Grusel-Clown-Hysterie erreicht neue Dimension

Horror-Clown geht in München mit Axt auf Jungen (10) los

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Bayern/Salzburg - Der Hype um sogenannte Killer-, Grusel- oder Horror-Clowns greift nun auch verstärkt in Bayern um sich. Auf sogenannten "Spotted"-Seiten auf Facebook werden nun Sichtungen gesammelt. Teilweise wird aber auch zu Selbstjustiz aufgerufen! Aktuell beschäftigt die Polizei ein Fall aus München: 

Update, 14.20 Uhr: Horror-Clown attackiert Jungen mit Axt

Mit einer Axt ist ein Unbekannter mit Clownsmaske auf einen zehnjährigen Buben in München losgegangen.

Wie die Polizei am Montag mitteilte, war der Schüler mit seinem Fahrrad vom Fußballtraining nach Hause gefahren, als der Horror-Clown zuschlug. Der getarnte Unbekannte sprang am Freitagabend aus einem Gebüsch hervor, schwang eine Axt und lief schreiend auf das Kind zu. Nach den Worten des Jungen hielt der Täter seinen schlechten Scherz per Handy-Video fest - ein beliebtes Ritual der Horror-Clowns, die ihre Filme anschließend im Internet veröffentlichen.

Auch in Gersthofen (Landkreis Augsburg) trieben Grusel-Clowns ihr Unwesen: Dort verbargen sich hinter den Halloween-Masken drei Jugendliche. In der Nähe des Stadtparks erschreckten sie Spaziergänger, einer der Clowns rasselte mit einer Eisenkette

„Das Problem ist: Kurz vor Halloween gibt es solche Masken überall zu kaufen“, sagte Michaela Schricker vom Polizeipräsidium Schwaben Nord der Deutschen Presse-Agentur. Jeder könne auf den Zug aufspringen.

Der zweifelhafte Trend der Grusel-Clowns hat den Ursprung in Amerika. Seit zwei Jahren registrieren die US-Behörden solche Vorfälle.

dpa

Update, 12.30 Uhr: Facebook-Posts wurden entfernt

Zwischenzeitlich wurden einige der Posts wieder entfernt. Diese können Sie aber in Form von Screenshots hier weiterhin finden.

Screenshots der "Spotted: Clowns"-Gruppen

Update, 12.20 Uhr: Freilassinger Polizei zu Selbstjustiz-Aufrufen

Im Zusammenhang mit einer Clowns-Sichtung in Freilassing bezog der Leiter der dortigen Polizeiinspektion, Erster Polizeihauptkommissar Gerhard Huber, Stellung zu den Selbstjustiz-Aufrufen:"Das ist keine Handlungsoption, schließlich begibt man sich hier ohne rechtliche Befugnis selbst in Gefahr." Die beste Lösung sei hier - sofort die Polizei rufen.

In Kambodscha nahm, wie die Bild-Zeitung berichtet, ein Fall von Vorgehen gegen Clowns ein tragisches Ende. Als ein US-Student, der auf Besuche bei Verwandten war, sich als Grusel-Clown versuchte, wurde er von wütenden Dorfbewohnern in ein Minenfeld gejagt.

Update, 10.45 Uhr: Aufrufe auch bei Jodel

Auch bei der beliebten App "Jodel" gibt es offenbar Aufrufe zur Jagd auf "Grusel-Clowns". Wie User mitteilten, würden auch dort Pläne, teilweise auch gewaltsam gegen als Gruselgestalten kostümierte Leute vorzugehen, diskutiert. "Jodel", die App eines deutschen Start-Ups, verbreitet sich derzeit deutschlandweit an immer mehr Unis und Hochschulen.

Das Prinzip dahinter erinnert zunächst ein wenig an Facebook, Twitter und Co., wo sich jeder mit Posts der Community mitteilen kann. Das Besondere bei "Jodel": Im Gegensatz zu den etablierten Sozialen Netzwerken verbreiten die User ihren Post, oder auch "Jodel", komplett anonym, ohne Benutzernamen. Auch werden die "Jodels" nicht weltweit angezeigt sondern sind nur in einem Umkreis von maximal zehn Kilometern um den "Jodler" lesbar.

Die Erstmeldung:

Die Gruselclown-Hysterie in der Region scheint eine neue Dimension anzunehmen. Mehrere User wiesen die Redaktionen von rosenheim24.de und chiemgau24.de auf neu gegründete "Spotted:"-Facebook-Gruppen hin, die sich der Sichtung und Bekämpfung des Phänomens verschrieben haben. Dort werden auch Handlungsanweisungen gegeben, die nichts anderes als Aufforderungen zur Selbstjustiz darstellen."Bevor ihr einen Clown angreift" beginnt einer der Punkte einer Anleitung, die bei "Spotted: Clowns Lkr. Traunstein" gepostet wurde. Es wird dann zwar darauf hingewiesen, dass die Polizei zu rufen die "gute Lösung" sei, aber "wenn die Person Mut hat" könnte sie "auf eigenes Risiko" auch "selbst was unternehmen". A uch eine derartige Seite für Salzburg deutet einen Gewaltaufruf durch Faust-Smileys an. 

Das Polizeipräsidium Oberbayern Süd teilte auf Nachfrage mit, die Aktivitäten und Inhalte dieser Facebook-Gruppen würden nun unter die Lupe genommen werden. Im V erlauf des frühen Montagnachmittags würde man dazu Näheres mitteilen können.

"Spotted:"-Seiten eigentlich mit anderem Zweck

Eigentlich sollen "Spotted:"-Seiten auf Facebook dafür da sein, einen Flirt wieder aufleben zu lassen. Der süße Typ aus der Disko oder die schöne Frau aus dem Park, nach deren Handynummer man nicht gefragt, soll ausfindig gemacht werden mithilfe des Sozialen Netzwerks. Die zweite Chance für die Liebe sozusagen. Manchmal finden sich in den jeweiligen Gruppen für bestimmte Städte auch besonders kuriose Fälle wie der eines"Inn-Salzach-"Sahneschnittchens" Mitte April oder die Suche einer Mutter nach dem Kuscheltier "Mausi" ihres Sohnes zu Beginn jenes Monats. Doch mit der Horror-Clown-Panik werde diese Art Gruppen in dem sozialen Netzwerk nun für andere Zwecke benutzt.

Mehrere Fälle in der Region 

Die Clowns-Hysterie, die bereits im restlichen Deutschland für Besorgnis sorgt, ist inzwischen auch in der Region angekommen. Zuletzt wurde ein maskierter Clown am Sonntagabend gegen 20 Uhr am Bergweg in Bad Reichenhall gesehen und sorgte kurze Zeit für Aufregung. Ein Anwohner verständigte die Polizei. Wie die Befragungen ergaben, hatte der Clown mit roter Perücke und roter Nase einen Stock bei sich und war den Bergweg Richtung Bayerisch Gmain gegangen.  Bereits am Samstag sorgten in Freilassing Grusel-Clowns für viel Aufregung. Sie erschreckten Kinder beim Rollerbladen. Auch in Rosenheim gab es kürzlich Gerüchte um einen Grusel-Clown an einer Schule. 

Im Salzburger Land gab es ebenfalls mehrere Fälle. Zu einer Körperverletzung kam es am Samstagabend in Hallein-Burgfried. Ein bislang unbekannter Täter, welcher als Horror-Clown verkleidet war, schubste das Opfer während des Radfahrens wodurch dieser zu Sturz kam.  Fast zeitgleich wurde ein Vorfall in Grödig bekannt, wonach mehrere " Horror Clowns" neben einer Ortstafel der Gemeinde Grödig posierten. Am Vortag meldeten sich mehrere besorgte Bürger aus Golling telefonisch bei der Polizei und teilten mit, dass in den vergangenen Tagen des Öfteren sogenannte " Horror Clowns" am Bahnhof Golling ihr Unwesen trieben. Zwei junge Einheimische, 17 und 18 Jahre alt, wurden als Verursacher ermittelt. Fast Zeitgleich meldeten mehrere Passanten, die Sichtung eines " Horror Clowns" im Bereich eines Parkplatzes vor einem Einkaufszentrum in Bischofshofen. Hier wurde ein 14-Jähriger von der Polizei in Gewahrsam genommen. 

Konsequente Verfolgung durch Polizei

"Bei diesem Trend kommt es leider leicht dazu, dass jemand geschädigt oder traumatisiert wird und dass ist dann kein dummer Jungenstreich mehr, sondern eine Straftat", so Stefan Sonntag, Pressesprecher vom Polizeipräsidium Oberbayern am Wochenende. "Generell geht die Polizei solchen Vorkommnissen konsequent nach und behält sich auch vor die Personalien nicht nur aufzunehmen, sondern auch rechtlich gegen die Verursacher vorzugehen. Wer so etwas plant, sollte wissen, das ist kein Spaß und wird konsequent seitens der Polizei verfolgt", so Sonntag weiter.

Kein Verständnis bei Usern

Über 1300 unserer Leser zeigten in einer Umfrage keinerlei Verständnis für das Treiben der kostümierten Schauergestalten. 

Zuvor hatten sich bereits über 900 Leser in einer weiteren Umfrage für ein striktes Vorgehen der Polizei gegen das Phänomen ausgesprochen.

Professionelle Clowns: „Wirre Menschen“

Die professionellen Clowns sind sauer und stellen klar: „Grusel-Clowns sind keine Clowns. Es sind wirre Menschen, die ihre destruktiven Neigungen auf diese armselige Art ausleben wollen.“ In einer Mitteilung des Dachverbands Clowns in Medizin und Pflege Deutschland heißt es weiter: „Sie sind weder komisch noch beeindruckend, sondern ein grotesker Abklatsch einer zutiefst menschlichen, positiven Freude an der Anarchie.“

hs/mh

Quelle: rosenheim24.de

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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Heinz Seutter

Heinz Seutter

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