Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler": Das sagen Politiker - Teil 1

Ludwig: "WLAN in Zügen ist nicht von heute auf morgen umsetzbar"

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Daniela Ludwig (41) ist seit 2002 Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Rosenheim.

Landkreis - Wie wichtig ist mobiles Internet im Zug an Pendlerstrecken wie der von München nach Salzburg? Wir haben Bundes- und Landtagsabgeordnete der Region nach ihrer Meinung dazu gefragt. Heute:  MdB Daniela Ludwig (CSU).

Wer auf Bahnstrecken der Region im Zug unterwegs ist, fährt oft netzlos. Auf dem Handy Neuigkeiten checken, die Zeit zum Arbeiten nutzen oder in der Firma Bescheid geben, dass der Zug verspätet ist? Kaum möglich. Bahnbetreiber nervt das Problem, den Service nur unter erschwerten Bedingungen anbieten zu können. Mobilfunkanbieter halten die Netzabdeckung entlang der Bahnstrecken allerdings für gut.

Die Situation ist verworren. Doch wie wichtig ist funktionierendes WLAN im Zug heutzutage? Und was können die Politiker der Region dabei bewegen? Wir haben nachgefragt. 

Heute: Die CSU-Bundestagsabgeordnete Daniela Ludwig:

Frau Ludwig, wie wichtig wäre Ihnen mobiles Internet im Zug, um zum Beispiel während der Fahrt arbeiten zu können?

Ludwig: Ich halte die Verfügbarkeit von mobilem Internet und WLAN in Zügen deutschlandweit für sehr wichtig. WLAN macht Züge zu modernen Orten der Kommunikation und Unterhaltung. Es eröffnet die Möglichkeit, auch die Reisezeit bereits zum Arbeiten zu nutzen. Das macht den Zug gegenüber anderen Verkehrsträgern attraktiver und bequemer und stärkt den Schienenverkehr, was ich sehr begrüße.

Wer ist aus Ihrer Sicht für die Versorgung mit mobilem Internet in Zügen zuständig?

Ludwig: Grundsätzlich sind hierfür die Bahnunternehmen zuständig. Die Deutsche Bahn hat hier durchaus schon einiges erreicht. Während ICE in der 1. Klasse schon seit 2014 über freies WLAN verfügen, soll dies in der 2. Klasse bis Ende des Jahres gelten. Diverse Privatbahnen sind hier ebenfalls schon weit gekommen. Inzwischen hat die Deutsche Bahn das Ziel verkündet, auch Regional- und Nahverkehrszüge mit kostenlosem WLAN auszustatten. Hier ist jedoch die Besonderheit, dass die Bahnunternehmen von sogenannten Aufgabenträgern – also Verbünden oder Behörden der Länder – beauftragt werden, den regionalen Schienenverkehr zu betreiben. Hier müssen Aufgabenträger und Bahnunternehmen eine Lösung zur Kostenübernahme und Umsetzung finden. Neben den Bahnunternehmen sind aber auch die Telekommunikationsunternehmen in der Pflicht, entlang der Bahnstrecken mobiles Internet zur Verfügung zu stellen.

Welche Einflussmöglichkeiten haben Sie als Bundestagsabgeordnete und die Bundesregierung generell, um für mobiles Internet in Zügen zu sorgen?

Weitere Informationen:

Ludwig: Sowohl die Deutsche Bahn als auch die privaten Bahnunternehmen sowie die Telekommunikationsunternehmen sind eigenwirtschaftliche Unternehmen, auf die der Bund beziehungsweise Bundestagsabgeordnete nur begrenzt Einfluss nehmen können. Bundesminister Alexander Dobrindt (CSU) setzt sich jedoch stark für kostenloses WLAN in allen Zügen ein. Gemeinsam mit Rüdiger Grube, dem Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn AG, und Volker Schenk, dem Präsidenten des Verbandes der Bahnindustrie, unterzeichnete er im Sommer die „Strategie Schiene Digital“. Darin wurde auch das Ziel festgeschrieben, bis Ende 2016 kostenfreies WLAN in allen ICE für alle Fahrgäste zur Verfügung zu stellen. Gemeinsam mit den Mobilfunknetzbetreibern soll nun dafür gesorgt werden, dass Reisende und weitere Nutzer der Schiene überall und jederzeit Zugang zum mobilen Breitband haben. Außerdem hat der Bund die Telekommunikationsunternehmen bei der Frequenzversteigerung 2015 verpflichtet, eine flächendeckende Anbindung aller ICE-Strecken an mobiles Breitband sicherzustellen.

Sollten Bahn- und Netzbetreiber durch entsprechende Regelungen "gezwungen" werden, für mobiles Internet in den Zügen und entlang der Bahnstrecken zu sorgen?

Ludwig: Ich bin der Ansicht, dass durch die beschriebenen Maßnahmen bereits viele Fortschritte angeregt wurden. Man muss sich allerdings bewusst sein, dass die Verfügbarkeit von WLAN in Zügen sowohl finanziell als auch technisch eine große Herausforderung darstellt und somit nicht von heute auf morgen umsetzbar ist. Die Deutsche Bahn, die Privatbahnen und die Telekommunikationsunternehmen haben inzwischen jedoch auch ein Bewusstsein für die Vorteile dieser neuen Technologien entwickelt und arbeiten an der Umsetzung. Insofern halte ich einen "Zwang" in diesem Fall für nicht notwendig und durch die Eigenwirtschaftlichkeit der Unternehmen auch nur für schwer umsetzbar.

Sollten WLAN-Angebote in Zügen kostenlos sein? Oder ist es berechtigt, dass Bahn- und Netzbetreiber einen Obolus dafür von Fahrgästen verlangen?

Ludwig: Aus meiner Sicht sollte WLAN kostenlos angeboten werden. WLAN ist heutzutage kein Luxus mehr, sondern sollte zur Standardausstattung gehören. Darüber hinaus macht die Verfügbarkeit den Zug als Verkehrsträger deutlich attraktiver und wird sicherlich neue Fahrgäste anziehen.

Bisher gibt es WLAN meist nur im Fernverkehr, also zum Beispiel in ICE-Zügen. Wie wichtig wäre funktionierender Mobilfunk in Regional- und S-Bahnen, in denen die meisten Pendler unterwegs sind?

Ludwig: Wie dargestellt halte ich die Verfügbarkeit gerade auch in Regional- und Nahverkehrszügen für sehr wichtig und stimme dabei auch mit der Deutschen Bahn überein, die den Ausbau vor Kurzem angekündigt hat.

Interview Katja Schlenker

Kampagne "Ein Netz für Bahnpendler"

Wer mit dem Zug zwischen München und Salzburg unterwegs ist, braucht Geduld. Mobiles Internet gibt es entlang der Strecke nur selten. Selbst mit Telefonieren ist es schwierig.

Wir, die OVB24 GmbH mit ihren Nachrichtenportalen rosenheim24.de, chiemgau24.de, innsalzach24.de, BGLand24.de, wasserburg24.de und mangfall24.de, haben deshalb eine Kampagne gestartet. Wir wollen mit Unterstützung unserer Leser und gemeinsam mit Bahnbetreibern sowie Mobilfunkanbietern eine Lösung für die aktuelle Offline-Situation finden.

Aus diesem Grund haben wir auch die Facebook-Seite "Ein Netz für Bahnpendler" ins Leben gerufen. Auf dieser Facebook-Seite posten wir alle Artikel sowie aktuelle Entwicklungen zum Thema. Alle betroffenen Bahnpendler sind herzlich eingeladen, die Facebook-Seite zu liken!

Quelle: rosenheim24.de

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