Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Das große Problem: Züge schirmen Funkwellen ab

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Die Deutsche Bahn rüstet derzeit ihre ICE-Züge mit W-LAN auf. Ein Vorhaben mit Hindernissen.

Landkreis - Wer mit der Bahn zwischen München und Salzburg unterwegs ist, hat wenig Zugang zum weltweiten Netz. Allerdings ist es gar nicht so einfach, eine stabile Verbindung in die Zugwaggons zu bekommen.

Sobald der Zug aus dem Bahnhof fährt, ist die Verbindung weg. So geht es oft bei Fahrten zwischen München und Salzburg. Laut Mobilfunkanbietern ist die Verbindung durchaus vorhanden. Dennoch kommt wenig Signal im Zug an. Bahnfahrer und Streckenbetreiber nervt das Problem. Doch wie kommt das Netz eigentlich in die Waggons? Und wie aufwendig ist das?

Die Probleme mit dem Mobilfunk

Weitere Informationen:

Der Zug fährt von einem Ort zum anderen. Das ist seine Aufgabe, aber auch ein großes Problem. Denn ein Funkmast versorgt meist nur einen Umkreis von rund fünf Kilometern mit einem Signal. Folglich benötigt ein Zug nach einigen Minuten bereits einen neuen Funkmasten, um die Netzversorgung aufrecht zu erhalten. Bei ICE-Zügen geht es sogar noch schneller, weil diese mit bis zu 300 Kilometern pro Stunde unterwegs sind.

Dieses Problem wird noch erschwert, wenn Züge durch ruhigere, zum Teil spärlich besiedelte Gegenden fahren, wo nur wenige Funkmasten stehen. Solche Funkstationen sind laut dem Magazin Connect kaum wirtschaftlich zu betreiben, wenn sie im Prinzip nur einmal pro Stunde oder gar noch seltener für wenige Momente genutzt werden. Daher lassen Mobilfunkanbieter meist die Finger davon.

Abgesehen von den Problemen mit den Funkmasten bestehen die Waggons zum Großteil auch aus Metall. Und haben mitunter sogar in den Fenstern eine sogenannte Aluminiumbedampfung zur Isolierung. Das ganze Metall schirmt die Fahrgäste im Zug vor Funkwellen ab. Folglich kommt in den Waggons lediglich ein abgeschwächtes Signal an. Dadurch wird die Surfgeschwindigkeit zusätzlich verringert. 

Mögliche Lösungen gegen fehlendes Netz

Um das Signal im Zug zu verstärken, können sogenannte Repeater helfen. Diese "Wiederholer", wie das Wort auf Deutsch heißt, verstärken das Signal im Zug. Allerdings bevorzugen diese Repeater bestimmte Frequenzbänder. Das kann dann wiederum zum Nachteil für den Empfang im Zug werden, denn so werden manche Signale blockiert, obwohl sie ausreichend vorhanden sind.

Daher setzen Bahnbetreiber mittlerweile eher auf die sogenannte Multiprovider-Technik. Diese greift auf die jeweils schnellsten Datennetze aller Mobilfunkanbieter zu. Indem die Kapazitäten der einzelnen Netze gebündelt werden, wird das Signal im Zug zudem stärker.

Welche Techniken und Maßnahmen verfolgen die Bahnbetreiber?

Die Deutsche Bahn stattet ihre gesamte ICE-Flotte bis Ende 2016 mit der neuen Multiprovider-Technik für schnelleres und stabileres Internet aus, wie das Unternehmen auf seiner Internetseite ankündigt. Wann es diese Art von W-LAN auch in Regional- und S-Bahnen sowie Intercity-Zügen geben wird, in denen die meisten Pendler unterwegs sind, ist derzeit allerdings noch offen.

Auch die Österreichischen Bundesbahnen sind mit dem Railjet auf der Strecke zwischen München und Salzburg unterwegs. Sie entwickeln derzeit einen W-LAN-Service gemeinsam mit dem Kooperationspartner Deutsche Bahn, erklärt Johann Kapferer vom Unternehmen. Details oder einen konkreten Zeitplan könne er momentan aber noch nicht nennen.

Parallel dazu wird in Österreich das Mobilfunknetz modernisiert. Dabei investieren die Österreichischen Bundesbahnen, das Verkehrsministerium und Mobilfunkbetreiber in Österreich in den nächsten Jahren rund 100 Millionen Euro, um die Situation entlang von Bahnstrecken deutlich zu verbessern. "W-LAN und das Telefonieren im Zug wird für eine Bahnreise immer wichtiger", teilt Johann Kapferer mit. "Und wenn es funktioniert, ist es ein weiterer Vorteil gegenüber anderen Verkehrsträgern wie zum Beispiel Fliegern."

Bei der Bayerischen Oberlandbahn GmbH, die mit Meridian-Zügen stündlich auf der Strecke München-Salzburg fährt, sind die Aktivitäten in puncto W-LAN im Zug noch verhalten. Momentan wird die Prüfung verschiedener Systeme ins Auge gefasst. "Wir haben begrenzte Einflussmöglichkeiten, wenn es um die Verbesserung nationaler Mobilfunkanbieter geht", sagt Sprecher Christopher Raabe. "Das ist eine Frage der bundesstaatlichen Subventionierung, die dann auf die Länder heruntergebrochen wird." Zudem dürfe die Mobilfunktechnik nicht den Zugfunk stören und so die Sicherheit der Fahrgäste gefährden.

Ein weiteres Problem: Die Lebensdauer der Züge

Ein weiteres Problem ist, dass Züge eine lange Lebensdauer haben. Oft sind Waggons jahre- oder gar jahrzehntelang im Einsatz. Die Technologien für Mobilfunk entwickeln sich allerdings rasch weiter. Folglich muss neue Technik für moderne Mobilfunkstandards immer wieder aufwendig nachgerüstet werden. Das braucht Zeit und kostet sehr viel Geld. Mehr Geld als neu anzuschaffende Waggons von Beginn an mit W-LAN-Systemen auszurüsten. Auch dieser wirtschaftliche Aspekt spielt eine Rolle für Bahnbetreiber. Sie warten dann, bis neue Waggons in Betrieb gehen.

Ein Punkt, den die Bayerische Oberlandbahn bei ihren neuen Meridian-Zügen nicht bedacht hat.

Kampagne: "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen Salzburg und München unterwegs ist, braucht also Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig. 

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden. 

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie die aktuellen Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Katja Schlenker

Quelle: rosenheim24.de

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