ein klares Ziel: Spätestens 2018 ist die A8 ausgebaut und können Autofahrer drei Spuren in jede Richtung nutzen.

Ex-Bundesverkehrsminister: Peter Ramsauer (CSU).

Aber es kam anders. Viele Diskussionen, immer wieder neue Pläne und vor allem die Frage nach geeignetem Lärmschutz sorgten für Verzögerungen. Mittlerweile ist geplant, voraussichtlich 2018 mit Arbeiten an der Strecke zu starten, erklärte Sprecher Josef Seebacher von der Autobahndirektion Südbayern jüngst. Fest steht, dass der Ausbau im Bereich zwischen Rosenheim und dem Bernauer Berg beginnt.

2. Acht Meter hohe Betonwände

Anfangs sollten Anwohner der A8 alleine durch Lärmschutzwände vor Geräuschen der Fahrzeuge geschützt werden. Damit drohten acht bis neun Meter hohe Lärmschutzwände entlang der Trasse, vor allem für die Orte Achenmühle und Frasdorf. Beide liegen direkt an der Autobahn.

Eine Horrorvorstellung waren diese Barrieren für Anwohner. Sie forderten, dass die Autobahn eingebaut wird. In der Bürokratie heißt das Einhausung. Dabei ist die Autobahn überbaut und obendrüber begrünt. Dadurch wird nicht nur der Lärm weniger, sondern auch der Ausblick wieder schöner.

3. Eine Milliarde Euro für den Ausbau

Grünen-Politiker Anton Hofreiter.

Die Kosten stiegen immer weiter. Im Frühjahr 2013 wurde klar, dass die ursprünglich angesetzten knapp 900 Millionen Euro bei Weitem nicht ausreichen, um die A8 zwischen Rosenheim und der Landesgrenze zu Österreich sechsspurig auszubauen. Damals überstieg die Summe die Grenze von einer Milliarde Euro - ohne dass überhaupt losgebaut worden wäre. Folglich kostet jeder Kilometer ausgebaute Autobahn auf der ungefähr 65 Kilometer langen Strecke rund 15,38 Millionen Euro. Zum Vergleich: Von diesen zirka 15 Millionen Euro könnte man etwa 770 Autos für jeweils 20.000 Euro kaufen. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Anton Hofreiter forderte den Bundesverkehrsminister damals dazu auf, die Ausbaupläne umgehend zu revidieren. Doch der Plan zum sechsspurigen Ausbau besteht bis heute.

4. Empörung über Bürgerinitiative

Jahrelang ein Projekt aufhalten? Eine Verzögerungstaktik wenden Bürgerinitiativen oft an, um ein Vorhaben zu vereiteln. So ist es auch beim Ausbau der A8. Und darüber empörte sich Hans-Peter Dangschat von der Jungen Union. Fassungslos war der Nachwuchspolitiker 2012 über das Verhalten einer A8-Bürgerinitiative. "Ich finde es beklemmend und empörend, dass diese Anti-Ausbau-Initiative die Dreistigkeit besitzt, sich auch noch damit zu rühmen, dass sie dem Fortschritt und Wachstum in der Region mit ihrer Zermürbetaktik im Wege steht", sagte er damals. Anlass für den Frust war eine Jahreshauptversammlung der Initiative "Ausbau A8 - Bürger setzen Grenzen". Dort wurde der lange verzögerte Ausbau der Isentalautobahn A94 als Vorbild angeführt.

5. Pläne für A8-Ausbau gestoppt

Anfang 2012 berichtete das österreichische Fernsehen ORF, dass die deutsche Bundesregierung nun doch kein Geld für den A8-Ausbau bereitstelle. Folglich wären auch die Planungen dafür gestoppt. Ein Aufschrei ging durch die Region. Der damalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) reagierte empört auf die Meldung und bezeichnete sie als "so einen Blödsinn". Er war sich sicher, dass mit dem Abschnitt zwischen Rohrdorf und Frasdorf 2015 begonnen wird, sagte er. Sofern alles glatt laufe. Offenbar war das nicht der Fall, denn die Bauarbeiten haben bis jetzt noch nicht begonnen.

6. Brücken werden extra saniert

Weil der A8-Ausbau weiter auf sich warten lässt, werden zahlreiche Brücken an der Trasse nun extra saniert. Mit diesen Notreparaturen soll die Zeit bis zum Autobahnausbau überbrückt werden. Das kostet den Freistaat zusätzliche Millionen Euro. Allerdings kann mit der Sanierung nicht länger gewartet werden. Brücken haben eine Lebenszeit von rund siebzig Jahren. Nachdem die Autobahn in den 1930er Jahren gebaut wurde, müssen die Brücken also dringend erneuert werden. Die Alternative wäre, diese zu sperren, wenn sie zu marode werden. Das ist bei der vielbefahrenen A8 allerdings undenkbar.

7. Erstmals Planungsdialog mit Bürgern

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU).

Beim A8-Ausbau fand im Freistaat zum ersten Mal überhaupt ein sogenannter Planungsdialog statt. Etwa anderthalb Jahre lang trafen sich Vertreter der betroffenen Landkreise, der Autobahndirektion Südbayern sowie der Staatsregierung regelmäßig, um eine optimale Variante für den Ausbau zu finden. Vor allem Engstellen wie Frasdorf, Rohrdorf und Piding wurden dabei besonders diskutiert. Die Ergebnisse der zahlreichen Gruppensitzungen flossen später ins Planfeststellungsverfahren ein. Darin wird alles rund um den Ausbau der A8 zwischen Rosenheim und Landesgrenze festgelegt. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) kündigte den Planungsdialog im Mai 2009 bei einer Baukonferenz in Traunstein an.

8. A8 wird lahmgelegt

2009 verkündete Angers Bürgermeister Silvester Enzinger, dass die A8 zwischen Siegsdorf und Piding für mehrere Stunden gesperrt werde. Grund war eine beantragte Demonstration von Ausbaugegnern. Auf der leeren Autobahn solle es eine Kundgebung geben, erklärte der Bürgermeister. Die Demonstration fand dann auch im September statt. Nur nicht ganz so, wie angekündigt. Ein Erfolg war sie dennoch.

9. Mit Märchen gegen den Ausbau

Statt auf der Straße zu demonstrieren, ging Bettina Ott aus Piding einen anderen Weg beim A8-Ausbau. Sie erzählte die Geschichte der Waldfee und verpackte darin die Angst vor einer sechsspurigen Autobahn. Vor allem ging es ihr dabei auch um eine anfangs geplante Nordumfahrung bei Piding. Um diese zu errichten, müsste Wald gerodet und ein Tunnel durch den Högl gebaut werden. Dadurch würde Natur unwiderruflich zerstört werden. Mittlerweile ist die Nordumfahrung vom Tisch.

10. Politische Zickereien

Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig (CSU).

Als 2009 eine Delegation aus Frasdorf, darunter die damalige SPD-Bundestagsabgeordnete Angelika Graf, zum Bundesverkehrsministerium in Berlin fuhr, um mit Politikern über den A8-Ausbau zu sprechen, reagierte eine pikiert. "Schön, dass das SPD-geführte Bundesverkehrsministerium nicht immer nur Luftballons steigen lässt, sondern endlich konkret in die Planungen einsteigt", erklärte die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig damals. Grund für den Unmut war ein anberaumtes Gespräch, das sie organisiert hatte. Ihre SPD-Kollegin würde sich mit fremden Federn schmücken, lautete ihr Fazit. Am Ende herrschte wieder Frieden. Immerhin kämpften beide um die selben Ziele, zum Beispiel besseren Lärmschutz beim A8-Ausbau.

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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